DAV Höhlengruppe Frankfurt/Main

Historische Berichte


Inhaltsverzeichnis

   Aktivitäten 2010
   Forschung 2010
   Forschung 2009
   Forschung 2008
   Forschung 2007
   Aktivitäten 2007
   Forschung 2006
   Aktivitäten 2005
   Forschung 2005
   Aktivitäten 2004
   Forschung 2004
   Aktivitäten 2003
   Forschung 2003
   Forschung 2002
   Aktivitäten 2001
   Forschung 2001
   Aktivitäten 2000
   Forschung 2000
   Aktivitäten 1999
   Forschung 1999
   Aktivitäten 1998
   Forschung 1998
   Aktivitäten 1997
   Forschung 1997
   Aktivitäten 1996
   Forschung 1996
   Sonstiges


Aktivitäten 2010

Die erste 5-Sternefahrt ging nach der Fledermausruhe …, ja muss ich denn überhaupt noch berichten (?) …., natürlich in den französischen Jura. Unser Lieblingsquartier wurde mit 8 Höhlenforschern bevölkert. Uli war das erste mal im ewigen Dunkel, durfte Tropfsteine anfassen und auf eigenen Wunsch einen 45m Schacht befahren (erfolgreich u. problemlos!). Ich glaube diese Erfahrungen in der Grotte / Gouffre de Vaux sind bleibende Erinnerungen. Die sportive Tour für die Cracks im Gouffre de Vauvaugier endete mit einer sehr nasskalten Überraschung. Ein nie gesehener Wasserfall am Ausgang kündete vom Wettersturz. Wegen des folgenden Monsterhochwassers der Loue, blieben auch die mitgebrachten Kajaks besser im Trockenen. Statt dessen sind wir durch die mit tosendem Wasser randvolle Schlucht bis zur Louequelle gewandert, selbstverständlich nicht ohne in 3 am Wegesrand gelegene Höhlen „einzukehren“.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Vulkanausbruch auf Island und die fliegerfreie ruhige Zeit. Wir wollten doch unbedingt nach Portugal! Mit Glück hat es gerade noch geklappt und es war wunderbar, sagenhaft. Renato und seine portugiesischen Freunde zeigten uns Ihre Lieblingsgebiete und nicht nur die klassischen Höhlen. So sieht die über der donnernden Brandung des Atlantik, in der Steilküste gelegene, sehenswerte Grutta da Meijo nicht häufig Gäste. Caving am Cliff, das ist einmalig schön. Weiter ging es in die ausgedehnten Olivenbaumplantagen ca. 100km nördlich von Lissabon. Riesige Poljen beherbergen erstaunliche Tropfsteinhöhlen und sehr farbfreudigen Lehm. Sicher waren wir nicht das letzte Mal dort.

An Fronleichnam wurden wir bei der Familientour unserem schönen Campingplatz an der Pegnitz untreu. Das durften wir auf einer nassen, matschigen Erdwiese in der Nähe der Wisent gleich bitter ausbaden. Fränkische Höhlenruinen, Kletterfelsen und der Bolzplatz waren aber in Ordnung. In Vorbereitung auf die WM spielten dort jeweils mindestens 3 Mannschaften auf ein Tor. Nach dem Entzünden der Lagerfeuer stand es 3:5:2?

Schon reisten einige Leser im Juni nach Lofer, in unser traditionelles Forschungsgebiet in den Loferer Steinbergen. Kathi unsere phänomenale Hüttenwirtin konnte Wetter und Hubschrauber passend für uns terminieren. Wären wir nicht so begriffstutzig gewesen, wäre nicht nur die Ausrüstung in 2 Minuten zur Hütte geflogen. Nun ja, so haben wir Aufstieg trainiert. Radu unser neuer Mann aus Rumänien wurde beschnüffelt und gleich im Kristallcanyon getestet. Dort haben wir unter sehr nassen Bedingungen unser neues 3-dimensional arbeitendes Laservermessungsgerät samt Bluetooth Communication zum PDA erprobt. In der 3-Schächtehalle und im Bassemoluff wurde Neuland entdeckt und dokumentiert. Erstmals seit mehr als 20 Jahren durften wir auch in die Prax Eishöhle einfahren, gerade noch rechtzeitig bevor die Klimaerwärmung das letzte Eis dahinrafft. Trotzdem noch eine sehr eindrucksvolle Tour.

Nach einem Sommerferienschlenker auch durch isländische Lavatubes, trifft sich die inzwischen internationale Frankfurter Höhlengemeinde Ende August am Loferer Schacht, der tiefsten und längsten Höhle in den Loferer Steinbergen. „Unsere“ Höhle soll noch länger werden. Renato, Pedro und Timo bringen noch Hitze von einem Feldstudium mit Höhlen aus Angola mit. Radu ist aus dem aufgeheizten Bukarest eingetroffen. Bernd und Petr inzwischen aus Tschechien, sowie Marvin, Mark und ich, gehören ohnehin zum Inventar. Die 10.000m Gesamtlänge verpassen wir knapp, trotzdem ging und geht es noch weiter. Hey, 2011 wollen wir den Durchbruch sehen.

Zum Hüttenschluss am 3.Okt. verbringen wir 2 erfolgreiche Tage in der Kreuzhöhle (Lofer, wo sonst). Renato und ich können 209m neue Passagen entdecken und vermessen. Das dunkle Ende wartet auf 2011, da ist noch viel Luft.

Eigentlich sollten wir nun Inventur machen, Höhlenpläne zeichnen, Berichte schreiben, … , doch es zieht uns zum Kontakte pflegen wieder in den Jura. Dagmar versammelt 14 Höhlenforscher in Amanthey und lässt es allen gut gehen. Die Höhlenklassiker wie die Bief Bousset und der Gouffre de Jerusalem werden bevölkert und einige Staustrecken eingerichtet. Neue Pläne für 2011 werden geschmiedet – Höhlen in den Pyrenäen, Indien, Cantabrien, Angola, Traversen in Frankreich, Lavahöhlen auf Island …

Sankt Barbara 2010: Minus 9°C, Schnee, Dunkelheit bis in den tiefen Morgen. 5 müde, vermummte Gesellen schälen sich im westlichen Thüringen aus 2 überheizten Fahrzeugen. Oben drauf warten eisverkrustete Stahlrohrrahmen mit schwarzen Hartgummiringen. Der Experte erkennt darin Fahrräder. Doch was wollen Bernd, Bino, Ralf, Mac und Oli von der Höhlengruppe damit anfangen? Des Rätsels Lösung zeigt sich im Hintergrund, ein Förderturm des Salzbergwerkes in Merkers. Nach Erhalt der Fahrmarke für den mehrstöckigen Förderkorb werden die Fahrräder und wir mit 25 anderen zitternden und bibbernden Enthusiasten eingeladen und auf 506m Teufe abgelassen. Eine Temperaturdifferenz von 32°C in 50 Sekunden gilt es dabei zu verdauen. Schon sind wir 262m unter dem Meeresspiegel. Bei nun 23°C tauen unsere Fahrgeräte und wir langsam auf. Während wir uns sommerlich einkleiden, die Lichter an Rädern und Helmen einsatzbereit gemacht werden, gibt es die letzten Anweisungen und Erläuterungen für die weitgehend unbeleuchtete 15 km Strecke. Schließlich geht es eine längere kurvige Strecke mit 17% Gefälle hinunter bis zu unserem absoluten Tiefpunkt auf 503m unter NN. Keiner von uns Höhlenforschern ist jemals absolut so tief gewesen, Rekord für die Höhlengruppe.

Text: Oliver Kube


Forschung 2010

International Caving in Loferer Schacht 2010

Olá cameradas - mein Name ist Renato. Als Portugiese lebe ich nach eini

gen Jahren in der Schweiz und Deutschland nun in den Niederlanden. Trotzdem bin ich Mitglied in der Sektion Frankfurt, vor allem wegen der sagenhaften Höhlengruppe. Im vergangenen August hat die jährliche Tour in den Loferer Schacht stattgefunden. Unter die Leitung der Frankfurter DAV Höhlengruppe haben dieses Jahr deutsche, tschechische, portugiesische und rumänische Forscher eine Gesamtlänge von 9893,67m erreicht. Verwehrt blieb uns noch der Durchbruch nach Tirol mit dem ersehnten Glocknerblick, unserem vermutlichen Hinterausgang. Nun ja, da wird 2011 wohl der Jahr der runde Zahlen : -1.000m Tiefe, oder 10.000m Gesamtlänge ?

Könnte die Motivation der Mannschaft noch größer sein? Ein herzhaftes Frühstück - vollkommen mit frischem Milch und hausgemachter Marmelade - macht es möglich. Herrliche Bergkost! Leider werden die Rücksäcke dadurch nicht leichter... Mit 25kg jeweils, trotz Zurücklassung von entbehrliche Artikeln und freundlicher Unterstützung der Tragehelfer, beginnt der Aufstieg erst um 10 Uhr. Starker Regen in dieser Saison hat die Eisfelder am Außenlager beinah vollständig abgeschmolzen. Der Zugang zur Höhle ist durch eine tiefe Mulde wegen des Altschneemangels erschwert. Vom guten Wetter verwöhnt, schlafen Oli und Petr unter den strahlender Mond; die Portugiesen bleiben sicherheitshalber im Zelt.

Sobald die Sonne über das Ochsenhorn steigt, wird es sommerlich heiß im Lager - wer will da noch ein dickes Unterschlaz anziehen? Die Vorbereitungen sind im vollen Schwung, als Radu, Mark und Marvin eintreffen. Unser Genosse Bernd wird dieser Jahr verletzungsbedingt nicht hinunter ins Biwak kommen, bleibt jedoch nicht fern und begrüßt uns am Lager. Er verspricht sofort hinzu zu eilen, falls auch nur ein Finger in Tirol ans Tageslicht kommt ! Es ist bereits 15 Uhr als das blaue Team mit Pedro, Timóteo und Renato als erstes loszieht. Heute Abend sollen Sie im Garten-für-die-Harten Biwak schlafen, der Vorstoß in die Südautobahn ist das Ziel. Das rote Team folgt kurz danach. Oli, Petr, Mark und mit der Videokamera bewaffnet: Radu. Nach Plan werden sich die beiden Mannschaften erst am Donnerstag wieder sehen. Das blaue Team macht Pause im Terminal 1-Biwak, es ist Teatime (eine portugiesische Sitte). Wie sich herausstellt ist Spülmittel jedoch nicht als Brennstoff geeignet - aber die Flasche gleich gefärbt! Der Loferer Schacht ist bisher weitgehend trocken, die üblichen Gerinne lassen sich auch nicht hören. In engen Mäandern wird schnell eine Schleifsackförderkette aufgebaut - mit drei Personen lässt sich so die Querung zügig erledigen. Noch vor dem Garten-für-die-Harten müssen Seile ausgetauscht werden, dabei lassen schon langsam die Kräfte nach. Den Garten-für-die-Harten betreten wir schließlich um 1 Uhr nachts. Extrem zugig ist es im Biwak, die gefühlte Temperatur sinkt locker unter Null. Wer trotz dröhnendem Wasser schlafen kann, dem steht Zdeneks Schlafnische zu - hier dringt der Wind nicht ein, dafür ist es laut. Wer es still mag, der liegt 50m weiter in der kalten Zugluft.

Vom Garten-für-die-Harten zum Waldstadion-Biwak. Um 13 Uhr fängt die Quälerei an. Fünf beladene Schleifsäcke und ein strategisch leicht nur mit Schlafsäcken gestopfter Sack durch schlängelnde Gänge zu tragen ist kein Kinderspiel. Draußen hat der Regen angefangen - auch im trockenste Teil der Höhle ist das nicht schwer zu deuten. Das blaue Team erreicht sein künftiges Zuhause im Waldstadion um 18:30 Uhr. Oli und das rote Team sind schon seit 16:30 Uhr im Garten-für-die-Harten. Der durch Cavelink ermöglichte Funkverkehr wirkt sehr beruhigend. Mit erfinderischem Geist und mehreren Malerabdeckplanen richten sich die Forscher häuslich ein. Küche und zwei winddichte Schlafkammern gehören jetzt zur Ausstattung des Biwaks. Für das nächste Jahr ist ein drittes Gastzimmer geplant.

Die Höhlenwind weht kräftig durch das Biwak; nur in die Küche findet man Schutz. Oli und die Roten sind schon seit 7 Uhr unterwegs, bei den Portugiesen findet das Frühaufstehen wenige Anhänger. Erst um 13 Uhr ist der Aufbruch. Auf dem Weg zur Südautobahn wird ein neuer Seitengang entdeckt - er wird am nächsten Tag vermessen. Künstlerisches Klettern durch Timóteo und neues Seil, machen ausgesetzte Strecken angenehm sicher. Der krönende Abschluss folgt am Ende des Ganges. 50m Sportklettern an vertikaler Wand. Ganz oben wird feines Geröll und schwarze Erde entdeckt, kann die Oberfläche so nahe sein? Das Begehen des Ganges von unten ist zu gefährlich, wir sind frustriert. Wir vermessen und stellen später im Biwak fest, dass der elektronische Kompass noch auf die letzte Tour in Angola kalibriert ist (Südhalbkugel!). Dann lässt sich als alle unten sind das Seil nicht abziehen und Timóteo muss noch einmal seilfrei hoch und runter. Wir trösten uns mit der Feststellung, dass sonst alleine ein Ereignis genügt, um einen Tag zu versauen. Als Ausgleich gelingt am späten Abend noch die Neuentdeckung höher gelegener Gänge. Es ist Mitternacht als wir wieder im Waldstadion einlaufen. Über Cavelink erfahren wir von den Fortschritten im Jackpot, und Kathi meldet Schönwetter ab Donnerstag. Manche träumen bald von Kaiserschmarrn, andere lassen es rasch schnarr'n...

Der Glocknerblick wird wohl erst in 2011 entdeckt, helaas. Keine Sorge, mit Oli und der Höhlengruppe ist auch Schmuddelwetter eine Freude! Heute ist Vermessung und Kletterei angesagt, man muss sich ja sein Käsebrot verdienen (Mineralwasser ist immer frei). Ab 12 Uhr werden die neuentdeckte Seitengänge vermessen. Eine vielversprechende Röhre verschwindet etwa 20m nach dem Anfang im Sediment. Eine zum Hauptgang parallel laufende Galerie, kann weiter verfolgt werden. Hochgefühl, Glückauf, Sportklettern im Gummistiefeln sorgt für spannende Momente trotz kalte Füße: 25m hinauf bis in ein riesen Saal, hier könnte ein LKW parken. Timóteos eigengefertigter Spezialakkupack wird hier getestet. Die vollständig elektronisch gestützte Vermessung funktioniert neu kalibriert wieder reibungslos (Nordhalbkugel!). Um 21 Uhr gibt es karge Höhlenforscherkost. Das Tagesgericht? - Eiernudeln mit Sahne und Leberkäs, mit allerliebste Röstzwiebeln und Surrogatparmeggiano. Doch zum dritten Mal muss der Benzinkocher auseinandergenommen und entrußt werden – gibt es Gammelbenzin?

Heute wird mit großen Platzgewinn der Müll zusammengedrückt und eingepackt. Das Biwak wird dicht gemacht. Um 12 Uhr brechen wir mit vier Schleifsäcken auf. Nach einrm zu schnell kalt werdende Tee im Garten-für-die-Harten, steht uns nun das senkrechte 600 Höhenmeter Aufstieg bevor. Die wenigen Tropfen am Sonntag haben sich jetzt in mäßigen Regen im Schacht gewandelt. Oli und die Suppe konnte man zwar nicht sehen, dank des Winds aber auf 1 Stunde Entfernung riechen! (nur die Suppe). Oli und Petr haben bereits eine Party vorbereitet als wir im Terminal 1-Biwak eintreffen. Radu und Mark sind bereits auf dem Weg nach draußen.

Terminal 1 Ade! Um Punkt 7 Uhr morgens hängt Oli im Seil, Petr und die treue Benzinbohrmaschine folgen. Team Blau fährt um 9 Uhr ab. Die 435 Höhenmeter zwischen uns und der Oberfläche sind gleichzeitig Freude und Leid. Um den Anstrengungen vorerst zu entgehen wird überlegt, ob man nicht unten bleiben möchte...? Bald klagt der Vorsteiger beim Aufstieg über den Geruch des Letzten, hoppla, der Höhlenwind hat sich umgekehrt. Die Wetterbedingungen an der Oberfläche sind wohl nicht die günstigsten. Ausgerechnet in der einzigen Stelle, wo ein Forscher am Seil dem Wasser nicht ausweichen kann, wächst das Rauschen des Wassers zum Dröhnen, ein Wasserschwall! Unter lautem Geschrei eilt die Mannschaft an einen albwegs trockenen Fleck - und damit in Sicherheit. Um 13 Uhr hat der Regen eingesetzt, er wird 30 Stunden andauern ! Ernsthaft wird über die Entscheidung beraten zurück zum Biwak zu gehen, oder weiter zu steigen. Da der Weg es erlaubt, steigen wir von Gischt gekühlt, aber sicher weiter. Um 17 Uhr schließlich grüßt uns ein extrastarker Regenschauer vor dem Höhlenportal. Nässer kann man ohnehin nichts mehr werden. Bald zieht es die Forscher zur Hütte, es lockt der Kaiserschmarrn - mit Rosinen, bitte.

Das Außenlager wird geräumt. Bald wird das Eis die Eingänge des Loferer Schacht erneut verschließen, bis zum nächsten Sommer.

Text: Renato Serodio, Fotos: Oliver Kube

Mit freundlicher Unterstützung der Österreichische Bundesforste AG


Forschung 2009

International Caving in Loferer Schacht 2009

Multi-Kulti mit der Höhlengruppe der Sektion Frankfurt. Wer schon immer gerne mal multilingual unterwegs sein möchte, ist bei uns bestens aufgehoben. Im August 2009 konnten wir wieder unsere jährliche, einwöchige Forschungstour in den Loferer Schacht unternehmen.

Os espeleólogos do CEAE participaram em duas das três equipas de exploração com objectivos de exploração e topografia de novas zonas da cavidade, desobstrução e substituição e instalação de novo equipamento, bem como recolha de imagens de vídeo da expedição. Estes permaneceram na cavidade entre os dias 9 e 14 de Agosto, instalados em dois bivaques localizados às profundidades de -580m (Garten für die Harten) e -450m (Waldstadion). Uma equipa de apoio permaneceu à superfície junto da entrada da gruta, a 2200m de altitude.

Jak vetšinou ctenári vedí, setkává se v pátek v Loferer Hochtal elita evropské badatelské scény. Ve svetle celovek je rychle vyzunknuto jedno pivko.

Thanks to this friendly wake-up call, delivered in broad local slang, we had an early start into the sunny day. Looking on the bright side, this was an improvement over the usual soggy start in pouring rain. We sorted the food for a week and gear in the parking lot and packed our ridiculously large backpacks. Oli checked each load and redistributed some of the weight to lighter daypacks, or stronger backs. Our compact portuguese friends, weighting in at 60kg, would have a hard time with these 30kg packs.

O peso das mochilas faz-se sentir desde o primeiro passo. O caminho íngreme montanha acima faz-nos pensar numa dura ida a Fátima. Pausa na primeira fonte, outra na seguinte, para apreciar a maravilhosa vista, e logo outras paragens - a força desaparecia com a altura. Perdemos os outros de vista nos ziguezagues - Checos bem à frente, os alemães depois, estão bem habituados a estas andanças. Na cabana von Schmidt-Zabierow estamos de novo reunidos, apreciamos a cerveja.

Von der Vortour war noch Material (= weitere Lasten) an der Hütte aufzunehmen, doch wohin und wer soll das noch schleppen? Zu unserem Glück erscheint ein ausgeruhter Robert als Tragehelfer genau zum richtigen Zeitpunkt. Begeistert von der Sache lässt er die überzähligen Päckchen in seinen großen Rucksack verschwinden.

Oli delí skupiny : modrá grupa nazvaná „Výmena“ a „Film“. Loia, Renato und Oli budou menit 10 let stará lana a kotvení a dále natocí film o jeskyni. Pritom prenocují v bivaku 1. Cervená grupa s názvem „Yes we can“. Její clenové jsou Bernd, Timo und Pedro, ti budou na dva dny zataženi do výzkumu na Waldstadionu. Cerná skupina s názvem „Blow“ bude rozebírat zával v partiích Sekt oder Selters a prípadne se pokusí o další prunik. Bydlet budou na bivaku Garten für die Harten.

Marvin gibt den Campmanager im Außenbiwak. Dagmar wird im Lauf der Woche dazustoßen. Er kümmert sich sogleich um unsere Schweizer Funkanlage (Cavelink), mit welcher wir bis zu 800m per SMS durch soliden Fels kommunizieren können. In all dem üblichen Auspackchaos finde ich schon längst im Müll geglaubte durchlöcherte Transportsäcke wieder, die wurden wohl wieder von der Hütte zur Höhle getragen, aber leider keine Bohrmaschine. Ohne unsere gute Bohre kann die schwarze Gruppe nicht arbeiten, wo ist das Ding nur? Mitten im Gewimmel stoppt ein heftiger Begrüßungsregen unseren Campaufbau. Nach einer Stunde Warterei zusammengekauert unter einer Plane, stellen wir rasch ein nasses Zelt auf.

Both the sun and our good mood had returned by next morning. It was time to organise our trip down to Middle Earth. Oli and Petr finally managed to find the drill buried in the far back of a storage room in the alpine hut, one hour away from our camp site. The black twins started first, than the red explorers and finally the blue hero film team. Things ran smoothly, rope, explorers and bivouacs were in good shape. Well after midnight, the sound of snoring reverberated around the cave.

A equipa vermelha, após pernoita no Terminal 1 (1º bivaque), encontrava-se a ultimar os preparativos para a descida até ao Garten. Esperava-nos uma grande sequência de poços com água que teríamos de evitar, mas mal tomámos a iniciativa de partir, um estrondoso roncar de águas foi aumentado de volume. Era a indicação que se tinha abatido uma tempestade à superfície e só eram necessários cinco minutos para que uma forte massa de água atingisse esta profundidade. Esperámos duas longas horas para senti-la a diminuir e só então, sempre alertas, conseguimos vencer a descida até ao 2º bivaque. Filmaram-se algumas cenas de grande impacto; a comunicação entre o cineasta e o actor, difícil, face ao clamor das águas.

Terça-feira: na sequência de mais trabalhos de troca de cabos, penetrámos até à parte mais fóssil da gruta, com tempo para um jantar com a equipa Azul no Waldstadion. Outros trabalhos de troca - desta vez da memória do Datalogger - levaram-nos no dia seguinte à Stairway to Heaven, que abriga as únicas formações calcíticas desta gruta. No dia 13, depois de dias em auto-suficiência, de muito frio nos pés e de cheirinhos entranhados nos corpos, a minha equipa deu inicio à subida. Um dia inteiro de enorme esforço para vencer uma interminável sequência de poços tecnicamente muito difíceis, até que finalmente se alcançou a luz do dia.

Skupina „Blow“. První dva dny byla naše pozornost soustredena na spodní cásti jeskyne, v oblasti Minas Tirith, tedy na prekonání závalu v Sekt oder Selters. Postupne uvolnujeme menší kameny závalu, ze kterých v nevelké prostore pred závalem zakládáme menší zídku. Postupne pronikáme do nitra závalu. Skrz vzprícené bloky je videt zacátek jakési vetší prostory. Další postup je docela dobre možný, a vlastne stací rozšírit již zmínenou pasáž. Jako nejbližší další exploracní cíl se jevil jeden z komínu v dómu Minas Tirith. Jedná se o cca 25 m vysokou prostoru, s mírným náznakem dalšího pokracování v horní cásti, bez jakéhokoliv pruvanu. Další postup je možný spíše s použitím vetšího množství nýtu. Poslední den našeho pusobení v L.S. jsme se venovali výzkumu cástí navazujících na výrazne stoupající prostory Jackpotu, který byl objeven v r. 2003. Tyto nove objevené prostory byly nazvány Mechovým meandrem, podle pizolitu na stenách pripomínající mech. V posledních hodinách výzkumu byla v horních partiích Mechového meandru Zdenkem odkryta obrovská prostora nazvaná dle byzantského panovníka Bazileos.

Die rote Gruppe erreicht am Montag das Waldstadion in der großen Horizontaletage im Südwesten des Loferer Schachtes. Hier befindet man sich ganz in der Nähe der Außenwand des Reifhorns. Der Weg nach draußen ist unser Ziel. Am Dienstag folgen wir der Südwest-Autobahn bis zum letzten Messpunkt aus 2008, dem Punkt 35. Dort klettern wir steil über riesige geborstene Blöcke und Wände empor. Oben geht es wie erhofft weiter. Die Passagen werden eingemessen bis es entweder zu eng oder zu gefährlich zum klettern wird. Hier ist alles extrabrüchig. Abends kommt Besuch, das Filmteam ist neugierig herbeigeeilt. Wir machen Party, doch Pedro peinigen starke Zahnschmerzen. Am Mittwoch entdecken wir auf der nördlichen Seite einen Durchschlupf im Steingarten, welcher als prima Abkürzung von hinten in den OKD-Gang führt. Das spart leicht eine Stunde Kletterei. Ein großer Schacht bringt einen statt hinaus in die Sonne, noch weiter in die Tiefe. Neue Möglichkeiten in einer riesigen schrägen Spalte tun sich dort auf. Am Donnerstag verfolgen wir den Höhlenwind in der Autobahn. Einige neue, kurze, abzweigende Gänge werden entdeckt und virtuos erklettert, doch noch immer bleibt uns der Glocknerblick (unser ersehnter Hinterausgang) verborgen.

On thursday afternoon, Oli popped out of the snow near the tent and immediately started to organise a smoke tracing. Bernd and the red group had the job of igniting smoke powder (used by fire fighters for training) deep in the cave, with the hope that we would then spot the smoke coming out of a long-sought lower entrance far down on the south side of the mountain. After some coordination via radio, Marvin, Dagmar and Oli climbed to their spotting areas to wait for signs of smoke. Unfortunately, a fast moving thunderstorm soon dashed our hopes.

Marvin hatte viel zu erzählen und ein perfektes Lager vorzuweisen. Die Funkstation war wegen heftiger Gewittersturzfluten mit extrastarken Böen zeitweise komplett abgesoffen. Am Freitag stellte sich auch noch ein Softwarefehler in unserem SMS-System heraus. Doch inzwischen waren alle unterwegs auf dem Weg nach Draußen. Über den Tag konnten wir in der Sonne beginnen die Sachen zu trocknen, die Materialtonnen ausputzen, einige jahrelang abgelaufene Lebensmittel entsorgen und endlich wieder eine solide Basisinventur durchführen. Nach Zdenek und Petr kommen in der Nacht nicht ganz überraschend auch noch Bernd, Pedro und Timo ziemlich abgekämpft, aber überglücklich aus der Höhle.

Text: Oliver Kube mit freundlicher Unterstützung von Shary, Renato, Petr, Hilary

 

Doppelvorstoß, 2+2=4

In der Nacht zum 3. Juli war wieder emsiges Treiben im Loferer Hochtal zu beobachten. Höhlenforscher aus Nah und vor allem Fern, wollten endlich wieder Neuland machen. Die üppig herangekarrten Vorräte und das neue notwendige Material forderte ganze Trägerkolonnen. Doch Dank sehr guter Beziehungen zu Kathi, der sagenhaften Hüttenwirtin auf der 110 jährigen Schmidt-Zabierow-Hütte, beförderte diesmal der Hubschrauber die Lasten nach oben. Schwupps, in 2 Minuten 1200 Höhenmeter, daran kann man sich gewöhnen. Aus Trainingsgründen liefen wir natürlich. Noch am Freitag flitzten Petr und Zdenek in die 200m tiefe Kreuzhöhle um dem Block des Pharao auf den Leib zu rücken. All die anderen Forscher transportierten jede Menge Seil und Ankermaterial zum Kristallcanyon, auch da wartete ganz unten noch ein angefangener Schacht.

Am Samstag, 4. Juli gehen wir dann getrennte Wege. Petr und Zdenek arbeiten in der Kreuzhöhle, Bernd und Simon (aus London angereist) machen hier den Transport und eine Besichtigungstour. Shary und Honza pflegen sich in der Bergsonne. Der Kristallcanyon sieht Andreas, Marvin, Stefan und mich anrücken. Hier liegt im Canyon unter dem Eingang wenig Schnee, der ansonsten eingeeiste Klemmblock sieht irgendwie wackelig aus. Im 91m Schacht in den Heldendom gibt es ein paar Probleme, worauf Stefan den Rückzug wählt. Der nächste Rückschlag erwartet uns an unserer Messstation. Beim Tausch des Speicherbausteins in unserem Datenlogger fällt mir auf, dass eine Batterie aus der Halterung gesprungen war. Und zwar schon 2008. Das bedeutet wir haben 1 Jahr lang keine Daten über Wind, Temperatur und Luftdruck aufgezeichnet. Hightech ist eben ohne Lowtech nichts wert.

Etwas enttäuscht geht es weiter unter die Bassemoluff-Halle. Hier seilen wir mit 160m Seil ins Unbekannte ab. Mächtig rauscht das Wasser und bald bin ich klitschnass, vom oberirdischen Schmelzwasser wohlgemerkt. Adrenalin und sportliche Betätigung beim Speed-Dübeln helfen hier ohne Zweifel, schließlich ist viel schwarze Luft unter den Sohlen. Doch nicht nur mein Eifer lässt am Ende des 100m Seils in einem größeren Schachtraum kältebedingt rapide nach. Wir machen noch 3 mögliche Fortsetzungen nach unten aus, dann zieht es uns einstimmig zu den heißen Kaspressknödeln auf die Hütte. Leider dauert das von ca. minus 300 Metern noch locker 3 Stunden. Natürlich gelangen wir im Dunkeln zur Hütte, entdecken auf dem Weg noch ein Lichtchen überfälliger Kletterer auf dem Breithorn und sehen endlich die Strahler von Petr und Zdenek gegen Mitternacht am Horizont. Vom Warteplatz an der Hüttentür nehme ich noch den „Durchbruch am Pharaonenblock“ mit in meine Träume.

Am Sonntag tauschen wir die Höhlen. Petr, Zdenek, Bernd und Honza sind neugierig auf die Tiefen des Kristallcanyons. Andreas und ich wollen hinter den berühmten Block. Nach 3 Stunden in der Kreuzhöhle schlüpfen wir, na ja, pressen wir uns 3m am Block vorbei in die folgende, na logisch, Grabkammer. Zum Glück geht es hier dem Wind nach weiter. Eine Kletterstelle führt in einen fossilen, klassischen Mäander hinab, darin etwas Zick-Zack entlang und schon rauscht es wieder verdächtig. Eine große Schachtzone mit reichlich Wasser verlegt den Vorstoß. Links hinab lande ich am provisorisch befestigten Seil in heftigem Tropfwasser, worauf ich heute nicht schon wieder Lust habe. An der rechten Schachtkante fehlen uns genügend Dübel. Mit dem Laserentfernungsmesser schieße ich fast 40m diagonal in die bis dato ewige Finsternis. Hey, da erwartet uns noch etwas. Trotzdem überwiegt jetzt der mentale Druck nach Kaiserschmarrn deutlich. Nach einigen Fotos im Neuland geht es zurück.

Wieder folgt ein nächtliches Treffen bei kulinarischen Highlights auf der Hütte. Begeistert wird aus dem Kristallcanyon von einem steil abwärts führenden Mäander berichtet, welcher an einer Wasserfläche unpassierbar wird. Vermutlich ein hängender Siphon, ganz sicher nicht der Karstwasserspiegel. Vielleicht kann man ja im trockenen Herbst hier durchschlüpfen ? Schon werden Pläne geschmiedet.

Der Montag sieht dann müde Helden beim Aufräumen und BEEP, schon sind 4 wunderbare Forschungstage an nur 2 Kalendertagen zu Ende (2+2=4). Das nenne ich effektiv und mit beidseitig Neuland äußerst erfolgreich.

Text: Oliver Kube


Forschung 2008

Loferer Schacht - SMS aus der Tiefe

Mit der beruhigenden Vorhersage die Schneegrenze steige auf 2500 Meter ziehen wir am 8. August zur alljährlichen Forschungstour nach Lofer. Die Regennacht geht ohne Unterbrechung in einen rundum wassergekühlten Aufstieg über. So sind wir das gewohnt. Kathys Trockenraum auf der von Schmidt-Zabierow-Hütte verwandelt sich temporär in ein Schwimmbad. Wir beschließen entgegen aller guten Vorsätze einstimmig auf der Hütte zu nächtigen. Trotzdem tragen wir im warmen Regen noch Material zum Loferer Schacht.

Der Sonntag bringt den Aufbruch zur Sonne. In strahlend sommerlicher Laune vereinbaren wir 2 Dreiergruppen für die beiden Höhlenbiwaks. Bernd, David und Honza wollen bis zum Waldstadion durchmarschieren, Shary, Petr und ich, werden den Garten für die Harten bevölkern. Bei der „Pack den Sack“-Planung bemerke ich, dass der sicherheitstechnisch notwendige Tausch von 175m Seil für jeden von uns einen 3. Schleifsack bedeuten würde. Das ist viel zu schwer und nicht zu bewältigen. So mache ich Mark und Renato eine Tagestour bis zur Verschwörungshalle schmackhaft und kann sie schließlich für ihre erste Höhlenbiwaknacht auf Terminal 1 herunterhandeln.

Alsbald liegen ca. 20 blaue Materialtonnen im Geröll und das übliche Packchaos nimmt seinen Lauf. Meine in schlaflosen Nächten vorbereiteten Packlisten bringen etwas Führung und Beschleunigung in das Durcheinander. So gegen 13 Uhr sind wir bereit zum Einstieg. Stefan bemerkt plötzlich, dass er alleine im Außenbiwak zurückbleiben wird. Dagmar konnte der Arbeit nicht entkommen. Die Seiltauscher Mark, Renato und ich rücken zuerst in den Schacht ein. Doch noch vor dem 1. langen Schacht bläst es Renatos Karbiddüse heraus. Der berühmte geschlossene Druckwasserkreislauf hat sich noch immer nicht bewährt.

Mark flitzt unbeeindruckt vorneweg, so dass ich schnell folgen muss. Bald sind wir in der Verschwörungshalle angelangt und tauschen das 1. alte Seil aus. Weil Renato mit dem nächsten Seilsack danach noch nicht aufgeschlossen hat, lasse ich Mark zurück und tausche die Seile bis zur Fledermaushalle. Gerade als ich fertig bin, bringt Mark einen Sack neue Seile herbei. Weiter geht die Tauscherei am 30m Wasserfall. Hier ist es mit der Gischt und einer weiten Pendelumhängestelle bodenlos anspruchvoll. Alsbald überholt uns David von Gruppe 2, bis wir uns dann alle im Haifischmäander an der Umbaustelle stauen. In kurzer Folge erreichen wir Terminal 1 in 430m Tiefe. Shary verschwindet sofort im von David beheizten Zelt und ich weiß augenblicklich, Petr und ich werden alleine in den Garten für die Harten gehen. Mark ist 10 Minuten hin- und hergerissen ob er nun mit uns in die Tiefe gehen soll, ist aber mental nicht auf 4 bis 5 Biwaknächte eingestellt.  So wird er wie vorgesehen mit Renato und Shary aufsteigen. Die Karawane zieht nach einem Süppchen weiter.

Gegen Mitternacht erreiche ich mit Petr das geliebte Biwak. Wir haben alle vorgesehenen Seile getauscht. Der Kocher brummt schon, denn Gruppe 2 macht sich gerade übers Abendessen her, bevor sie sich noch ins Waldstadion schleppen wird. Wir legen uns dagegen dankbar auf die Isomatte.

Gegen Montagmittag sind wir ausgeschlafen. Der besondere Höhlenrhythmus mit seinen lange geübten Routinen beginnt, Petr und ich sind ein eingespieltes Team. Als das Kältezittern nach einer Kanne heißem Tee nachlässt, es hat nur 1°C, baue ich das neue Höhlenfunkgerät auf. Während ich die langen Dipolantennen auslege, geht Petr Wasser holen. Gerade habe ich die erste Antenne gelegt, als auch schon eine Meldung (SMS) von Bino aus Frankfurt eingeht. Whoww, wir funken durch ca. 800 m soliden Fels und draußen funktioniert unser GSM-Umsetzer. Über das System sind wir mit dem Außenbiwak, dem Handynetz und auch mit dem Waldstadion verbunden. Hervorragend.

Zur Erholung geht es heute horizontal zum Schweigenden Fluss. Wir wollen herausfinden, wo er hinfließt. Bald sind wir am Abzweig ins Unbekannte und schauen neugierig einen Schacht auf das glitzernde Wasser hinunter. Wir können seilfrei abklettern und vermessen bald wunderschönes Neuland. Nach einigen kleinen Wasserfällchen verschwindet der Bachlauf ohne uns donnernd in einer kleinen, zu engen Spalte. Nebenan können wir im ehemaligen Bachbett noch bis in eine nette Halle vordringen. Von dort aus ist bald Schluss im unschönen Verbruch. 91 Meter vermessen, ein guter Anfang.

Glücklich kehren wir ins Biwak zurück. Dort sitzen zu unserer Überraschung Bernd, Honza und David an unserem Suppentopf. Sie wollen Material mitnehmen. Die Konversation ist etwas einsilbig, da sie am Morgen erst gegen 5 Uhr das Waldstadion erreicht hatten und nun etwas phasenverschoben sind. Morgen wollen sie die Fortsetzung im OKD-Gang Richtung Tirol angreifen. Dort vermuten wir seit langem unseren Hinterausgang. Petr und ich werden in 735 m Tiefe im Sekt oder Selters einen sehr windigen Schluf aufsuchen. Dort war ich 2004 der erste und letzte Besucher. Nun gilt es den Versturzbereich dahinter zu überwinden. Eine Fortsetzung ist hier garantiert.

Am Dienstag sind wir nach 2 Stunden Anmarsch dort. Petr nimmt Maß und liegt bald stöhnend in der engen Röhre. Endlich ist er durch, ich folge. 4 Jahre sind vergangen wie ein Tag, alle Einzelheiten sind mir noch präsent, nichts hat sich geändert, alles ist unberührt, aber breiter ist es auch nicht geworden. Petr begeistert sich über den hörbaren Wind, große Hohlräume erwarten uns. Doch zunächst rücken wir Steine und graben im Schotter. Es bleibt eng und verwinkelt, trotz Stocherstange kommen wir nur 3 Meter weiter. Wir werden eines Tages mit passendem Gerät wiederkommen, da bin ich sicher (Bummm).

Nach einer heißen Suppe suchen wir Option B auf, ein verheißungsvoller Schacht an der riesigen Rampe. Hier ist es im Gegensatz sehr geräumig. 60 m Seil bringen uns durch den Mäander in eine wirklich große Halle. Sie ist mit sehr großen, ca. 5m messenden scharfkantigen Blöcken garniert. Alles sieht auf den ersten Blick frisch heruntergefallen aus, es ist gruselig, zumal man die sehr hohe Decke nicht erkennen kann. Oben ist es einfach nur schwarz. Mit unseren 2 hier verloren wirkenden Lämpchen dauert es gut eine Stunde bis wir uns einen Überblick und einen Weg durch und über das heillos zersplitterte Blockchaos verschafft haben. Die Grenzen der Halle sind nicht immer leicht zu erreichen. Wir finden keine offensichtlichen Fortsetzungen, auch nicht unter den bröseligen Blöcken, zum Glück, wie ich finde.

Dann konzentriere ich mich darauf, wie wir diesen wilden Winkel neue Erde möglichst effektiv vermessen. Der Magen knurrt, wir gähnen, Durst plagt uns, aber wir bringen es heute tapfer zu Ende. Nur nicht noch einmal hier herunter. 143 neu vermessene Meter in der sogenannten 8-km-Halle stimmen uns am Ende glücklich. Auf dem langen Rückweg installiere ich noch den Wind- und Temperaturmesser am immer zugigen Eingang zum „Stairway to Heaven“, dann gibt es endlich wieder heiße Spätzle in Butter, mit Schnitzel, Röstzwiebel, Championcreme, Brühwürfel, gereicht mit warmen isotonischen Getränken. Zum Nachtisch Fleischkäse, Erdnüsse, Trockenobst … Noch ein Verdauungsspaziergang zum Funkgerät, neueste Nachrichten austauschen. Bernd und Co. waren im OKD-Gang nicht glücklich. In wüster Kletterei führt die Spalte nicht in die erhoffte Richtung. Die Meldungen von draußen verstehen wir nicht ganz, aber wohl sind alle wieder am Tageslicht. Entspannt sinken wir am frühen Morgen auf die nasskalte Matte.

Am Mittwoch brauchen wir wieder eine Erholungstour. Irgendwo muss der Schweigende Fluß ja herkommen, da wollen wir nun auch hin. Alsbald kriechen wir durch knietiefes Wasser (sommerlich warm, 2°C), winden uns durch enge Mäander. Nach 50 Metern ist Schluss, das Wasser plätschert uns munter aus einem handbreiten Spalt entgegen. Das ist in Ordnung, denn die Gegenseite kenne ich bereits. 2007 haben wir demnach den Schweigenden Fluss bereits gesehen, waren aber nicht sicher. Hier gibt es noch einen verheißungsvollen Ansatz über einen unbefahrenen 6m Schacht. 2 Stunden später sind wir dort. 30 Minuten zum Dübelsetzen und Seil installieren, 30 Sekunden abseilen, 5 Meter um die Ecke gehen - ENDE.Hrgttnchml. Aha, hochklettern geht. Lose Steine, brüchige Wände, wackelige Klemmblöcke, ja nix anfassen. Wieder ein handbreiter wasserspeiender Spalt. Prima, danke das war es. Heute erstaunliche 130 Restmeter vermessen. Schon ist es wieder 21 Uhr.

Im Biwak endlich ein Erfolgs-SMS aus dem Waldstadion. Bernd meldet ergiebiges Neuland über der „Elli & Quinlain Hall“.– Na bitte, wer sagt’s denn, geht doch -Vermessen am Donnerstag, dann Aufstieg ins Terminal 1, dann am Freitag raus, so lautet die Meldung. Wir funken HURRA und unsere Ausstiegspläne für Donnerstag.

Von draußen gibt es Glückwünsche und Schönwettermeldungen. Aber das haben wir anhand der starken Höhlenwinde ohnehin gewusst.

Petr und ich wollen am Donnerstag in einem Rutsch nach draußen gehen. Nach gründlicher Inventur und dem vertilgen der restlichen Frischwaren machen wir uns an den 8 stündigen Seilaufstieg. Mit je eineinhalb Schleifsäcken kommen wir wie geplant voran. Alle 2 Stunden gibt es einen Snack. Gegen 21:30 Uhr hört uns Mark rumoren. Er hat den Lauschposten am obersten Schacht bezogen. Bald jodeln wir kräftig hinauf und herunter, das gibt noch mal Kraft für die letzten Meter. Intensiv spüren wir den freien Himmel, Trockenheit, Wärme, Sterne, Ruhe. Gerne wollen wir unter dem Sternenzelt schlafen, doch nach 10 Minuten Freude belehrt uns ein Gewitter wer hier draußen das Sagen hat. Auf dem Schneefeld schlafe ich im abschüssig hängenden Zelt äußerst miserabel. Morgens entdecken wir David schnarchend im Vorzelt.

Da Shary und Renato schon auf dem Heimweg sind, lassen wir uns von Mark erzählen, was eigentlich los war. Bei den Dreien hat der Aufstieg von Terminal 1 unglaubliche 13 Stunden gedauert. Da war ein Notbiwak fällig. Mark hat die Kommunikation und Versorgung gesichert, gut so. Ansonsten gab es Sonne satt, aber wegen dem notwendigen Ruhetag kam niemand ins Hafenloch. Aber egal, Hauptsache alle gesund.

Gegen Mittag erblicken Bernd und Honza wieder das Licht der Welt. Wir stehen vollzählig im strömenden Regen und warten auf Besserung. Eigentlich wäre nun das große Einpacken dran. Wir warten und warten während der Regen trommelt. Immerhin geht die Zeit über das Erzählen rasch vorüber. Schließlich packen wir doch zusammen, versuchen alles möglichst trocken einzutonnen, lassen Zelt und Küchenplane in der Hoffnung auf einen besseren Samstag zurück, um bei Kathy zu nächtigen. Im letzten Licht erreichen wir die Wunderhütte, der Trockenraum wird wieder zur Nasszelle, dann gibt es in einer langen Nacht viel zu erzählen und wunderbar zu Essen.

Endlich verstummt nachts der Regen auf dem Blechdach, doch der erfahrene Leser ahnt es bereits wie ich unter meinen Decken im Matratzenlager, es schneit kräftig.

Samstag geht es dann knöchelhoch im Schneetreiben über den offenen Karst zur Höhle hinauf. Dort hat der Wind in Kombination mit dem schweren Schnee 3 Zeltstangen abgeknickt, die anderen Sachen müssen ausgegraben werden. Trocken ist selbstverständlich auch nichts geworden und so müssen die nassen Sachen doch noch bis zur Hütte geschleppt werden. Irgendwann sieht der späte Nachmittag dann reichlich erschöpfte Gestalten in die Zivilisation zurückwanken. Das Autoradio meldet die Schneegrenze steige auf 2500 Meter an.

Text: Oliver Kube

 

Kristallcanyon und Kreuzhöhle

Wunderbarerweise waren bei der Anfahrt nach Lofer bereits die Berge zu sehen und in der Nacht auf dem Parkplatz regnete es fast gar nicht. Andreas hatte für Samstag, 19. Juli, schönes Wetter besorgt. So konnten wir endlich mal wieder im Schatten unserer schwer bepackten Rucksäcke den 1160 Höhenmeter Anstieg zur Hütte genießen. Dabei verkündet der neu aufgelegte Hüttenprospekt nur 2,5 h Gehzeit. Haben wir den falschen Weg genommen?

Insbesondere die Höhlenfamilien Kahlert und Hartig mit Jennifer (7), als jüngster Teil-nehmerin verdienen besondere Erwähnung. Kathi von der hervorragend auf Frankfurter Höhlenforscher eingestellten von-Schmidt-Zabierow Hütte meinte wir wären 18 Nasen gewesen. Aber so ganz klar war mir das bei dem Gewusel nie.

Sonntag Nachmittag haben die Forscher schon mal den Eingang des Kristallcanyon auf-gesucht, wobei sich die mitgeführte Schneeschaufel zum Glück als überflüssig erwies. Zdenenk fiel dann gegen 16 Uhr ein er könne noch Bier holen gehen, wozu er dann gen Tal entschwand. Weitere 2 x 1160 Höhenmeter später war er dann mit gut gefülltem Rucksack zum Abendessen wieder da.

In der Nacht zum Sonntag zeigte uns der Sturm schon mal an, dass er uns erkannt hatte und ließ die Hütte wackeln. Ich glaube das Blechdach macht es nicht mehr lange. Zu-nächst durften wir morgens noch gnädig im dichten Wolkennebel zur Höhle wandeln, wobei allerdings Renato abhanden kam. Nach gut einer Stunde Nebelhorn und anderer Brüllspiele, waren alle Gemsen der Loferer Steinberge bestens informiert, unsere Hälse trocken und Renato zum Glück nicht einsam und hoffnungslos in eines der unzähligen Karstlöcher gefallen.

4 Gruppen waren für den Kristallcanyon vereinbart. Die Einbauspitzengruppe mit Petr, Honza, Zdenek, Renato und Benzinbohrmaschine, die Touristenfotogruppe mit Stefan, Thomas, Erik, die Vermessungsgruppe mit Bernd und Bino, die Funkgruppe mit Marvin, Andreas und mir. Die Funker waren mit neuester Schweizer Hightech gerüstet und übten zunächst einmal den Aufbau der Basisstation auf blankem Karst. Marvin hatte sich schon monatelang auf diesen Moment vorbereitet, wir fieberten den ersten Funksprüchen ent-gegen. Cavelink ermöglicht mit langen Dipolantennen auf ultralanger Welle Funkkom-munikation durch den Fels. Das wollten wir hier für den Loferer Schacht ausprobieren. Eine echte Innovation und ein Plus an Sicherheit.

Nach Stunden des Wartens endlich im Schneeloch, gab es auf dem schmalen Eisbalkon noch mal eine Stunde Stau. Petr u. Co hatten mit neuen Seilankern, Bohrmaschine und wilder Schachtlogistik, noch vor dem Heldendom einigen Wirrwarr veranstaltet. Doch endlich ging es doch den 91m tiefen Schacht hinab. In der Bassemoluff-Halle installierten Andreas und ich die Gegenfunkstelle, während die Stoßgruppe auf minus 230m den nächsten Schacht einbohrte. Die mittlerweile in der Sonne dösende Touristengruppe wurde noch durch Gelo (ein echter Sherpa) verstärkt, so dass schließlich die solcherart aufgehaltene Vermessungsgruppe später auch nur noch den neuen Wind- und Tempe-raturmesser installierte.

Großes Jubelgeschrei erscholl im Bassemoluff als die ersten SMS-Nachrichten ausge-tauscht wurden. Die Feinabstimmung der Antennen und Frequenzen braucht etwas Ge-schick. Leider vermeldete Marvin von draußen alsbald ein Gewitter und Platzregen. Innen sprangen daraufhin die Gerinne lautstark an, doch wir waren schon aus der Gefahrenzone. Der Abend sah viele nasse Gestalten Richtung Hütte eilen. Dort wurde Kathis Küche mit mehreren Gängen ausgiebig belastet.

Angesichts der Wetterlage, waagerechter Regen am Montag Früh, wollte Jennifer noch immer wandern gehen, doch es wurde ein allgemeiner Familientag erklärt. Die Altforscher mit den noch willigen Touristen warteten beim 2-stündigen Frühstück geduldig auf das Aufklaren, um endlich zur Kreuzhöhle aufbrechen zu können. Marvin rüstete sich als Außenfunker mit 5 Lagen Kleidung, fetter Plastikplane und Sturmabspannung für die langen Stunden im winddurchtosten Wehrgrubenjoch. Sehr bewundernswert. Dafür durfte ich seinen Helm mit neuester Monster-LED-Lampe ausführen (ein saugeiles Gerät).

Beim ersten Wetterlichtblick waren wir im Aufstieg. Die Bohr- und Fotogruppe sah dabei mit Gummistiefeln auf dem steilen Schneefeld überhaupt nicht gut aus. Funker und Ver-messer zogen hier Grödeln auf. Nach 2 Jahren ohne menschlichen Besuch fanden wir den 93m Schacht der Kreuzhöhle unberührt vor und waren schnell im Berg. Bis auf Zde-nek, er hatte seinen Höhlenanzug bei der Hütte vergessen und raste kurz zurück.

Diesmal bauten wir mit großem Abstand 2 Funkstationen im wunderschönen Hauptgang auf um die Biwaksituation im Loferer Schacht zu simulieren. Alles funktionierte wunderbar präzise. Die Aktivität des Bohrtrupps lies sich anhand der ziehenden Benzindünste erahnen. Zdenek und Honza legten sich ins Zeug, doch leider versperrt ein lose sitzender Block an der Decke den offensichtlichen Weiterweg. An anderer Stelle entdeckten Andreas und ich noch einen sehr schönen, leider auch sehr nassen 40m Schacht. Dabei ist auf einem Absatz eine reliefartig herauserodierte fossile Muschel mit gut 30 cm Durchmesser zu bestaunen. Nachdem auch im Hauptgang erstmals Wind- u. Tempera-turmesser installiert waren, traten wir nach kurzem Kontakt mit den fotografierenden Petr u. Renato den Rückzug an. Marvin erlösten wir von der Außenstation um 19 Uhr via Höhlen-SMS und informierten Kathi über GSM von unseren Hungergefühlen.

Ab 21 Uhr verließen jeweils 2 Forscher im Stundentakt die Kreuzhöhle. Dabei nahm das Schneetreiben nun stetig zu. Unsere Lichter im Kar wurden vom Küchenfenster auf-merksam beobachtet, so dass die dampfende Speckknödelsuppe und die leckere Käs-spatzenriesenportion jeweils pünktlich von dem Forscher einverleibt werden konnte. Der dynamische Küchenschluss von Kathi ist einfach phantastisch, vielen Dank.

Das nächtliche Rieseln auf den Dachfenstern verriet eindeutig den Schnee. So konnte am Dienstag 22. Juli endlich mal ein Höhlenforscher-Schneemann errichtet werden. Marvin und ich schleppten noch Material zum 2 Stunden entfernten Loferer Schacht, welchen wir im Schneetreiben bei -5°C „warm“ blasend vorfanden. Danach ging es 1450m hinab zum Parkplatz. Petr und Zdenek bauten wie geplant die Eingangsseile aus dem Kristallcanyon aus. Alle anderen Forscher und Familien zogen in Schnee und Regen nach und nach zum Parkplatz hinab. Darüber wie Marvin schließlich wieder zu seinem Autoschlüssel kam, hüllen wir den Mantel des Schweigens. Trotz echter loferischer Bedingungen, eine gelungene Tour.

Vielen Dank an alle Helfer und verständige Partner. Neue Forscher, Touristen, Familien, Sponsoren und Neugierige sind wie immer herzlich willkommen.

Text: Oliver Kube


Forschung 2007

Loferer Schacht: Schnee, Schnee und nochmals Schnee

Fotos: Jochen Hartig

Nachdem die erste Septemberwoche in Lofer nach einem extrem milden Winter 2006/2007 die bislang schneereichste Woche des Jahres wurde, konnte die von uns für unsere Forschungstour in den Loferer Schacht gewählte zweite Woche eigentlich nur noch besser werden. Doch die Hütte meldete „brusthohen“ Schnee.

Hoffnungsfroh kam die 13 Mann starke Forscherkarawane mit Ihren tapferen Helfern aus aller Welt zum nächtlichen Treffen auf dem Parkplatz im Loferer Hochtal zusammen. Schon traditionell regnete es wie aus Kübeln. Wohlwissend genossen 2 Altforscher die Nacht im Hotel (Anm. d. Red.: Memmen!)

Gut gekühlt ging es am Samstag nach Verteilung der Lasten rasch aufwärts. Doch schon ab 1400 m war alles weiß. Schon bald war der erste Lawinenkegel zu übersteigen!!! Am Breithorn rumpelte es verdächtig. Bis zur Hütte war es ein kleiner Quäler, doch Kathi empfing uns königlich mit hausgemachten Kaspressknödeln und alles war gut.

Wer jemals bei über 1 m Neuschnee über freien Karst gegangen ist, weiß bereits was jetzt kam. Mit leichtem Gepäck (nur ca. 20kg Höhlenzeug) wühlten wir uns zum Höhleneingang auf 2200m hoch. Zum Glück wissen wir wo die wirklich tiefen Schächte sind! Allen anderen kann ich nur intensiv von solchem Risiko abraten.

Zdenek und Krtek wollten dort oben unbedingt im verschneiten Höhleneingang übernachten. Den Rückweg zur Hütte legte die neu gegründete „Snow diving group“ dann auf allen Vieren zurück. Wahrscheinlich zog der Kaiserschmarrn oder das Bier oder der warme Kachelofen. Frisch gestärkt kam die Hoffnung zurück und wir fällten Beschlüsse wie: Morgen kommt das Tief über Niederösterreich hinten hoch. Oder Schlimmer geht´s nimmer.

Am Sonntagnachmittag sind wir wieder vor der Höhle und packen die Schleifsäcke für 4 Höhlennächte. Petr und David seilen noch am späten Abend mit der neu erworbenen Benzinbohrmaschine bis ins 1. Biwak auf -435 m ab. Jörg, Zdenek und ich folgen am Montag in 7,5 h (fast nur abseilen) ins zweite Biwak auf -580 m. Draußen ist es tatsächlich sonnig geworden, an das vorgesehene Klettern ist aber wegen der ständigen Lawinenabgänge und der Schneemassen nicht zu denken. Marc und Andreas inspizieren noch einen leider verschneiten Schlot, bevor Sie das Windmessgerät und den Temperaturschreiber aus dem Loferer Schacht bergen.

Mit 290 Meter Seil im Gepäck planen die außen verbliebenen Forscher am Dienstag in den Kristallcanyon auf 1850 m einzuziehen, doch er ist zur Überraschung aller völlig plan zugeschneit. Nun geht außer Skitour gar nichts mehr. Marc nutzt die seltene Gelegenheit in 2 Minuten mit dem Hubschrauber ins Tal zu kommen (keine Angst, nichts passiert). Die anderen sechs reisen ebenfalls ungeplant ab, da auch das Wetter wieder auf Winter macht.

Drinnen in der Höhle ahnen wir das Schneechaos wegen schwacher Winde nur. Zunächst überraschen uns aber Petr und David Montagabend im zweiten Biwak. Sie haben den Weg ins neu geplante dritten Biwak beim Waldstadion nicht gefunden. Leider fehlt uns nun eine abtransportierte Isomatte, aber man kann auch auf vielen Seilen schlafen.

Ca. 3 Wochen habe ich in nächtelanger Arbeit Material und Essen für 13 Personen geplant. 90 warme Mahlzeiten waren organisiert, die Transportlogistik für 9 Personen im Schacht ausgeklügelt und vieles mehr bedacht. Und nun so ein Wetter und das folgende Forscherchaos. Ich bin frustriert. Ein guter Plan lässt sich jedoch ändern und es fehlt uns auch an nichts (fast).

Am Dienstag ziehen wir alle gen Südwesten, dem Glocknerblick entgegen. Jörg und ich tauschen planmäßig einige alte Seile. Der Weg ins Waldstadion wird wiederentdeckt und der neue dritte Biwakplatz präpariert. Petr wählt rasch seinen Lieblingsschlot aus und die Benzinbohrmaschine tritt in Aktion. Hochbohren steht auf dem Programm. Jörg und ich ziehen uns zurück, wobei wir noch ca. 100 m Neuland am Beginn des Zick-Zack-Mäanders vermessen. Dabei finden wir den wichtigen Zusammenfluß zweier Höhlenbäche und einen neuen Ansatz nach Südwesten. Nach elf Stunden kehren wir ins zweite Biwak zurück. Die üppigen Frischfleischvorräte überfordern unsere Mägen etwas und so sieht das Frühstück dem Abendessen im selben Topf sehr ähnlich.

Am Mittwoch begeben wir uns in den tiefsten Teil der Höhle, mögliche Fortsetzungen abklappern. Der Hades wartet mit einem hoffnungsvollen Schrägschacht, welchen wir auch abseilen können. Nach einigen Engstellen im üblichen Mäander bleiben wir in feinschotterigem Versturz stecken. Auch am Trichter führt ein kleiner Schacht weiter in die Tiefe. Doch auch hier ist bei -796,70 m unter Eingangsnull in losen Blöcken kein weiteres Durchkommen. Schluss mit der Unvernunft! Wir vermessen ca. 50 m und bauen alle Seile im Bereich Hades ab. Nach 12 Stunden treffen wir hungrig im zweiten Biwak ein. Die bewährte Fleisch-Nudelportion wird durch eine zweite Packung Schlagsahne verdickt, dann geht es vollgenudelt auf die feuchtkalte Matte.

Gegen 11 Uhr am Donnerstagmorgen werfen uns Petr, David und Zdenek vom dritte Biwak kommend aus den Federn. Sie wollen raus, Benzin und Seile sind aus. Jörg und ich haben eigentlich noch etwas vor, doch zu zweit wollen wir aus Sicherheitsgründen nicht im Schacht verbleiben. Nach einiger Diskussion aus dem warmen Schlafsack heraus steht fest, wir gehen alle bis zum Ausgang. So wird der leckere Frühstücksfleischnudeltopf mit Unmengen von restlichem Schinken, Käse, Salami, Röstzwiebel, etc. randvoll gefüllt. Es mundet köstlich. Im Bauch tragen sich Frischwaren eben doch am bequemsten. Über 650 m Seilaufstieg (vergleichbar mit 2000 Kniebeugen) erwarten uns nun. Krtek welcher außen tapfer die Verbindung mit uns hält wird über unsere Feldtelefonleitung gewarnt, wir kommen in der Nacht heraus. Seine Antwort verstehen wir nicht, besser so.

10 Stunden später erreicht Zdenek als erster den Eingangsbereich mit den warmen Getränken. Nach 2,5 weiteren Stunden sind wir alle 5 heil, aber sehr erschöpft an der frischen Luft. Weil wir nur feuchte Biwaksachen bei uns haben, wollen Jörg und ich gegen Mitternacht noch zur Hütte spurteln. Bernd zeigt uns die Schneeschuhe!!! Er selbst kam erst abends bis zum eingeschneiten Krtek durch. Wir treten in die sternenklare Nacht hinaus und staunen über die weiße Bescherung, besser wie Weihnachten! In einer beispiellosen Aktion haben die Kameraden im Tal 6 Paar Schneeschuhe für uns ausgeliehen und hochgebuckelt. Nur so kommen wir nachts noch bis zur Hütte. Vielen Dank noch mal.

Am Freitag kehren wir mit denkwürdigem Muskelkater und Hilary (welcher extra wieder aus Frankfurt angereist kam, prima Taxi) zur Höhle zurück. Aufräumen, Material einmotten, Sachen packen und noch eine anstrengende Schneeschuhtour gibt es zu erleben. Mit dem schweren Rucksack bricht jeder ungezählte Male bis zur Hüfte durch, zum Teil mit beiden Schneeschuhen gleichzeitig! Ein echter Quäler. Doch Kathi erwartet uns auf der Hütte mit ausgesuchten Leckereien, Nachschlag inklusive. SUPER. Anschließend tobt in einer lustigen Nacht draußen das Wetter und drinnen die Stimmung. Für die nötige Musik sorgt ein (später zu) heiterer Musikant. ?

Am Samstag verlassen wir die schneereiche Region und flitzen flott nach Hause. Vielen Dank an alle Helfer und verständige Partner. Neue Forscher, Sponsoren und Neugierige sind wie immer herzlich willkommen.

Text: Oliver Kube

Fotos: Oliver Kube

Kristallcanyon: Der neue Stern am Himmel der Höhlenforschung




Im Juli 2007 wurde schon traditionell eine Vortour in die Loferer Steinberge zur Forschung in der neuen Höhle „Kristallcanyon“ unternommen.

Donnerstag morgen packen wir auf dem Parkplatz das Material ein und während des Regens, der sich in den höheren Lagen in Schnee wandelt, gehen wir zur Zabierow-Hütte los. Wegen des schlechten Wetters sagen wir den nächsten Transport zur Loferer Schacht ab.

Am nächsten Tag bereiten wir das Material vor und verschieben uns zum Kristallcanyon, wo wir den Schnee von der teilweise verschütteten Eintrittsengstelle abschaufeln. Wir bauen die Eintrittspassagen ein, bauen ein paar Dübel hinzu und folgen dem monumentalen P91. Hier knüpfen wir an die Forschung von 2006 an und erforschen einen Mäander, der vom Boden des Heldendoms auslaüft.

Der mäßig steigende Mäander wird unmittelbar darauf ca. 30 cm breit. Der deutliche Luftzug motiviert uns zum Versuch diese Engstelle zu überwinden, hinter ihr sind mild sich verbreitende Räume zu sehen. Nach einigen Versuchen geben wir jedoch den vergeblichen Kampf auf und gehen wieder zurück. Die nächste Zeit widmen wir uns dem Fotografieren im Heldendom und P91.

Am Samstag gehen wir in Gruppe Honza, Krtek, David und ich wieder in den Kristallcanyon, Bernd, Florian, Holubice und Mark tragen noch vorher das Material zur Loferer Schacht und gehen mit. Nach dem Durchsteigen des Mäanders in einer Tiefe von 150 m und der Installation einiger Dübel und Seile in den Schächten P15 und R20 setzen wir den Weg zur tiefsten Stelle der Höhle fort, wo wir in die Halle abseilen (Durchmesser ca. 5 x 6 m), die auf dem Boden verstürzt ist. Irgendwo unter uns kann man deutlich das Wassersausen hören.

Wir steigen also zwischen den Blöcken durch und suchen die nächste Fortzetzung. Wir folgen das Wassergeräusch, dass uns zur nächsten Stufe bringt. Irgendwo über uns sind die Lichter von Honza und David zu sehen, sie gehen vom unpassierbarem Mäander züruck, der an den Raum Bassemoluff anknüpft und holen uns das letzte Seil. Ich schlage eine Dübel ein und wir seilen nacheineinander in die Schacht ab.

In einem gedehnten horizontalen Raum entdecken wir einem zwei Meter hoher Wasserfall, dessen Wasser zwischen verstürzten Blöcken verschwindet. Die andere Seite des Raums endet mit einem breiten Mäander, der die von uns geworfenen Steinen verschlingt, die erst nach 4 Sekunden zu randalieren beginnen! Wegen des Mangels an Seilen beenden wir nur ungern unsere Forschung, wir vermessen die Räume und kehren zurück.

Krtek mit Honza bauen noch den P91 und die Eintrittspassagen ab, packen die Seile ein und um 10 Uhr sind wir alle wieder in der Hütte.

Am Morgen verabschieden wir uns von Kathy und gehen hinunter zum Parkplatz. Während der Vortour wurde ca. 30 m neues Land vermessen und weitere hoffnungsvolle Fortzetzung in das Innere des Massivs Loferer Steinberge entdeckt.

Text und Fotos: Petr Caslavsky




Mit freundlicher Unterstützung der Österreichische Bundesforste AG


Aktivitäten 2007

Jahr der Rekorde

Ihr werdet es mir mal wieder nicht glauben, aber 2007 war ein Jahr der Höhlenrekorde. Dass es nicht ein Jahr der Rekordverschuldung wurde, konnte durch fleißige Spendenbereitschaft verhindert werden. Aber ich bin schon mitten drin und wollte doch vorne anfangen.

Also, der viel gelobte Höhlen-Vortrag beim KCF im März, blieb völlig wirkungslos was die Anzahl der Höhlengrüppler anging (immerhin wurden es nicht weniger). So fuhren wir dann Ende April wieder unter uns in den französischen Jura. Ah, stimmt nicht, Mark aus Heidelberg wurde so richtig in den Untergrund eingeführt. Bei Genusstouren in die Grotte de Crotot, den 180 m tiefen Gouffre de Bruyeres, die sagenhafte Pourpevelle und den ungewöhnlichen Riviere de Gonvillars, konnte so richtig die Seele baumeln.

Weiter ging es im Mai mit der internationalen Tagung der Höhlen- und Karstforscher in Iserlohn. Viele sehr interessante Vorträge (auch von uns) und der Festvortrag der SAGA durfte nicht verpasst werden. (Einige von uns sind auch Mitglieder bei der Speleologische Arbeitsgruppe Aachen, kurz SAGA). Mit unseren unterirdischen Freuden konnten wir uns reichlich austauschen. Viele Kontakte wurden gepflegt und Sehnsüchte bezüglich internationaler Höhlenexpeditionen wurden geweckt. Für unser Lofer-Projekt waren komischerweise nur wenige zu begeistern. Um die schlimmsten akuten Entzugserscheinungen etwas abzumildern, wurden gleich einige lokale Höhlen besucht. (Hüttenbläser, B7-Höhle, Dechenhöhle, Heinrichshöhle).

Die inzwischen traditionelle Familientour ins Fränkische war im Juni natürlich wieder der Kracher. 7 Kinder und 6 Erwachsene kamen aus Westen und Osten zum Zelten bei schönstem Wetter bei Hohenstadt zusammen. Obwohl die Pegnitz extralang bepaddelt wurde, wollten die Kinder nicht aufhören. Erst nach dem Grillen in Mama´s Waschmaschinentrommel (so ein Multi-use device ist Spitze) und lange nach Einbruch der Dunkelheit, ich glaube Mitte Juni wird es gar nicht dunkel (oder ?), fielen dann die Augen zu. Als es wieder heller wurde konnte mit Höhlenkletterausrüstung ein Teil des Norrissteigs bezwungen werden. Bei der folgenden Höhlenwanderung in schwüler Hitze sind wir dann aus unerfindlichen Gründen nur bis zu den ersten kühlen Höhlenlöchern gekommen. Jedoch die volle Befahrung der Prellsteinhöhle und der Cäciliengrotte muss vermerkt werden. Auch 2008 werden wir an Fronleichnam wieder dort einfallen.

Wo sind denn nun die Rekorde werdet Ihr Euch fragen? Gut, ich werde von 3 Rekorden berichten. Zunächst beschlossen wir am Lagerfeuer Mitte Juni binnen 6 Lieferwochen die nicht budgetierte, aber für das Vordringen in Lofer dringend notwendige Benzinbohrmaschine zu kaufen. (Steckdosen für Akku-Ladegeräte gibt es da noch immer nicht). Nebst Dübeln und Ankern riss der 1,05 PS Kraftprotz zunächst ein Rekordloch in den Etat. 12 Wochen später und solide 2 Tage vor der Lofer-Tour hatten wir die nur 6 kg schwere Bohre endlich in der Hand. Dank bereitwilliger Spenden sorgfältig angesprochener Höhlenfans und milder Gaben des DAV, konnten wir den Haushalt ausgleichen.

Mit dem 2. Rekord überraschte uns Shary. Klammheimlich machte Sie unsere geheimen Wünsche wahr und fuhr im Sommer mit Forschern vom „Moscow Center of the Russian Geographical Society“ in den westlichen Kaukasus, genauer nach Georgien, Provinz Abkhasien. Dort stieg Sie unter der Leitung von Alexej Shelepin in die Illuzia cave, biwakierte 7 Nächte nonstop auf Minus 700 Metern, übertraf unsere loferische Rekordtiefe mit -820 m persönlicher Bestleistung deutlich und machte durch einen Zusammenschluss das nun Illuzia-Sneznaja-Mezonnogo genannte System mit über 24 km Ganglänge und sehr beachtlichen -1753 m zur zweittiefsten Höhle der Welt. Herzlichen Glückwunsch. Ghazy Sharareh ist unsere neue Biwakkönigin und hält außerdem den Tiefenrekord unserer Gruppe. Ich denke im gesamten Alpenverein dürfte es ihr so schnell niemand gleich tun.

Den 3. Rekord errangen wir in Lofer. Mit einer neuen Ganglänge von 7,8 km und noch tieferen 806 m Höhendifferenz ist der Loferer Schacht unangefochten die längste und tiefste Höhle in den Loferer Steinbergen. Dabei sah es bei der Haupttour lange gar nicht danach aus. Viel zu viel Schnee im September drückte stark auf unsere Erfolge. Über ein Dutzend gefrusteter Höhlenforscher und Kletterer mussten dem Winterwetter jeden Meter abtrotzen. Doch mit der brandneuen Benzinbohrmaschine konnte im äußersten Südwesten der Höhle ein verheißungsvoll windführender, nicht kletterbarer Schlot hinaufgebohrt und gedübelt werden. Dabei wird jeweils möglichst hoch über Kopf am höchsten Dübel hängend, das nächste Dübelloch gebohrt. Mit 6 kg schlagbohrvibrierender, kraftvoll rotationswilliger Masse keine leichte Übung, aber viel schneller als wie üblich von Hand zu bohren. Richtig nett ist das Anlassen der Maschine mit dem Seilzug, wenn man eigentlich nur eine Hand frei hat, oder das Klettern mit dem bullernden Boliden im Kreuz. Belohnt wurden wir mit einem Stück Hauptgang in Richtung Südabstürze der Loferer Steinberge. Nun kann es zum 2. Ausgang wirklich nicht mehr weit sein?

Was sonst noch geschah? Die Vortour im Juli in Lofer hat den Kristallcanyon verlängert und nun auch schon auf -228 m vertieft. Ganz unten musste wegen Seilmangel über einem Schacht umgekehrt werden, in welchem ein Stein 4 Sekunden fällt. Aber hallo, da geht noch was. Außerdem wurden die Messgeräte, die ganzjährig von September 2006 bis September 2007 Wind- und Temperaturwerte aufgezeichnet haben, aus unseren Höhlen geborgen und die Daten ausgewertet.

Den herbstlichen Abschluss des Höhlenjahres bildete wiederum eine entspannende Fahrt in den Jura. Dagmar hatte extra eine luxuriöse Unterkunft und für den Jura erwähnenswertes dauerschönes Wetter wahr gemacht. Weil es so lange trocken war, standen die Wasserhöhlen auf dem Programm. Die 11 Stunden in der Baume des Cretes bis hinter den Salle Sinai überforderte die anwesenden Helden fast, so dass die Tour in die außergewöhnliche Grotte Chaillet nur 7 h dauern durfte. Mit 5 h in der Grotte St. Catherine und dem eineinhalbstündigen Abschlussbad in der Grotte Vermondans hatten alle Ihren Spaß.

Zur Weihnachtsfeier durfte das beliebte Überraschungsei-Klettern für die Kleinsten nicht fehlen. Genauso wenig wie für die Großen der Glühwein und das Ansehen der tollsten Höhlenbilder, nebst Neuplanungen für 2008. Auf der wieder ausgebauten Waschmaschinentrommel wurde nebenbei eifrig gegrillt.

Text: Oliver Kube


Forschung 2006

Neue Entdeckungen in den Loferer Steinbergen

Wie jedes Jahr ziehen wir zur Vortour Anfang Juli in die beliebten Loferer Steinberge. Diesmal stand auch noch Forschung auf dem Programm. Darüber sei berichtet.

Am Sonntag forschten Marvin und ich in der Kreuzhöhle weiter. Durch einigen Schnee gelangten wir hinauf und hinein. Über den imposanten 93m Schacht fast frei abgeseilt erreichten wir nach einigen Stunden das Forschungsende in der Trinkhalle. Hier gibt es mehrere Ansätze für Fortsetzungen. Im von Petr in 2005 angefahrenen Loch ende ich nach einigen Windungen steil nach unten in einer sagenhaften Engstelle. Hier lieber nicht reinzwängen. Marvin hat es unterdessen am Dach der Trinkhalle probiert und klettert in einer geräumigen Passage glücklich weiter. Leider führt diese zurück in schon bekannte Teile. Immerhin ist ein Ringschluss möglich. Nach einiger Zeit des Suchens entlang des Fließsinters kommen wir am Fuße des Wasserfalls in der Trinkhalle grübelnd zusammen. Wo zieht der starke Wind der letzten engen Passage bloß hin?

Vielleicht hier in die nassen Blöcke? Immer dem Wasser nach? Tatsächlich, der Atemhauch verschwindet nach unten!!! Da, hinter dem dicken Block scheint es offen! Der Block wackelt, wir zerren zu zweit daran herum, aber er will nicht weichen. Verflixt, hier geht es bestimmt weiter. Aus Frust stehe ich zum Abschied schließlich darauf . Dabei poltert er plötzlich ins Loch hinein, zum Glück ohne mich! Uupps, ist der Durchgang nun endgültig zu oder doch auf? Bouhhh, der dicke Stein parkt nun sicher an der Seite und der Weg ist frei. Das nenne ich glückliche Fügung. Nach dem Umkriechen einiger weiterer Blöcke erreichen wir einen windführenden fossilen Mäander in der alten Hauptrichtung. Hurra. Nach ca. 30 Metern folgt ein Schacht und Marvin turnt gewagt nach vorne, um einen Blick nach unten zu erhaschen. Wir müssen einen Dübel setzen. Dabei lasse ich zur Überraschung von Marvin einen 250 kg Felsen kontrolliert hinabdonnern, welcher ihm eben noch als Griff diente. Hoppla! In der jetzt sogenannten Polterhalle ist es wieder sehr geräumig. Verheißungsvoll bläst der Wind gen Süden in einen niedrigen Gang. Doch dort rauscht er knapp an einem alles blockierenden fetten Block vorbei. Unpassierbar wie eine Tür zum Pharaonengrab. Aus für Heute. Ca. 90m neu vermessen und auf ca. 200 m Tiefe gekommen. Am Höhlenausgang grüßen uns die Sterne. Der nächste Programmpunkt für die Haupttour steht fest.

Mit Dagmar gehe ich am Montag Höhleneingänge abklappern, welche ich letztes Jahr mit dem GPS eingemessen hatte. Dabei ist Dagmar heiß auf Ihre ersten Forschungsmeter, unberührtes Neuland wartet. Ich denke eher an die einladendend warmen Wiesenflächen und ein Nickerchen. Vom äußerlichen mentalen Betrachten erschliessen sich die Abgründe jedoch leider nicht. Also ist Fleiß angesagt, hinein in jedes Loch. Da die Sonne brennt rinnt allerdings zuerst der Schweiß. Vor allem im Höhlenanzug vor dem Einstiegsschacht. Dagmar verschwindet im Zwielicht und vermeldet alsbald das Ende der Höhle. Ihre „Erste“ wird vermessen und passend „Hot Premier“ getauft. Weiter zum nächsten Objekt. Auch hier wieder ein Schacht für Dagmar. Diesmal schon tiefer. Eine scharfe Kante bereitet Bedenken, doch darunter ist wieder Schluß. Von der „Scharfen Kante“ pilgern wir weiter. Nächstes Loch, ich muss mehr Seil ausgeben. Doch bald tönt es von tief unten „Ende Banane“.

Nun sind wir auf den Geschmack gekommen, weiter geht es. Der „A2“ stattet Dagmar noch einen Besuch ab, wir wollen aber lieber selbst etwas Neues finden. Im nächsten Loch liegt noch Schnee, so darf ich nun auch mal mein Mütchen kühlen. Prompt finde ich eine Fließsinterstruktur, welche auf einen ehemaligen Wasserlauf deutet. Leider alles noch mit Schnee verplombt, ich krabble wieder hinaus. Wenn man die Höhlenkluft schon mal an hat, kann man sich auch gleich ins nächste Schneeloch werfen.

Eine 15m lange Schneerampe gehe ich jedoch lieber vorsichtig mit Seil an. Schließlich will ich da drin nicht überwintern. Diverse Eiszapfen und Strukturen gehen geräuschvoll zu Bruch. Es hat etwas von Gletscherspalte und unten winde ich mich hüfttief im losen Schnee und Eis, das Seil bleibt natürlich am Mann. Eine seitliche Schneebarriere räume ich ab, dabei tut sich ein dreieckiges Fenster im Fels auf. Dahinter erblicke ich eine Meanderstruktur. Oh, leichten Luftzug gibt es auch, schon bin ich drin. Nach recht sportlichen 5m abseilen durch Schnee und Fels erspähe ich einen ca. 2 m breiten Canyon, dessen Schneefußboden ca. 45° nach unten abläuft. Hmm, hier bin ich richtig, das „rieche“ ich. Nun brauche ich dringend mehr Seil und auch Dagmar wird oben schon nervös sein. Also noch mal rausgewühlt und richtig angegriffen.

Bald turnen wir zu Zweit den wunderschönen, mit reichlich großen Eiskristallen ausgestatteten, rundum glitzernden Canyon hinab. Auf einem völlig vereisten Felsbalkon ist dann unser 60m Seil zu Ende. Wir werfen Steine in die Tiefe, es geht ganz sicher weiter. Jippie. Leicht fröstelnd, draußen ist Hochsommer, vermessen wir unsere Eroberung, den Kristallcanyon. Auf dem durchaus euphorischen Rückweg , komisch, es ist schon wieder spät, stolpern wir nochmals über einen unbekannten 30m Schacht. Doch nach 6 Höhlen an einem Tag, nehmen wir nur noch die Koordinaten. Reichlich Potential für die Haupttour.

Bei Kathy auf der Hütte geniessen wir wieder die Vorzüge des dynamischen Küchenschlusses. Unsere Entdeckungen bieten reichlich Stoff bis in den frühen Morgen. Lässt sich der Kristallcanyon fortsetzen? Was erwartet uns unterm Eisbalkon? Fortsetzung folgt.

Text: Oliver Kube, Fotos: Oliver Kube, Jochen Hartig


Aktivitäten 2005

Traverse de Verneau, Höhlendurchquerung

Anfang November 2005 haben wir mal wieder ein höhlentechnisches Großprojekt in die Tat umgesetzt. In unserem Lieblingsrevier, dem französischen Jura, gibt es die seltene Möglichkeit zu einer Traverse, im bergsteigerischen Sinne eine Hochtour. Das heißt hier allerdings konkret: man steigt in eine Höhle ein, wandert unterirdisch durch einen Bachlauf und kommt an anderer Stelle aus einem anderen Höhleneingang wieder heraus. Das „Système de Verneau“ ist auf ca. 36 km erforscht, dabei umfasst die Strecke der Traverse ca. 20 km, oberirdisch liegen die Eingänge ca. 10 km auseinander, der Höhenunterschied beträgt ca. 400 m. Dauer ca. 15 h, +/- 3 h.

Schon lange träumen wir von der Traverse, der Saisonhöhepunkt schlechthin. Die Höhleneingänge und auch die anschließenden Höhlen kennen wir in und auswendig. Doch bisher haben wir nach ca. 6 h Stunden bergwärts, immer wieder umgedreht. Die lange Mitte zwischen den Eingängen im großen „Collecteur de Verneau“ fehlt noch, hier kennen wir nur die Pläne. Der trockene Spätherbst ist eine günstige Zeit, die Wasserstände sind niedrig, die Genehmigung der Bezirksverwaltung ist da, 4 freie Tage wurden mühsam aus den Kalendern geblockt, endlich geht es los.

In „Nans sous St. Anne“ liegt das Refuge nur 30 Minuten vom Eingang der „Grotte de Baudin“, dem unteren Ausgang entfernt. Sehr günstig wenn man nach so einer Tour nicht auch noch Auto fahren muss. Außerdem fließt der „Verneau“, das ist der Höhlenbach, hier nun oberirdisch zur Pegelkontrolle unmittelbar vorbei. Nachdem in der Nacht 14 Personen vom Profi bis zum Anfänger eingetrudelt waren, haben wir morgens erst einmal das organisatorische Getümmel über Ausrüstung, Koch- und Einkaufsplanung sowie geeignete Kleingruppenziele zu bewältigen. Nicht alle werden traversieren, doch müssen Eingang und Ausgang mit Fixseilen versehen werden. Zwei Gruppen um Tony werden die „Grotte Bief Bousset“ (der obere Eingang) ausrüsten (und Verpflegung kaufen), ich gehe mit einer Gruppe von unten über die „Grotte Baudin“ bis zum „Puit de Legionär“. Ohne vorherige Seileinbauten ist die Durchquerung in keiner Richtung möglich.

Wir finden eine gefürchtete lange Nasensiphonstrecke ganz trocken vor, ebenso einen anderen kurzen Siphon (falls Hochwasser). An den Schächten im System hängen die Seile des einheimischen Höhlenclubs. Das wussten wir zwar, aber Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Hochbefriedigt kehren wir um. Aus Ausgang erwischt uns dann der leider ebenfalls angekündigte „leichte“ Regen. Bei Gruppe Tony war oben auch alles klar, so planen wir für Samstag eine Durchquerung von beiden Seiten. Man wird sich dabei irgendwo in der Mitte treffen und kann sich austauschen. Leider regnet es die ganze Nacht echt „jurastisch“ wie aus Eimern.

Morgens schon hören wir den Wasserfall, das wird nichts. Hochmotiviert wollen wir jedoch mal nachsehen, vielleicht …. Sicherheitshalber steigen alle 6 Traversierer von unten über die „Baudin“ ein. Hier kann man anfangs problemlos umkehren. Nach 1 Stunde Wasserschlacht im „Verneau“ ist klar, bei ca. 1 Kubikmeter pro Sekunde Gegenwasser kann man das vergessen. Enttäuscht lassen wir uns zurückspülen, besser jedoch man weiss, wann man aufhören muss. Am Ausgang lacht die Sonne vom wolkenlosen Himmel, ahaaa ! Und es soll so bleiben.

Bis tief in die Nacht kontrollieren wir den Pegel, er fällt und fällt. Vielleicht klappt es am Sonntag? Tony, Petr, und ich haben auch für Montag noch frei genommen. So stehen wir Punkt 12 Uhr Mittags abmarschbereit vor dem oberen Eingang in der Novembersonne. Wir sind gerüstet für 15 Stunden plus Reserve. Zum Frühstück wollen wir wieder im Refuge sein. Der Pegel ist inzwischen wieder im sicheren Bereich angekommen.

Wir kommen turboschnell voran. Schon nach 3,5 Stunden haben wir den „Salle de Patafouins“, unseren bisherigen Endpunkt, hinter uns. Nach einem 40m Schacht und einem offenen Siphon (gut so) wird es dann einsam. Die Begehungsspuren verlieren sich, hier kommt kaum ein Mensch vorbei. Haben wir wirklich noch 10 Stunden vor uns ? Riesige Säle sind mit großem Blockwerk recht unübersichtlich. Unsere 3 Lichtchen verlieren sich. Dank der Pläne finden wir hindurch. Eine super steile Rampe überrascht uns. Unser mitgeführtes Seil ist zu kurz, zum Abziehen sowieso. Wir spitzeln uns kletternd im Konglomerat hinab. Nach Plan stimmt der Weg, wir sind jedoch erst sicher, als wir einen Knick im Gang und einen folgenden Abzweig identifizieren. Durch enge Passagen geht es wiederum am Seil hinauf in eine sehr schön versinterte Galerie. Herrlich hier, der folgende Abstieg ins Wasser allerdings weniger. Längst wandeln wir zeitlos, jedoch gut aufeinander abgestimmt, flott (wo es geht) voran. Alle 2 Stunden werfen wir einen Snack ein, längere Pausen vermeiden wir, weil es einem im nassen Neoprenanzug schnell fröstelt.

Der „Verneau“ ist sehenswert, hohe Abschnitte, Canyons, alle Formen eines Bachbettes, kleine Wasserfälle, Gumpen, Schwimmstrecken in Bassins, wasserspeiende Tropfsteinformationen, Strudellöcher, Fließfacetten, usw. Wir sind begeistert, aber es zieht sich. Mächtig wummernd kündigt sich wieder ein Wasserfall an. Der „Salle de Corniche“ ist erreicht, ungefähr halbe Strecke. Weitere eindrucksvolle riesige Dome folgen. Irgendwo dazwischen will Petr Kraft sparen indem er eine Wasserrutsche nutzt. Leider hat er durch seine Brille ein Strudelloch in der Bahn übersehen, klappt vom Rücken auf den Bauch und kommt nach sehenswerten Schrauben und einem Vollwaschgang im nächsten Gumpen prustend wider hoch. Hmm, noch mal gut gegangen. Wir müssen möglichst rasch irgendwo trocken die große Kochpause machen. Regeneration tut Not. Bald darauf dampft die Nudelspeckchampionrahmsuppe auf dem Mikrogaskocher im riesigen „Salle de Belauce“. Hier war ich schon einmal von unten. Noch 6h zum Ausgang?

Frisch gestärkt geht es wieder konzentriert voran. Bekanntes Gelände. Trotzdem sausen wir am Seil vom „Puits de Legionär“ vorbei. Ein großer unbekannter Wasserfall stoppt uns, wir müssen zurück. Nach kurzer Suche klettern wir am Seil auf. Nun kommen die Gänge mit den möglichen Siphons, allerdings bläst der Höhlenwind, es ist also offen. Trotzdem erschrecke ich als ich an die kritische Stelle komme. 2,5m Wassertiefe und darüber eine Handbreit Luft. Doch auch der lange Nasensiphon hat noch bequeme 40 cm Luft, na also. Danach fallen wir uns in die Arme. Nichts kann uns mehr stoppen. Fröstelnd machen wir Tempo. Bald liege ich zum dritten Mal in diesen Tagen mit der Nase im Schlamm der „Baudin“. Wir packen unsere Seile ein und riechen die Oberfläche, das gibt noch mal Schub. Eine eiskalte frostige Nacht empfängt uns. Es ist 0:15 Uhr. Einige Zeit später poltern wir jubelnd ins Refuge, der Kaminofen verbreitet wohlige Wärme. Alle Freunde kommen noch mal aus den Schlafsäcken. Zuerst will keiner glauben, dass wir die Traverse in 12h 15min geschafft haben. Im nassen Neopren und Gurtzeug wären wir aber sicher nicht Auto gefahren. Es wird gefeiert (und heiß geduscht).

Am Montag finden sich noch ein Grüppchen zum Seilausbau in der „Bief Bousset“, während die Traversierer dankbar in der Sonne vor dem Eingang von Großtaten plaudern.

Text: Oliver Kube


Forschung 2005

Traum vom Glocknerblick

Freitag starten wir in der Abendsonne zum Loferer Schacht. Durch viele nasse Nächte auf dem Parkplatz ernüchtert, benutzen wir nur noch Automobile, in welchen man auf der Ladefläche bequem ausgestreckt schlafen kann. Dieser Joker zog auch diesmal wieder im nächtlich verregneten Lofer. Meine Freunde behaupten, inzwischen kämen die Kinder im Salzburger Land nur noch mit Regenschirm auf die Welt.

Kati, „unsere“ Hüttenwirtin auf der Schmidt-Zabierow Hütte, war hocherfreut über die allseits beliebten, wetterharten Höhlenforscher. Sie zauberte für uns extra große Kasspreßknödel hervor. Beim regnerischen Aufstieg tat sich Marvin mit extragroßen Lasten hervor. Viel Schnee erwartete uns im Kar. Regen dann die ganze Nacht, den ganzen Morgen, ja bis Mittwoch ohne Pause !!! Noch war jedoch Sonntag.

Weil es in der Höhle weniger garstig erschien als draußen, verkrümelten wir uns nach der großen Säckepackaktion in den Loferer Schacht. Durch den stetigen Schnürlregen behindert war es schon 14 Uhr beim Einstieg in die Seile. Rund 10 Stunden rechneten wir mit je 2 monsterschweren Säcken bis zum Biwak. Diesmal sahen nur 4 Forscher den 5 unterirdischen Tagen und Nächten entgegen. Kürzere Aufenthalte lohnen sich nicht mehr. Draußen im Regen verblieben Campmanager Ron und Träger Marvin. Dagmar hat sich für Donnerstag angekündigt. Der große 630 Meter Abstieg ging glatt und schon nach 9 Stunden kam das „Garten für die Harten“ – Biwak in Sicht. Wir fühlten uns gleich wieder zu Hause.

Das Erholungsprogramm für Montag bestand darin, mögliche Fortsetzungen in der Nähe des Biwaks abzuklappern. Jörg und ich stiegen in den Portalschacht ein. Seit 4 Jahren kennen wir ihn nur von oben. Endlich unten angekommen war allerdings auch nur 80 m Neuland zu holen, dann definitiv Ende Gelände. Wir besuchten Hilary und Peter, welche gerade an bekannter Stelle aus einem nie befahrenen Schacht unter der Lara Croft Halle auftauchten. Da sich dort noch eine schöne Halle anschließt, heißt die Sektion nun Brad Pitt.

Ron hätten wir unsere Erfolge gerne per Feldtelefon mitgeteilt, doch unsere Sprechmuschel war defekt (wahrscheinlich nass). So lief die Kommunikation etwas einseitig. Ron durfte nur Fragen stellen auf welche wir eindeutig mit Ja (1x Klingeln) oder Nein (2x Klingeln) antworten konnten.

Dienstag, Traum vom Glocknerblick. Irgendwo im Westen wartet nach Lage der Dinge der Hinterausgang auf uns. Bequem, bei herrlicher Aussicht von außen erreichbar und ohne riesige Schächte Zugang zum System „verspricht der Prospekt“. Nur gefunden werden muss er noch.

5 Stunden brauchen wir vom Biwak zum Forschungsende durch den Zick-Zack-Meander. Am Ende der Tortur wartet „rechts“ hinter einem Spalt eine Halle auf Hilary u. Peter. „Links“ wollen Jörg und ich einen 45° steilen windigen Schluf mit potentieller Halle im Anschluss erkunden. Doch vorher verspeisen wir eine leckere Suppe auf dem sog. Suppenstein. Hier kann man komfortabel zu viert um einen Topf sitzen.

Wir trennen uns. Unser steiler Schluf endet abrupt auf einem schmalen Sattel, irgendwo an einer Hallendecke. Ich setze von Hand schwitzend einen Dübel im morschen Fels während Jörg friert. Beim zweiten Dübel machen wir es umgekehrt. Wir seilen ins schwarze Nichts ab, doch unser zusammengeknotetes 35m Seil reicht nicht. Auf halber Höhe quere ich der Übersicht wegen auf ein bröseliges Band. Gegenüber in der Nische zieht vielleicht ein Gang weg? Doch wir können nicht fliegen.

Hilary und Peter haben aus Ihrer Halle (dem Waldstadion) eine Abkürzung für den Heimweg gefunden. Bei der Vermessung schlottern die müden Helden im Luftzug. Daher bekommt die Klappergass ihren Namen. Wir sind erst weit nach 2 Uhr im Biwak und informieren Ron über die üblichen lustigen Fragespielchen.

Am Mittwoch sind Hilary und Peter wieder im Waldstadion. Jörg und ich wollen endlich die Halle erobern. In weniger als 3 Stunden sind wir diesmal durch die Klappergass. Für 20 Uhr verabreden wir uns am Suppenstein zum „Mittagessen“. Hier angekommen fällt mir noch ein neues Loch auf. Ich kann dort ca. 50 Meter aufrecht und bequem mit dem Wind bis in die Halle gehen. Bingo, Durchmarsch! Der Tag fängt gut an. Ich hole Jörg und gemeinsam stellen wir nach einiger Zeit sehr enttäuscht fest, dass das Hallenende in Stufen steil nach oben strebt. 15m klettert Jörg empor, dann wird es zu schwierig. Leider ist der vermutete Gang in der Nische auch nur ein Schattenwurf gewesen. Der Ausgang für den kräftigen Wind der Hallenzugänge liegt wohl viel höher. Also dübeln wir oben weiter, leider bislang erfolglos.

Zurück am Suppenstein warten wir vergeblich auf Peter und Hilary. Schließlich löffeln wir zunehmend nervös unseren Teil der Suppe. Entweder Sie haben den Glocknerblick gefunden und genießen den Sonnenuntergang, oder Sie vermessen große Gänge, oder es ist etwas passiert? Wir gehen Sie suchen.

Im Waldstadion finden wir Ihre Spuren und gelangen in einen gut begehbaren Spalt. Unsere stetigen Rufe werden endlich in der Ferne beantwortet. Wir zwei Glückliche (doch nix passiert) stoßen auf zwei Begeisterte ( Große Fortsetzung ). Während Hilary und Peter Ihren Teil der Suppe köcheln, besichtigen wir die Neuentdeckung. Hier geht es jedenfalls weiter, vielleicht zum Glocknerblick?

Ron reißen wir am Donnerstag mit einer überraschend funktionierenden Telefonverbindung aus den Träumen. Er hat mit Marvin oben eine Höhle an den Loferer Schacht angebunden. Damit steigt die Gesamthöhendifferenz. Sonst alles super, Wetter trocken. Dagmar wartet mit Hexenschuss im Tal.

Nach ausgiebiger Nachtruhe steigen wir zum Zwischenbiwak auf. Am Freitag stehen wir um 5:30 Uhr mit Hoffnung auf baldige Sonne auf. Oben angekommen liegen jedoch Wolkenschatten über dem Schneefeld. Ron ist überglücklich bei unserem Anblick. Marvin weiht uns in die Raffinessen des Luxus-Außenbiwaks ein. Wir werden verwöhnt.

Weil Regen droht wird Kati auf der Hütte über unser Kommen informiert. Nach einem Gewaltmarsch über den nächtlich verhüllten Karst, zum Spaß ohne Licht, erreichen wir gegen 22:30 Uhr die erwartungsfrohe Hütte. Eine riesige Pfanne leckerster Kaasspatzen wird geleert, dazu gibt es Sekt für die Helden. Kati, Vincent und die Kinder sind vor Neugier nicht ins Bett zu bekommen. Über das Erzählen, Trinken und weitere kulinarische Köstlichkeiten wird es am Samstag schon fast wieder hell.

Text und Fotos: Oliver Kube


Aktivitäten 2004

Im Zentrum der Aktivitäten stand 2004 mal wieder die Forschung im Loferer Schacht. Hinsichtlich der Zeit, des Vorbereitungsaufwandes, der Anforderungen und der Bedeutung der Ergebnisse war dies der wichtigste Teil unserer Jahreaktivitäten.

Leicht verspätet aufgrund übler Wetterverhältnisse setzten wir die langjährige Forschungsarbeit in 2004 fort. Zum einen wurde nach einem zweiten Ausgang gesucht, wobei die Messungen leider vermuten lassen, dass der erhoffte Ausgang mitten in der Felswand und nur schwer erreichbar sein wird. Und natürlich wurde weiter in die Tiefe vorgedrungen: der Loferer Schacht ist jetzt auf 790 m Tiefe und knapp 6800 m Länge vermessen.

In 2004 haben wir auch endlich, nach zahlreichen kleineren Höhlen in den vergangenen Jahren, ein neues vielversprechendes Forschungsobjekt in den Loferer Steinbergen entdeckt: von der Schmidt-Zabierow-Hütte aus wurde im Vorjahr der Eingang der Kreuzhöhle erspäht, leider aufgrund der Höhe selten schneefrei. Juli 2004 wurden dann die ersten Vermessungen durchgeführt. Nach einem 93 m Schacht, der in einer großen Halle endet, wurde der Anfang eines langen Ganges erkundet. Insgesamt sind bislang 140 m Tiefe und 380 m Länge vermessen.

Auch wenn die Höhlenforschung vielen recht exotisch (um es höflich auszudrücken) erscheint, gibt es doch erstaunlich viele weitere Gruppen in Deutschland, die diesem gesunden Hobby (regelmäßige Schlammpackungen, keine Probleme mit dem Ozonloch, ...) frönen. Und so gab es im Mai in Aschau beim Jahrestreffen des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher Einblicke in die Arbeiten anderer Gruppen sowie die Möglichkeit, einige Höhlen im Umkreis zu bewundern.

Kontakte gepflegt wurden auch Ende Oktober als wir mit einigen anderen Gruppen von der Speleologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen zu einer gemeinsamen Befahrung der Schwinde C bei Breitscheid eingeladen waren. Dort gibt es im Bereich des Erdbachs gibt es noch einiges zu untersuchen und zu graben und der Besuch hat durchaus Motivation zur Mithilfe geschaffen.

Auf der Suche nach neuen Mitstreitern veranstalteten wir über den 1. Mai eine Fahrt in die Gegend um Besancon – unsere frühere zweite Heimat, die wir heute leider nicht mehr ganz so oft besuchen. Zwei Interessenten waren zwar erstmalig in einer Höhle, brachten allerdings Klettererfahrung mit. Daher konnten nicht nur Gänge sondern auch Schächte geboten werden, in denen u.a. ein kleiner Höhlenbach, Mäander sowie wunderschöne Sinterbecken und gut erhaltene Tropfsteinformationen zu bewundern waren, so dass nicht nur die Fotografen hell begeistert waren.

Im Juni führte die jährliche Familientour südlich von Prag nach Tetin zum Besuch der dortigen Höhlenforscher, mit denen uns gemeinsame Höhlenerlebnisse verbinden. Neben anderen Freizeitaktivitäten wurden zwei kleinere horizontale Höhlen und eine der größten Höhlen des dortigen Karst, der Arnoldska, besucht. Hier wurde mühsam gegraben, um den Weg in die Tiefe freizulegen. Der Verlauf ist vor allem vertikal, die Höhle ist mit Leitern ausgebaut. Die Tour gab unserer Hoffnung auf Nachwuchs aus den eigenen Reihen neuen Auftrieb, denn die jungen Mädchen, die ihre Väter begleiteten, waren mit Spaß und erstaunlicher Fertigkeit dabei.

Mitte November verabredeten wir uns dann - dem reinen Genußstreben folgend - mit Freunden aus anderen Gruppen im französichen Jura und verbrachten dort ein langes Wochenende mit dem Besuch schöner und interessanter Höhlen, dem Betrachten von interessanten Gangformen, schönen Versinterungen und Versteinerungen, dem sportlichen Extermkriechen mit und ohne Schlamm, wasserreichem Abseilen und gemütlichem Spazierengehen in großzügig geformten Wasserhöhlen.

Den Abschluss des Jahres bildete wieder unsere Nikolausfeier im Vereinsheim, bei der es wie immer eine klare Aufgabenteilung gab: während die Älteren sich ganz der Kalorienzufuhr widmeten, setzten die Jüngeren ihren Schwerpunkt auf den Kalorienverbrauch. Letztere setzten ihre Aufgabe vor allem an der Kletterwand um, was Ersteren Gelegenheit gab, ihren über die Jahre nach unten gewanderten und gewachsenen Schwerpunkt zum Wohle der Letzteren zu Sicherungszwecken einzusetzen. Darüber hinaus wurde in Erinnerungen geschwelgt und natürlich Pläne fürs nächste Jahr gemacht.

Text: Dagmar Cords, Ralf Camrath


Forschung 2004

Teil 1 - Außenbiwak

Ein vielversprechender Anfahrtsabend nach Lofer, gekrönt durch eine geruhsame Nacht auf dem Parkplatz erwartete uns Höhlenforscher. Strömender Regen, abschüssiges Gelände, knapp bemessene Regenplane. So blieb die Sommernacht in Erinnerung. Dazu die bewährte Schlaftechnik : beim Einschlafen an der schrägen Isomatte festkrallen, im Schlummer langsam entspannt in den Regen rollen, durch das nasskalte Rinnsal vom Nacken den Rücken entlang aufwachen, hoch robben, festkrallen, entspannen... Der Erfolg blieb nicht aus: durchgängig durchfeuchtet, klamm und fröstelig machten wir uns Samstag morgen an den Aufstieg.

Und das Wetter spielte mit: Dauerregen! Zum Glück war es nicht besonders warm. Und mit genügend Gewicht auf dem Rücken braucht es durchaus drei bis vier Stunden bis zur Hütte. Gerade für Brillenträger ein besonderer Genuss - Schlieren laufen über die Gläser und ohne klaren Blick, kann man über rutschige Stiegen und an schwindelerregenden Abstürzen vorbei, völlig schreckensfrei entlang stolpern. Besonders hervorzuheben war die gute Zeitplanung: Eine unerwartete Regenpause konnten wir gemütlich auf der Hütte aussitzen. Und bevor wir richtig trocken waren, ging es in den nasskalten Klamotten mit klebrig-kühlen Gefühl am ganzen Körper im Regen 1,5 steile Stunden zum Biwakplatz.

Wir dachten, das Highlight des Tages sei der Zeltaufbau im T-Shirt im Schneeregen. Daher kosteten wir jeden Augenblick aus, an dem uns der eisige Wind über die nassen Rücken und Bäuche strich. Endlich dann im Zelt warmgezittert ging uns durch die Köpfe: "Schade, dass es für heute schon vorbei ist". Doch die alten Genießer Marvin, Bino und Bernd stiegen noch im feuchten Halbdunkel zur Hütte ab. Tja, dabei haben sie das Beste verpasst. Kaum war es richtig dunkel, knackte das eisige Windchen vergnügt die guten 12´er Aluzeltstangen. Denne, Siegmar und Dagmar sahen sich plötzlich durch die im Außenzelt klaffenden Risse Aug in Aug mit Sturm und Starkregen. Ratsch, fetz, plätscher - Hochwasser im Zelt. Wenigstens der Zeltboden war dicht. Und dann diese köstlichen Augenblicke, wenn die nächste Böe sich mit dumpfen Grollen über den Grat ankündigte. Steht Yetis Villa oder fällt sie? Herrlich, da war an Schlaf nicht zu denken. Auch Jörg und Oliver, die in den Höhleneingang ausgewichen waren, gingen nicht leer aus. Die chinesische Tropfenfolter zwang Jörg zu einer Nacht in der Embryonalstellung. Und Oliver hätte fast nur nasse Füße bekommen, wäre da nicht das leichte Gefälle in Richtung seines Kopfes gewesen ...

Der Sonntag wurde dann langweilig trocken und sonnig. Er brachte die lästigen Pflichten: kochen, essen, Sachen trocknen, sonnen, Zeltfetzen zusammennähen, Kleinhöhle vermessen. Nach so einem enttäuschenden Tag dann der Sicherheitsabstieg zur Hütte. Motto: Ist man sowieso fast trocken, kann man auch warm und weich übernachten.

Der Montag verlief ähnlich zäh und so ließ sich durch allgemeines Schnarchen bedingtes Halsweh vollends kurieren - ein echtes Versagen der Veranstalter. Denne, Jörg, Siegmar und Oliver flüchteten in den Loferer Schacht.

Der Dienstag begann wieder durchwachsen und unspektakulär, die Erwartungen sanken. Bernd, Petr und Honza verschwanden im Loch. Marvin und Dagmar stiegen zur Hütte ab und Bino musste zur Arbeit entschwinden. Den metero-gelogenen Ankündigungen von Gewitter und Sturm schenkten wir keinen Glauben und waren für das entgangene Vergnügen selbst verantwortlich. Orkanböen und schweres Gewittergeknatter ließ sich nur peripher aus der warmen, sicheren Hütte bei Käti verfolgen. Essen und Trinken ein Genuss.

Das sollte uns nicht noch einmal passieren: Mittwoch in aller Herrgottsfrühe hoch zum Biwak und es lohnte sich! Feucht-kalter Nebel, die Sicht keine drei Steine weit (und da gibt es viele Steine). Aufräumen, Ausrüstung bergen. Zeltruinen besichtigen. Außerdem ein schöner Tag um stundenlang Löcher in den Nebel zu starren, oder Dübel für Sturmbefestigungen in die Felsen zu schlagen. Dabei kroch der Nebel einem geradezu in alle Fasern. Man hatte ständig das Gefühl, gleich die Gestalten aus "The Fog" hinter sich auftauchen zu sehen (Der Nebel des Grauens, Klassiker!). Dabei war eigentlich außer Marvin und Dagmar keiner da!

Gegen Abend wurde es endlich noch besser, wieder Dauerregen und Gewitter. Wir verschwanden zu zweit im letzten 210x120x90cm Zelt. Um das Gewitter wirklich auszukosten, hatten wir ja das Höhlentelefon mit rund hundert Meter Kabel bis ins Zelt verlegt. Die Einschläge kamen in dichter Folge immer näher. Wie die Kaninchen vor der Schlange starrten wir also quasi am Ende der Zündschnur auf das Telefon. Bummm, schon stoben die Funken. Als uns das nicht mehr begeistern konnte, beobachteten wir die sich in den nächsten 24 Stunden langsam herausbildenden Tropfstellen im Zeltdach. Plitsch, Platsch, schon wurde es Donnerstag.

Im schönsten Regen erschienen am Mittag die prima eiswassergekühlten Denne und Jörg aus der Höhle. Sie verschwanden umgehend ins Tal. Abends stiegen auch wir zur Hütte ab. Getreu dem Motto "wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören". Außerdem kann man ja nur so richtig nass werden, wenn man zwischendrin mal wieder trocken wurde.

Und so ging es Freitag morgen wieder feucht-kalt durch Nebel und Nieselregen hoch zum Biwak. Rein ins Zelt, zum Glück war es selbst zum Kartenspielen zu eng. Gegen Nachmittag kam die Sonne, Enttäuschung und Abstieg zur Hütte. Doch hier warteten überraschend neue Freuden: die sich dem Wochenende nähernden, lärmenden, feucht-fröhlichen Wandergruppen. Bernd und Siegmar haben das durch ihren spätabendlichen Höhlenausstieg leider verpasst.

Tja, der Samstag machte uns den Abschied leicht: strahlender Sonnenschein! Auch Oliver, Petr und Honza erschienen wieder an der Oberfläche. Um dem Wetter noch eine Chance zu geben, wurde mehrheitlich im Freien übernachtet. Und die Zuversicht wurde belohnt, mitten in der Nacht fing es an zu tröpfeln. Um diese Phase auszunutzen, verfielen einige Ungeduldige sofort in hektische Betriebsamkeit. Mit der Stirnlampe wurde um 2:30 Uhr das Gepäck umgeschichtet. Leider war der Regen viel zu schnell wieder vorbei.

Sonntag morgen wurde dann bei strahlendem Sonnenschein (na also, geht doch!) eingepackt und ins Tal abgestiegen. Kurz vor dem Auto badete uns nochmal so ein richtiger Kehraus-Platzregen (50l/qm) – da freut man sich aufs nächste Jahr.

Text: Dagmar Cords, Oliver Kube, Fotos: Jochen Hartig


Teil 2 - 1000 Höhenmeter unter dem Reifhorn

Durch die widrigen Bedingungen gebremst (v. a. Schlafsäcke nass) waren wir für den Einstieg einen Tag verspätet. Trotzdem blieben wir bei 2 Innengruppen, da sich auch die Zahl der Innenbiwak´ler im Vorfeld von 10 auf 7 reduziert hatte (bis zu 5 Höhlennächte).

Technologisch waren wir diesmal hoch aufgerüstet. Außer den mittlerweile obligaten Handys, hatten Dagmar und MarvinPalm-Organizer und Minicomputer mit allem Schnick-Schnack in nächtelangen Downloads aufgepeppt. Den temporären Email-Anschluss um Live vom Geschehen zu berichten, haben wir Dagmar gerade noch ausreden können. Wohl keiner wollte Büro-Emails in der Höhle haben. Über den mobilen (wireless) Internetanschluss ließ sich das Regenwetter dann auch erfolgreich online bestätigen. Trotz extremer Übermittlungszeiten wurde es allerdings auch nicht besser. Der Palm-Organizer mit dem kanadischen Vermessungsprogramm überforderte uns ebenfalls. Wir konnten die mühsam eingegebenen Daten nicht abspeichern.

Nun denn, alle Hightech Innovationen gerieten bei den existenziellen Problemen im Außenbiwak schnell in den Hintergrund. Und als nach 9 Stunden Abseilen der Kocher bei minus 580 m im Innenbiwak brummte, hatten Jörg, Denne, Siegmar und ich ebenfalls andere Prioritäten. Die Fortsetzung der Höhle an beiden Enden des Horizontalteils ist unser Ziel. Gruppe 1 unter meiner Führung ist wie üblich für „Tiefe“ zuständig und so standen von 2003 noch ein Schacht und das Erklettern einer Rampe auf dem Programm. Wir 4 beschlossen uns zu teilen, damit bei 1°C wegen Wartezeiten niemand frieren muss.

Jörg und ich dübelten Seil in den Schacht. Noch weit vor dem Schachtboden fanden wir überraschend einen abzweigenden Mäander nach Süden, welchen wir gleich vermessen haben. Mitten im schönsten Forschen erreichte uns entferntes Rufen von Siegmar, wir eilten zurück. Die Rampe, Mega, Giga, Hauptgang, unbedingt kommen, so hallte es. Denne und Siegmar waren ganz aus dem Häuschen, ein riesengroßer Gang öffnete sich vor uns am oberen Ende der Rampe. Gemeinsam betraten wir als erste Menschen diesen mächtigen 10 - 15 m breiten Gang. Von Messpunkt zu Messpunkt stieg die Stimmung. Unsere 4 Karbidflammen reichten gerade so für den Überblick. Es wurde immer breiter und die Blöcke am Boden immer größer (3 m Durchmesser u. mehr). Leider gesellte sich bald auch eine dickere Lehmschicht hinzu, ein sicherer Hinweis auf eine Rückstauzone. Die Euphorie bekam damit einen Dämpfer. Der stetig abfallende Gang weitet sich auf über 30 m Breite (wie ein 4-spuriger Autobahntunnel), um sich dann enttäuschend schnell in einer Spalte auf 5 m, 2 m, 1 m zu verengen. Dort eroberte Jörg ein kleines, stark windführendes Loch am Boden. Er kam jedoch nicht recht weiter und nach 5 Minuten desillusioniert wieder empor. Kein Wasser, jedoch war das einmal ein Siphon, das ist sicher. Wir sind auf Minus 730 Meter.

Siegmar und ich (wir sind recht schlank) wechselten uns anschließend mit dem „mal Nachsehen“ ab. Denne (etwas fülliger) sprach unverständlicherweise von Umdrehen. Einigen Lehm und störende lose Steine räumten wir 2 mühsam aus. Sekt oder Selters, wir wollten es wissen. Endlich gelang mir nach innerer Rücksprache mit dem Herrgott und anderen führenden Höhlenforscheridolen der Durchschlupf durch eine längere, sehr enge Passage. Ich gelangte allein in eine Kammer und fühlte mich plötzlich sehr einsam. An deren Ende rauscht der Wind durch die Blöcke an der Decke tiefer in den Berg. Leider nur Selters (Das Wort „Zu“ vermeiden wir lieber).

Gruppe 2 mit Bernd, zuständig für „Ausgang“, hat wie immer die „freie Sicht auf Tirol“ im Sinn (Der Eingang liegt im Salzburger Land). Irgendwo muss es da noch einen zweiten Eingang (oder Ausgang) geben. Petr, Honza und Bernd eroberten einen Canyon von unten. Einige haarige Kletterpassagen mit „Gegenwasser“ führten Sie schrittweise in die Höhe. Hinter jeden neuen Ecke erwartet man Tageslicht, es riecht förmlich nach Latschensträuchern. Doch auch der Loferer Schacht weis zu überraschen und ändert nach 3 Jahren gen Südwesten einfach die Richtung. Nun geht es innen parallel zu den Südabstürzen der Loferer Steinberge entlang. Die Ausdauer wird schließlich mit einem neuen Gangniveau mit offenen Verzweigungen belohnt. Nun fehlen wirklich nur noch die Wurzeln. Zu viel Oberflächenwasser beendet schließlich den Vorstoß. Wir wissen ja, draußen schüttet es aus Eimern.

Bleibt noch vom neuen, weiter vorgeschobenen Tiefenrekord für die Loferer Steinberge zu berichten. Ganz unten, im sogenannten Hades erlaubt uns eine Schachtstufe den Abstieg in eine grobschotterige Halle. Am Fuße einer trichterförmigen Einsenkung führt ein Loch auf minus 790 Meter unter Eingang. Irgendwo darunter rumort ein Bach. Das ist Rekord für uns. Wir sind auf 1410 m Seehöhe, oder 1077 m unter dem Reifhorn. Auch der Längenrekord im Gebiet konnte mit 6738 m vermessener Länge weiter ausgebaut werden.

Text: Oliver Kube

 

Aktivitäten 2003

Das Jahr 2003 war ein ganz besonderes Jahr für die Höhlengruppe. Wer nämlich die verstaubten Schriften in den Archiven der Sektion Frankfurt gründlich durchstöbert, wird jene Urkunde entdecken, die bezeugt, dass die Höhlengruppe im Jahre eintausendneunhundertdreiundachtzig nach der Geburt unseres Herrn gegründet wurde. Die Höhlengruppe konnte also in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern.

Die Feier fiel allerdings aus, weil dummerweise niemand in der Höhlengruppe an dieses Jubiläum gedacht hat. Die derzeit dienstältesten Mitglieder sind nämlich erst seit 19 Jahren dabei. Unsere Gründerväter, die seinerzeit noch barfuß und mit Kerzenlicht unvorstellbare Abgründe, auch menschliche, erkundeten, sind leider von uns gegangen (Hallo Gründerväter, falls ihr diesen Schwachsinn lest, nehmt ihn uns bitte nicht übel). Doch die Kunde einstiger Heldentaten wurde noch an unsere Generation überliefert, so dass der Geist der Gründer in uns weiterlebt und wir schwätzlaberherrgottnochmalistjetztbaldschlussmitdemgesülze ...

Also zurück zum Thema. Wie es so unsere Art ist, haben wir, auch ohne Kenntnis des Jubiläums, so nebenher eine durchaus jubiläumswürdige Expedition unternommen und haben den Loferer Schacht mal eben zur tiefsten und längsten Höhle der Loferer Steinberge gemacht. Und allen Spöttern sei an dieser Stelle gesagt, dass der Loferer Schacht nicht die einzige Höhle in den Loferer Steinbergen ist. Wir haben auch nicht, wie andere es gelegentlich tun, durch graben oder sprengen nachgeholfen, sondern vielmehr über 10 Jahre zäh darum gerungen, dorthin zu kommen, wo wir jetzt sind, auch wenn wir manchmal lieber woanders wären. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wir freuen uns jedenfalls, dass dieser schöne Erfolg geglückt ist und er so passend in dieses Jahr gefallen ist. Aber ebenso freuen wir uns über die anderen schönen Fahrten, die wir in diesem Jahr unternommen haben. Besonders hervorzuheben ist mal wieder unsere Familientour, die sich inzwischen zu einem festen Programmpunkt unserer jährlichen Aktivitäten entwickelt hat. Daneben gab es zahlreiche Fahrten in das immer noch von uns gerne besuchte Französische Jura. Und als Besonderheit ist noch der Besuch einer Verbandstagung tschechischer Höhlenforscher zu nennen, auf der wir die Ergebnisse unserer Forschung in Lofer präsentierten. Einladungen aus den USA, Russland, China und Samoa mussten wir leider ausschlagen, da unsere Repräsentanten unter Flugangst leiden. Da bleiben wir doch lieber, in jeder Hinsicht, auf oder besser unter dem Boden und freuen uns auf das nächste Jahr.

Text: Ralf Camrath

 

Forschung 2003

Expedition Loferer Schacht - Neue Rekorde

Wer unserer jährlichen Berichterstattung folgt, kennt den gewaltig beladenen 1450m Aufstieg bereits. Spät Nachmittags gelangen wir im Nebel an den geliebten Loferer Schacht. Ohne 30°C und mehr, war es angenehm. Wir wollen gerade die Zelte auspacken als es zum Wolkenbruch aufreißt. Eisregen treibt uns zurück in den Höhleneingang. Leider hält der Regen an, so dass der Rest des Tages sehr unangenehm verläuft. Nasses Zelt, feuchte Sachen, klammer Schlafsack, keine Kochgelegenheit und Stimmung wie das Wetter: am Gefrierpunkt ! Gewiss nicht der schönste Tag.

Gegen Morgen hört endlich das Geprassel auf. Wer viel campt der ahnt es. Richtig, es schneit kontinuierlich. Da es in der Höhle diesmal wärmer und trockener sein wird, entschließt sich die erste Gruppe zum unverzögerten Start. Petr, Kratja, Hilary und ich folgen den lang vorbereiteten Planungen und packen die Säcke nach Liste. Zum Beispiel sind 12 kg Futter, 180m Seile, Karabiner, Hammer, Schlafsäcke, 4 kg Karbid, Klamotten, Diverses, etc. pp. zu verstauen. Die zweite Gruppe mit Bernd, Honza, Kuba, Zdenek und Knack haben am Dienstag ähnliche Lasten.

Sonntag Abend erreichen wir nach 8 Abseilstunden unser vertrautes Biwak in -580 m Tiefe. Nach ausgiebigem Schlaf gehen wir Montag zunächst nicht mehr benötigte Seile bergen. Dabei finden wir im Bereich Mittagsschacht überraschend reichlich Neuland (noch niemals betretene Gänge) und vermessen rund 150 m. Offener Schacht am Ende. Ein Nachmittagssüppchen erfrischt uns im Biwak, dann geht es klettern im sog. Stairway to heaven. Oben zeigt sich ein Portal und ich vermutete seit einem Jahr dort den Hauptgang. Erst hilft uns eine riesige Sanduhr, dann muß gedübelt werden. Der Aufschwung über eine lehmverschmierte Kante gestaltet sich entsprechend kniffelig. Petr ist schließlich drüber, wackelt auf einer rutschigen Rampe herum und weiß nicht wie er jemals sturzfrei zurückkehren soll. Da hilft nur der Allrad, vorwärts die Devise. Das 30 m Seil passt genau, wir können nachglitschen und klettern. Als wir oben sind kommt ein strahlender Petr aus dem Gang zurück. Jackpot, sagt er nur. Wir stürmen gemeinsam einen riesigen Gang. Über das Vermessen wird es Mitternacht. Ein schöner Tag.

Dienstag geht es nach unten. Schon 2002 entdeckten wir am unteren Ende des Stairway to heaven einen großen Schacht, hatten aber kein Seil mehr. Nun haben wir 110 m Seil im Sack, doch schon Schacht Nr. 1 schluckt rund 65 m. Eine Halle mit eindrucksvollen Versturzblöcken durchklettern wir (was muß es da mal gerumst haben ! ), dann folgt ein extrem bröseliger Schacht unter einer schaurigen Hängeversturzdecke. Ja nix anrühren ! Wir sind sehr beeindruckt und räumen schweigsam und vorsichtig die Brocken aus unserer Abseillinie. Sie verschwinden geräuschvoll in der bis dahin ewigen Finsternis. Zerberus wartet! Mit frei angeknotet verlängertem Seil bezwingen wir den dreiköpfigen Höllenhund und betreten den Hades. Hier feiern wir am Ende einer Rampe über der nächsten Schachtstufe den neuen tiefsten Punkt des Loferer Schachtes in 768 m Tiefe. Neuer Rekord, auch für die Loferer Steinberge. In der Halle schlucken riesige Schlote nach oben das Licht unserer Strahler, nach unten gähnen weitere Schächte. Wir müssen wiederkommen! Ein sehr spannender Tag.

Spät Nachts begrüßt uns die 2. Gruppe schnarchend im Biwak. Nun sind 9 Personen da und wir haben Schichtdienst eingeführt.

Mittwoch ruhen wir uns lieber im Jackpot aus, schließlich müssen wir noch heute nach oben ins Zwischenbiwak entweichen. Doch tun sich nördlich noch Gänge und Schächte auf, welche wir fleissig befahren und vermessen. Wunderschön sind all die erstaunlichen fossilen Versinterungen, sogar Bodentropfsteine finden wir erstmals. Der Aufstieg ins Zwischenbiwak ist herb, die übliche Schinderei nach draußen erledigt uns dann am Donnerstag. Doch Dagmar ist da und ergötzt die Helden der Tiefe mit frischen Trauben, Tomaten und Bananen. Wunderbar, wirklich der schönste Tag !

Während wir der Völlerei fröhnend in der Sonne liegen, all die nassen Sachen trocknen, arbeitet sich Gruppe 2 unterirdisch vom Salzburger Land nach Tirol durch. Im Juni hatten wir bereits von Außen erfolglos nach einem Zweiten rund 500 m tiefer gelegenen Eingang gesucht. Nun geht es von Innen weiter. Großen Erfolg verspricht ein neu entdeckter Canyon, welcher allerdings von unten nach oben zu erarbeiten ist. Hallo Canyonisten, macht Ihr das nicht umgekehrt ?! Mal sehen wann wir endlich nach draußen durchstechen und wo wir dann herauskommen? Immerhin gibt es schon vermehrt Fliegen und Luftzug in diesem Bereich.

Freitag / Samstag finden wir in einer erstaunlicherweise völlig unbefahrenen Höhle neben dem Wanderweg, einen 93 m Direktschacht und riesige Tropfsteinreste auf 2100 m! Sensationell ! Doch davon ein andermal.

Aus dem Loferer Schacht kommt Gruppe 2 Samstag Abend wieder heil und glücklich ans schwindende Tageslicht und so können endlich gemeinsam die Rekorde gefeiert werden. Längste und tiefste Höhle in den Loferer Steinbergen ist nun „unser“ Loferer Schacht. Heute ist „ganz wirklich der schönste Tag“.

768 Höhenmeter tief, 6070 m vermessene Ganglänge, davon 961 m dieses Jahr und es geht weiter !

Auch diesmal gilt unser Dank den unsichtbaren und ungenannten Fans und guten Geistern, ohne die eine solche Expedition nicht möglich wäre. Oh, kopfschüttelnde Freundinnen, Futter kaufende Ehefrauen und schimpfende Kinder nicht zu vergessen, welche uns alljährlich sicherheitshalber einmal ziehen lassen.

Text: Oliver Kube

 

Forschung 2002

Expedition Loferer Schacht, August 2002

Wir erwarteten viele Neuentdeckungen und ich rechnete mit enthusiastischem Teilnehmerandrang, doch die Herren wollen gebeten werden. Sind wir schon alle Schreibtischtäter ? Sesselfurzer ? Oder hat der Schacht mit 8 Stunden abseilen, handbreiten Meandern, alten Seilen, x Nächten in der Höhle, 700 Höhenmetern Seilaufstieg, seinen Schrecken doch nicht verloren ? Nunja, 8 Teilnehmer gelangten Samstag bis zum Höhleneingang. 2 Vierergruppen wurden ausgehandelt, die optimale Besetzung für eine kalte, hochalpine Schachthöhle. Doch die aufgehende Sonne sah nur noch 7 Forscher Müsli essen. Einer war schon wieder auf dem Heimweg, das Jahrhunderthochwasser.

Jörg, Ron, Petr und ich rüsten am sonnigen Samstag langsam aber routiniert zum Angriff. Im Laufe des Abstiegs, jeder mit 2 Schleifsäcken behangen. Am Montag starten starten wir ins Neuland unterm sog. Ebbelwoi Express. 70 m vermessen, Schacht entdeckt. Routine. Nach der Mittagssuppe wird die sog. Tennishalle erforscht und vermessen. Erwartungsgemäß keine Fortsetzung, da kein Wind. Pflichtprogramm. Petr bindet derweil ein Seil in den unerforschten Windschacht. Harakiri. Jörg korrigiert und lässt sich dabei einen 3 kg Stein auf die Schulter plumpsen. Gibt auch noch rote Ohren. Oh, junge Helden. Ron dübelt Sicherheit hinterher, unser ältester Held. Gemeinsam geht es in den neuen Windgang, in welchem für 600 m Tiefe, großartige Versinterungen auf uns warten. Nach 150 m ist in einer Versturzhalle trotz Wind Schluß. Müde Helden.

Dienstag, geliebte Forschung: Wir vermessen den Windgang und seine kurzen Seitenäste. In der Versturzhalle wird ein Mannloch freigelegt, durch welches sehr viel Wind verschwindet. Wir folgen in einen niedrigen verlehmten Gang. Bald geht es wieder aufrecht, doch neuer Versturz stoppt uns. Wir schwärmen aus, d.h. jeder sucht sich ein Loch ! Petr taucht aus einer Spalte auf, in welcher es heftig zieht. Ist zu, meint er. Ja, aber wo verschwindet dann der Wind? Hmm, da gehe ich noch mal nachsehen. Man blickt bald in eine 3m lange A-förmige niedrige Öffnung, hinten steht eine glatte Wand. Sieht zu aus, doch die Erfahrung lehrt. Also mal reingerobbt, vor der Wand geht es senkrecht hoch, rumgedreht, hingesetzt und hochgeguckt. Oha, 2 Steinplatten versperren den Weg nach oben. Links und rechts schwarze Spalten, sehr gut. Hurra gebrüllt, Echo !!! Eine Halle. Doch wie nach oben kommen ? Hocke machen, kräftig hochdrücken, Augen zu, drücken, rührt sich nicht. Vielleicht die andere ? Tief durchatmen, Stellung verbessern, drücken, bewegt sich doch, rütteln, stärker drücken, Schotter bröckelt vorbei, weiter drücken. Der Stein klappt nach hinten oben um. Der Kanaldeckel ist auf.

Vorsichtig schwinge ich mich hinauf und tänzle über die losen Brocken. Will mir ja den Rückweg nicht verschütten. Umsicht halten. Super Echo und keine Sicht (alles Schwarz), umgeben mich, d.h. große Halle. Ich stelle mein Licht größer und knipse den Strahler an. Whow. Ich stehe inmitten meterfetter Blöcke auf einer ca. 60° steilen, abfallenden Rampe in einem Riesengang oder Schacht. Die Kameraden ploppen aus dem Loch. Triumpfgeheul. Steine fliegen in die Tiefe, wilde Tiefenschätzungen machen die Runde. Geht es da 100 m runter? Wir erkunden und vermessen die Rampe über dem Abgrund so weit es geht. Schlauerweise haben wir nämlich kein Seil mehr da.

Ron und Jörg machen sich anschließend planmässig an den Aufstieg ins Terminal 1 Biwak. Ein Übernachtungsstop auf dem Weg nach draußen. Der Aufstieg dauert total so 10-12 schweißtreibende Stunden.

Mittwoch, besser vergessen : Dreier–Telefonkonferenz schon vor dem Aufstehen. Mein Müsli wird kalt, ich komme nicht zum Teetrinken. Der 3. Mann vom hochwassergeschwächten 4´er Team ist krank abgestiegen. Da waren es nur noch Zwei. Bernd u. Walter wollen rein, vernünftiger Weise aber nicht zu zweit unten bleiben. Ron u. Jörg nur noch raus. Wir haben die Wahl, nach draußen folgen oder länger drin bleiben. Nach langem Hin und Her beschließen Petr und ich 6 Nächte unten zu bleiben und die fehlenden 50% des zweiten 4´er Team zu bilden.

Wir vermessen unspektakuläres Neuland, klappern Fragezeichen ab. Natürlich wird es dann am sog. Südbahnhof doch wieder spannend, als wir viele Fledermausmumien und nach einigen Sackgassen den Hauptgang „riechen“. Aber Petr´s Licht ist pünktlich am Ende und es ist außerdem schon 21 Uhr. Bernd u. Walter sind inzwischen von oben im Biwak angelangt. Mit je nur einem Sack Ballast geht es schneller. Sie haben Nachschub herangebracht und hmmm, es gibt lecker zu Essen. Noch eine ganze Tafel Schokolade verschlinge ich hinterher, das stopft.

Donnerstag fängt gut an : Erstens esse ich kein Müsli mehr. Zweitens erzählt Bernd, daß wir von der Aussenwelt abgeschnitten waren. Ron oder Jörg hatten versehentlich 25m Seil in einem Schacht hochgezogen und das nicht bemerkt. Wir wären also ohne Hilfe nicht raus gekommen. Nunja, da wir es nicht wussten, hatten wir auch keine Last damit. Drittens wollten wir den Beiden den Schacht hinterm Kanaldeckel schenken, doch sie eröffnen uns, Sie hätten kein Seil mitgebracht. Kein Auftrag.

Wir retten den Tag indem Petr und ich Seil aus unserem tiefsten Höhlenteil ausbauen gehen. Ich will da sowieso noch eine mögliche Fortsetzung nachsehen. Bernd u. Walter, welche besser klettern können, setzen die Entdeckung am Südbahnhof fort. Zum Mittagessen sind wir wieder vereint. 2 Glückliche haben den Durchbruch in den vermuteten Gang gepackt. Wilde seilfreie Klettereien berichten Sie. Wir haben das Seil geborgen. Dabei nebenbei von unten Verbindung zum Mittagsschacht hergestellt. Gemeinsam geht es nun zum Windgang und hinterm Kanaldeckel abwärts. 60m wurden abgeseilt, weitere ca. 40m müssen warten.

Freitag : Angriff auf Tirol: Hinterm Südbahnhof unterwandern wir die Landesgrenze vom Salzburger Land nach Tirol und Bernd und Walter wiederholen Ihre Kletterkünste. Petr und ich gehen einen anderen Weg und warten in einer mutmaßlichen Verbindung bis das Seil aus dem schwarzen Himmel fällt. Abers kummt nit. Stattdessen erscheint ein nasser Bernd. Eine wunderschöne regenreiche Spalte führt kletterbar nach oben. Da wir das Ding vermessen müssen sind wir nach kürzester Zeit klitschnaß. Bei 1° Wasser- und Lufttemperatur nennen wir es passend Warmduscherspalt. Frisch gewaschen erreichen wir Walter in Tirol. Großer Jubel im wiedergewonnenen Hauptgang. Wir träumen vom Durchmarsch bis zur nahen Felswand, welche nicht allzu weit entfernt sein kann. Viel Fledermauskot und Fliegenlarven stimmen uns optimistisch. Den ersten Versturz nehmen wir noch, doch im zweiten bleiben wir orientierungslos stecken. Wäre ja der Knaller gewesen mitten in einer Steilwand aufzutauchen.

Die am Donnerstag nachgekommenen Ralf u. Bino, haben erfolgreich Verbindung zwischen den beiden Hauptschächten im oberen Teil der Höhle hergestellt. Dabei wurde noch ein superlanger P55 befahren. Der sog. Missing Link ist nun vermessen.

Bilanz:: 950 m Neuland vermessen, wieder neues Gebiet tiefer als 700m unter Eingang entdeckt, einige unberichtete Blessuren, eine vielversprechende Neuentdeckung in der Reifhornwand (Hoffnungsschacht) und der Ausgang in Tirol bleibt vorerst ein Traum. Aber es geht weiter!

Text: Oliver Kube, Fotos: Walther Appelt

 

Aktivitäten 2001

Die Höhlengruppe schaut auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2001 zurück. Der rote Faden war natürlich unsere außerordentliche Aktivität in Lofer, welche uns von Januar bis Dezember ständig beschäftigte. Zwischendurch zur Erholung und auch als Training, wurden wie üblich einige Fahrten in den beliebten französischen Jura unternommen. Darüberhinaus waren wir auch international aktiv.

Jura: Genaugenommen begann das Höhlenjahr 2001 schon am 3. Advent 2000. Bei einer Anfängertour, fiel mir an altbekannter Stelle unbekannter Luftzug und donnerndes Wassergeräusch auf. Ganz zufällig hatte ich schon darüber gelesen und ebenso zufällig waren wir natürlich genau hier in der alten Grotte Baudin. Ein Durchstieg in den Grand Collecteur, einen unterirdischen Flußlauf von rund 10 km Länge steht dem Profi offen. Am abendlichen Kaminfeuer, Käse in der Hand und Vin de Pays auf dem Tisch, da reifte der Entschluß zur Befahrung.

Frankfurt: In den Wintermonaten begannen die Planungsarbeiten für Lofer 2001, unsere Forschungsarbeit. Dass wir wegen der großen Tiefe unsere Vorstoßtaktik umstellen mussten war allen klar, doch wie? Das Mission-Control-Team hatte einige Nachtsitzungen bevor im Juni der Befahrungsplan für 5 Teilgruppen, mehr als 2 Dutzend Aufgaben und 10 Teilnehmer verabschiedet wurde. Nur dank Excel blieb das noch übersichtlich.

Jura: Der 1. Mai war der Tag der Tage. 8 Stunden Vorstoß durch die Grotte Baudin in das Reseau de Verneau. Dank guter Pläne, Literatur-Recherche und einiger Techno-Seil-Tricks gelang die Schlüsselstelle freischwebend hoch überm donnernden Wasserfall. Whow, was für ein Gefühl. Es folgten noch so einige nasse Überraschungen. Nachdem auch unser letztes Seil in der Dunkelheit hinter uns verschwand, erreichten wir den aussergewöhnlichsten Tropfstein der mir je begegnet ist, La Tripode, das Dreibein. 7 Stunden trennten uns hier vom längst verblichenen Tageslicht. Der Rückweg war hart, der Morgen grüßte die Helden.

Sardinien: Während meines wunderschönen Jahresurlaubs konnte ich mit echten sardischen Höhlenforschern ein paar Höhlen erkunden. Dabei gab es wunderbare, warme Tropfsteinhöhlen mit üppigem Schmuck, Sinterperlen, Aragonitkristalle, historische Skelette, riesige Sinterfahnen, usw. zu bewundern. Wie ich schnell lernte, durfte der eigene Wein, Salami und schmackhafte Tomaten auf keiner Tour fehlen.

Vortour Lofer: 1400 Höhenmeter, 150 Kilo Material. Macht Spaß, außerdem trainiert es ungemein. Aus Tradition ein Muss.

Der Höhepunkt: Lofer 2001. Unsere minutiösen Pläne wurden mit einigem Improvisationsgeschick gut umgesetzt. Einzig 2 Tage nichts als Klöße waren im Zwischenbiwak zu beklagen. Dabei hatte sich diese Gruppe den Lebensmittelsack selbst wegbefördert. Unsere 35 kg Kabel wurden zu einer genialen Telefonverbindung genutzt. Unten ging es Dank der großartigen Nachschubleistung endlich wieder gut vorran. So wurde die bekannte Welt um über 1000 Meter vergrößert, der ersehnte Durchbruch. Ein Horizontalsystem in ca. 600 Metern Tiefe mit großräumiger Dimension ließ die Forscherherzen höher schlagen. Hier geht es 2002 mit Sicherheit weiter.

International: Die postloferische Depressionsphase war bei einigen nur kurz. So konnte auf Kuba mit der Cueva St. Thomas, die drittgrößte lateinamerikanische Höhle befahren werden. In Mexiko wurde wieder in warmem Wasser Blue Holes getaucht und in Kalifornien scheiterten einige Vorstöße an neuen Stahlgittertüren ! ( Wo haben die das bloß abgeschaut ?)

Frankfurt: Einige interessierte Jungforscher wurden gesichtet und am Seil trainiert. Zu der anvisierten Juratour kam es irgendwie dann leider doch nicht. Dafür kam nach der kinderreichen Weihnachtsfeier der 2. Advent und die Profis fuhren in den

Jura: Dem Gouffre de Baume de Cretes wurden seine vorletzten Geheimnisse entrissen. Auf 180m Tiefe kann mit einem Aufstieg im Bach, bald durch einen Canyon begonnen werden. Mehrere bis zu 7m hohe Wasserfallstufen wurden aus den Gumpen heraus erklettert, wunderschöne Mäander durchwandert. Der Rückweg war dann Canyoning sous terre, Seilabziehen und weiter. Leider waren die 180 m Wiederaufstieg in die Umlaufbahn recht zehrend. Es war mal wieder 4 Uhr früh als wir die Sterne erblickten.

Frankfurt: Wie Ihr seht, sind wir nichts als Warmduscher, Festnetztelefonierer, Eltern, Untergründler, Biwakkönige, und was nicht sonst noch alles. Wäre schön Euch kennenzulernen.

Oliver Kube

 

Forschung 2001

Ein Tag im Loferer Schacht

Um 8 Uhr werden wir durch einen Kocher und Töpfegeklapper geweckt. Eigentlich eine Erlösung von der kalten Nacht, denn in Biwak 2 in 575 m Tiefe geht bei 2 Grad Celsius (immerhin über Null) ein leichter Windzug. Trotzdem fällt das Aufstehen schwer, weil wir wieder unsere feuchten Höhlenklamotten anziehen müssen. Dank des trockenen Biwakplatzes sind sie zumindest über Nacht nicht feuchter geworden. Mit dem ersten Tee in der Hand sitzen Bernd, Oli, Hilary, Ralf und Bino am komfortablen Tisch aus edlem Naturstein. Bevorzugt wird heute (wie jeden morgen) Müsli und Erdnussbutter. Unser bequemes Biwak haben wir dem ersten Team zu verdanken: Kratja, Petr, Bernd und Oli, die eine geräumige und trockene Stelle ausgesucht und entsprechendes Biwakmaterial runtergebracht haben.

Plötzlich klingelt das Telefon! Das Außenbiwak meldet sich: Das Wetter ist stabil und wir verabreden, dass wir uns um 16 Uhr nach der geplanten Vermessungstour wieder zurückmelden. Unsere Army-Feldtelefone, die wir schon 1988 in der Heinzquetsche im Einsatz hatten, leisten uns gute Dienste. 1500 m Feldkabel und je ein Telefon im Außen- und in beiden Innenbiwaks erleichtern die Kommunikation und erhöhen die Sicherheit. Dank unserer Telekomexperten Dieter, Jörg und Walther war das ganze in 2 Tagen installiert.

Für die anderen ist heute Vermessung von Neuland angesagt. Biwak 2, welches von außen in 7-8 Stunden zu erreichen ist, liegt in einem riesigen Gang von 4-6 m Durchmesser und rund 400 m Länge, der in die eine Richtung, im sogenannten Ebbelwoi-Express, leicht nach Nordosten abfällt und in die entgegengesetzte Richtung im "Tiroler Tunnel" aufsteigt. In der Tat endet die Befahrung dieses Ganges 25 m vor der Landesgrenze von Salzburg nach Tirol. Die Vermessung dieses Ganges ist im Gegensatz zu den bisherigen engen Meandern und Kriechstellen ein wahrer Genuss. Eine angenehme Arbeit also für die drei Forscher, die den Vermessungstrupp bilden: Der ungelernte Fadenknecht, der voraus läuft bzw. kriecht und den Messfaden hinter sich her zieht; der des Lesens mächtige Vermesser, der Länge, Kompasswinkel und Neigung abliest; und zu guter letzt der Zeichner, der protokolliert und daher als einziger schreiben können muss. Daneben muss er die Aufsicht, die Seitenansicht und Gangprofile maßstabsgerecht zeichnen.

Im gesamten Loferer Schacht sind von uns seit 1990 in 34 Vermessungstouren so 104 DIN A4-Seiten Vermessungsprotokolle entstanden. Die Vermessungszüge werden per Computer ausgewertet und zu hause an langen Winterabenden zu einem Plan (Maßstab 1:250) gezeichnet, der mittlerweile 4 DIN A0-Bögen umfasst. Am letzten Messpunkt dieses Jahres finden wir in 500 m Tiefe das Skelett einer Fledermaus. Wir vermuten, dass diese wie auch ein weiteres auf -300 m gefundenes Exemplar die Höhle durch einen tieferen Eingang beflogen hat, auch wenn in dieser Tiefe 800 bis 1000 m Fels überwunden werden müssten.

Am Ende des Tages steigen Oli und Bino in 3 Stunden zum Biwak 1 (-430 m) auf, um dort zu übernachten. Von hier aus braucht man dann noch weitere 5-6 Stunden, um den Ausgang zu erreichen. Die verbleibenden Forscher verlassen die Höhle am nächsten Tag und wir konnten wieder einen neuen Biwakkönig krönen: Bernd hat 130 Stunden am Stück im Loferer Schacht verbracht. Endlich hat Österreich wieder einen Monarchen!

Die Erfolge der 10 Tour-Teilnehmer sprechen für sich: Dieses Jahr konnten wir die vermessenen Ganglänge des Loferer Schachts von 3038 m auf 4147 m vorantreiben, auch wenn wir unserer gestecktes Ziel von 750 m Tiefe noch nicht ganz erreicht haben. Zur Zeit ist der Loferer Schacht bis auf -707 m befahren. Wir werden aber weiter hart daran arbeiten!

Jochen "Bino" Hartig

 

Aktivitäten 2000

Auf 2200 Metern Höhe ist Zelten im Schnee reiner Luxus

FRANKFURT A. M. Der Raum ist kaum größer als eine Umkleidekabine im Kaufhaus. Drei mal drei Meter vielleicht - dafür aber sechs Meter hoch. Hier steht die Kletterwand des Deutschen Alpenvereins Frankfurt, hier üben die Mitglieder der Höhlengruppe das Abseilen. Die richtige Seiltechnik, so betont Gruppenleiter Ralf Camrath, sei "das A und O in den Schächten". Wer nicht genau weiß, wo er welchen Dübel in die Wand schlagen muss, habe später in der Höhle ein echtes Problem.

15 aktive Mitglieder hat die Höhlengruppe derzeit. An jedem ersten Montag im Monat treffen sie sich im Fritz-Peters-Haus in der Homburger Landstraße. Nicht nur um zu üben. Auch Touren werden an solchen Abenden geplant, Pläne studiert und ausgewertet. Gegründet wurde die Gruppe 1983 von ein paar Bergsteigern, die sich auf das Höhlenklettern spezialisieren wollten. Seitdem stehen regelmäßig Wochenendausflüge ins französische Jura auf dem Programm, wo es reichlich Höhlen gibt. Doch die sind bereits erforscht. Die wirkliche Faszination ist für die Frankfurter Höhlengruppe der Loferer Schacht im Salzburger Land. Jeden Sommer fahren die Mitglieder für eine Woche dorthin und sprechen oft von "ihrer Höhle". Denn die haben sie vor 15 Jahren selbst entdeckt und sind seitdem dabei, sie zu vermessen.

Der Weg zum Loferer Schacht ist beschwerlich, denn der Eingang liegt in 2200 Meter Höhe. "Wir kommen nur im Sommer dorthin", sagt Oliver Kube, stellvertretender Leiter der Gruppe. Doch auch in der so genannten warmen Jahreszeit gibt es in dieser Höhe noch Schneefelder, auf denen die Frankfurter ihre Zelte aufbauen. Wobei eine Nacht im Zelt in den Loferer Steinbergen schon Luxus ist. Geschlafen wird oft in der Höhle selbst, ein mitunter recht nasskaltes Vergnügen. Dafür haben die Mitglieder dann das besondere Höhlenerlebnis, das sich schwer in Worte fassen lasse, wie sie erklären. Es sei eben ein "ganz eigenes Gefühl" unter der Erde, sagt Ralf Camrath.

Abenteurer? Ja, vielleicht seien sie das, sagt Camrath. Denn mit einer kleinen Lampe am Helm bis zu 600 Meter in die Tiefe zu steigen, erfordere schon Mut. "Sieben bis zehn Stunden" brauche man, um aus dem Loferer Schacht wieder nach oben zu gelangen, so der Gruppenleiter: "Wer da mitmacht, muss trittsicher und schwindelfrei sein und darf keine Platzangst haben." Denn mitunter ist es in der Höhle noch erheblich enger als im Übungsraum im Fritz-Peters-Haus. Da die Touren außerdem recht kraftaufwendig sind, müssen alle Teilnehmer körperlich fit sein.

Wenn die Höhlengänger vor dem Abseilen in den Schacht ihr Material überprüfen, erinnert das ein wenig an Fallschirmspringer, die vor dem Sprung den Schirm peinlich genau kontrollieren. "Vertrauen in das Material" sei notwendig, sagt Gruppenmitglied Dirk Kislat. Wenn alle Seile und Karabinerhaken gut in Schuss sind, sei Höhlenforschen ein recht ungefährliches Hobby, erklärt Camrath. Wobei sich Gefahren auch nicht völlig ausschließen lassen. Besonders gefürchtet: Steinschlag und Wassereinbruch. Für Anfänger ist der Loferer Schacht also nichts. Zunächst einmal müssten Neue in der Höhlengruppe das Abseilen an der Kletterwand üben, sagt Camrath. Erst wenn sie das beherrschten, könnten sie bei einer leichteren Tour im französischen Jura mitmachen und das "Naturerlebnis Höhle" genießen.

Eine Selbstverständlichkeit ist für die Gruppenmitglieder bei ihren Touren der Umweltschutz. Einige Höhlen betreten sie erst gar nicht, weil dort Fledermäuse Winterschlaf halten und nicht geweckt werden dürfen. Außerdem nehmen sie auch den kleinsten Abfall aus den Höhlen wieder mit. Die Bezeichnung "Höhlenforscher" finden die meisten Gruppenmitglieder für sich passend. Als Wissenschaftler sehen sie sich aber nicht. Denn auch im Loferer Schacht, wo Kompass, Neigungsmesser und Maßband zum Einsatz kommen, hätten die Touren keinen wirklich wissenschaftlichen Charakter, sagt Camrath: "Das ist für uns vor allem ein Hobby."

Georg Leppert, Frankfurter Rundschau, 02.06.2000

 

Forschung 2000 - Erfolge in dunkler Tiefe

Wer uns Helden kennt weiß, daß ein Jahr ohne Lofer ein verlorenes Jahr ist. Dementsprechend hoch war seit Weihnachten auch die Zahl der potentiellen Expeditionsmitglieder. 10 Höhlenforscher beharrten bei der allmonatlichen Befragung trotz abschreckender Erfahrungsberichte stur auf ihrer Teilnahme. Entgegen dem langjährigen Trend und leider erst nachdem die Lebensmittel für 10 Personen durch die Vortour im Hochlager verstaut waren, kamen weitere 7 glaubwürdige Teilnehmermeldungen hinzu. Hektische Neukalkulationen der Essensvorräte, weitere Einkäufe, sowie Zu- und Absagen jagten sich anschließend bis zum Abfahrtstag. In der Nacht zuvor mußte wegen einer Fahrerabsage sogar noch die "Wer fährt mit wem - Planung" umgeworfen werden. Hilfe, wann bleibt da mal Ruhe zum Packen !

Doch endlich stehen die Telefone still, wir sind im Schneefeldbiwak in der kleinen Wehrgrube.Letztlich doch nur 11 Helden der Tiefe und ein belastbarer Träger haben der unsäglichen Hitze der Tages getrotzt, haben sich im Schatten Ihrer überdimensionalen Rucksäcke (wie praktisch) 1400 Höhenmeter hochgerungen. Wieder waren wir hochkarätig international besetzt. Hilary schaffte es Freitagabend aus New York, inklusive packen in Frankfurt, in rekordverdächtigen 20 Stunden bis ins Außenbiwak. Ron gab sich extra aus Kalifornien kommend einen Tag Vorsprung. Nur die Schweiz liegt so entfernt, daß Rafael erst am Sonntag in Erscheinung treten konnte.

Logistische Winkelzüge erforderte wieder die Frage wer schläft wann (mit wem natürlich, pfui !) im Innenbiwak, das heißt auf 435m Tiefe auf Terminal 1. Im sogenannten Treppenhaus auf 630 m Tiefe wollte niemand schlafen. Logisch, wer schläft schon gern im Treppenhaus. Nachdem also die 4 tatsächlichen Schlafplätze nach etwas Brainstorming (entschuldigt die Anglizismen) auf dann virtuell 6 Schlafplätze breit geredet waren, paßte der Höhlenfahrplan. Für die Laien : Wer fährt mit wem ein und aus. Nein, kein Aufzugsfahrplan, nein, auch wenn der Aufzug der neuen Helaba die läppischen 200 Höhenmeter in 38 Sekunden schafft, wir haben über 700 Höhenmeter, das dauert.

Doch damit bin ich schon bei den zunächst mageren Erfolgen. Zwei ebenfalls magere Teilnehmer konnten am ersten Forschungstag die Tiefe über alles um 1% auf 707 Höhenmeter voranbringen. Dann war Schluß mit lustig. Nur der Wind zieht weiter. Für humane Wesen und solche die das auch bleiben wollen, zu eng und zu kritisch. Großer Erfolg tags darauf. In gut 600 Metern Tiefe stoßen wir endlich in einen lange vermuteten Firstgang eines bekannten Mäanders vor. Doch welch Riesenüberraschung. Wir finden gleich 3-4 Etagen horizontaler Gänge. Die oberste Etage mit 5-8m Durchmesser. Die ersten Wandelgänge im Loferer Schacht überhaupt, und dann gleich solch beachtliche Querschnitte. Whow, wir sind überwältigt. 3 Tage werden nun viele neue Schächte und Abzweigungen registriert und eingemessen. Ein großer Schachtraum kann 40 Meter tief befahren werden. Leider endet der fortsetzende Gang dort nach einigen Windungen im Schutt. Der Rest wartet auf 2001, wir kommen wieder.

Die Abteilung "Wir müssen leider draußen bleiben", das heißt diejenigen, welche auf je 2 Thermarestmatten himmlisch gebettet, überdimensionierte Essensvorräte sinnlos vernichtend, die Zelte des Außenbiwaks hüten, bis Sie in den Loferer Schacht einrücken dürfen, sind derweil im Federschacht aktiv. 1999 entdeckt, war damals ein 60m Seil zu kurz für den Schacht. Steine poltern schier endlos hinunter. In einer lobenswerten Aktion bohrdübeln sich Bernd u. Co. ca. 120m hinunter. Gedübelt wird natürlich von Hand, da wir ja schon letztes Jahr die Atomstromversorgung unterbrochen hatten. Bernd dübelt also drauflos was der Hammer hält. Der hält jedoch länger als das Seil, denn das war 3m über Grund zu Ende. Mit "Schuhbandverlängerung" (natürlich nicht, aber so ähnlich) gelingt dann doch der Touch down (ääh, die Landung) auf dem Frostschuttboden. Leider, leider gibt's vor lauter feinem Schutt in der anschließenden Halle kein Weiterkommen. Es war so vielversprechend. Dabei ist's wie immer: Große Klappe, nix dahinter. Später konnte weiter oben noch ein Schacht und eine Halle ausfindig gemacht werden.

Die Abteilung "Ich geh lieber mal zur Hütte" berichtete täglich lobend von der neuen Hüttenwirtin auf der Schmidt-Zabierow Hütte. Gekrönt wurden die Anstrengungen dann Ende der Woche von einem Paket per Hubschrauber eingeflogenen Biers !!! Das ist Speleoservice par excellence, danke. Trotzdem, oder gerade deshalb, wurde etwas abseits des Weges der sogenannte Windtrichter am Rande einer mit Schnee verplombten Doline entdeckt. Dem Tropfwasser folgend konnte in einmalig eindrucksvollem, eisigen Ambiente, 50m wie im Müllschlucker vertikal durch eine Eisröhre abgeseilt werden. Ein furchterregender Eiszapfenvorhang gewährte über einem steilen Schneekegel Einlaß in eine phänomenal eisverzierte Halle. Eiswälle, große Eiszapfen, riesige Eiskristalle, 5m hohe filigrane Eiskerzen in bizarren Formen zeigen Ihre Pracht der Finsternis. Ein Privileg wer's erlebt. Doch wehe, wehe, wenn ich da zur Decke sehe ! Damokles lässt grüßen. Oh Graus, nix wie raus.

So ging die Forschungswoche unfallfrei und mit noch anderen kleinen Neuentdeckungen wie immer viel zu schnell zu Ende. Das Wetter war super. Meist sonnig und absolut trocken. Wann hat man das schon einmal, wenn man es braucht. Petrus sei Dank. Danke auch an die vielen irdischen Helferlein und die verständnislosen Ehefrauen, oder Freundinnen, die uns jährlich einmal ziehen lassen.

Oliver Kube

 

Aktivitäten 1999

Das Jahr und damit das Jahrtausend neigt sich dem Ende zu. Das wahrscheinlich folgenreichste Kapitel der Menschheitsgeschichte wird bald abgeschlossen. Die ganze Welt blickt gebannt in die Zukunft. Was wird kommen ... ?!

Nun, für die Höhlengruppe ist das alles kein Thema. Zum einen stehen wir mit beiden Beinen fest auf der Erde - sofern wir uns nicht gerade auf Tour und somit im hüfttiefen Schlamm befinden. Zum anderen verfügen wir nach vielen Jahren Höhlenforschung über einige Fähigkeiten, die sich in Zukunft als recht praktisch erweisen könnten, und um die wir dem zufolge von einigen ängstlichen Zeitgenossen sehr beneidet werden: wir können uns z.B. ohne weiteres in kürzester Zeit mit bloßen Händen in den Boden wühlen. Orientierung bei völliger Dunkelheit ist für uns kein Problem: einfach die Taschenlampe anschalten und den nächsten Lichtschalter suchen. Darüber hinaus sind wir extreme Entbehrungen gewöhnt: wie oft schon mußten wir am Ende einer kräftezehrenden Höhlentour auf die lebensspendenden Schokoriegel verzichten und statt dessen billige Aldi-Schokolade essen.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Besondere Erwähnung verdient allerdings der selbstlose Einsatz einiger Höhlengruppler und Höhlengroupies, die unseren Fortbestand durch die Zeugung einiger Nachkommen in dreierlei Hinsicht gesichert haben. Erstens werden diese zarten Wesen irgendwann soweit heran reifen, daß sie z.B. einen 35 kg schweren Rucksack zum Loferer Schacht schleppen können. Zweitens sind wir dank des stundenlangen Geschreis dieser süßen Geschöpfe hervorragend auf extreme Streßsituationen vorbereitet. Desweiteren haben wir eine HÖGRUPENKA (Höhlengruppenpensionskasse) ins Leben gerufen, in die die lieben Kleinen später einmal 50% ihres Nettoverdienstes einzahlen werden, damit wir unseren wohlverdienten Ruhestand genießen können.

Wir haben aber nicht nur Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Auch die Vergangenheit, um die es hier ja eigentlich gehen soll, erfüllt uns mit jener ekelhaften Selbstgefälligkeit, die weniger erfolgreiche Mitmenschen bisweilen dazu veranlaßt, ihre Faust ruckartig in das Gesicht desjenigen zu führen, der eben diese ekelhafte Selbstgefälligkeit ausstrahlt. An dieser Stelle sei erwähnt, daß unsere permanent blutigen Nasen nicht auf ungünstig plazierte Höhlenwände, sondern auf günstig plazierte Fäuste ungünstig plazierter Neider zurückzuführen sind. Aber der Ruhm läßt uns den Schmerz leicht ertragen.

Der/die ein oder andere Leser/in wird sich inzwischen möglicherweise fragen: "Was haben diese Schwachköpfe denn nun das ganze Jahr über gemacht ???" ... außer blöde Sprüche zu klopfen. Ach ja, solche Kleingeister/innen hat es leider schon immer gegeben. Anstatt die sich ihnen offenbarende Genialität gebührend zu würdigen, treten sie sie mit Füßen - jawohl, so ist das nämlich !!! Aber damit die liebe Seele ihre Ruhe hat: wir haben in diesem Jahr wieder ganz schön viel gemacht. Wer aufmerksam die einschlägige Presse studiert hat, dem werden sicherlich folgende Schlagzeilen nicht entgangen sein, wobei hier nur exemplarisch einige Zeugnisse unseres weithin wahrgenommenen Wirkens angeführt werden:

"Frankfurter Höhlenforscher finden sogenannte Engstellen in französischen Höhlen zu eng !!"; "Bäckerstochter bedient im hauchdünnen Negligé: Rekordumsatz !!"; "Osterhase in Wasserhöhle ertrunken !!"; "Bekannter Rechtsanwalt zündet Karbidrakete: Arm verbrannt !!"; "Tropfsteine in Kubacher Kristallhöhle: Betrug !!"; "Höhlentraining in Belgien: Frankfurter brillieren mit ausgefeilter Seiltechnik !!"; "Erster internationaler Pennertreff in den Loferer Steinbergen eröffnet !!"; "Außerirdische auf Truppenübungsplatz gesichtet !!"; "Erste Unterschreitung des Großglocknermassivs gelungen !!"; "Nikolausfeier in eiskalten Räumen: Skandal !!".

Abschließend sei uns wenigsten eine ernsthafte Bemerkung erlaubt. Neben vielen schönen Stunden auf zahlreichen Touren hat uns das vergangene Jahr auch wieder das eine oder andere neue Mitglied gebracht. Dank der Neuzugänge, auch der vergangenen Jahre, ist die Höhlengruppe immer noch "alive and kicking" und wird dies wohl auch noch lange bleiben, denn Höhlenforschen geht nur in der Gruppe! Das ist zwar manchmal etwas mühsam, verbindet aber dafür viel stärker, als viele andere Bergsportarten.

Ralf Camrath

 

Forschung 1999

10 Jahre Loferer Schacht und kein Ende oder ...
... die Geister, die wir riefen, wir werden sie nicht los !!

Motivation

Die im letzten Jahr genährte Hoffnung auf ein Ende im Loferer Schacht wurde leider durch einen unüberlegten Forschungsvorstoß unserer in ihrem Eifer nicht zu bremsenden Helden zunichte gemacht. Während die Weicheier das Loch im Boden der zuletzt gefundenen Versturzhalle geflissentlich ignorierten, seilten die harten Männer kurzerhand ab und vermeldeten die Fortsetzung der Höhle. Durch diese selbstzerstörerische Aktion wurde sowohl die Grenze von 700 Tiefenmetern als auch die Kraft der weniger herkulischen Teilnehmer durchbrochen.

Vorstoß

Das mutmaßliche Ende in der Versturzhalle in 640 Metern Tiefe sollte der diesjährige Angriffspunkt sein. Als sehr nützlich erwiesen sich die mitgebrachten Trompetenkäfer, durch deren wohlriechende Duftmarken unsere Helden den höhleneinwärts wehenden Wind bis in die kleinsten Spalten verfolgen konnten. Trotz energischer Rückhalteversuche seitens der anwesenden Memmen, gelang es den Heroen, einen Weg in die sinnlose Tiefe zu finden. Als Träger des lehmbraunen Karategürtels war es ihnen ein leichtes, die Felsblöcke, die sich ihnen in den Weg stellten, mit Handkantenschlägen und Kopfstößen zu zertrümmern. Ohne darüber nachzudenken, daß weitere qualvolle Forschungsjahre drohten, weckten sie mehrere Schächte aus ihrem vermeintlich endlosen Schlaf. Das vorläufige Ende der Offensive wurde in 700 Metern und 18 Zentimeter Tiefe erreicht, womit der Loferer Schacht auf Platz zwei der tiefsten Höhlen in den Loferer Steinbergen vorrückt.

Biwak

Die Einrichtung des Biwaks wurde diesmal besonders sorgfältig geplant. Hierbei ließen wir uns von einigen philosophischen Überlegungen leiten. Normalerweise ist das Produkt aus Leistungsfähigkeit und Lebensstandard eine Konstante (ähnlich dem Produkt aus Intelligenz und Schönheit). Bei zunehmender Degeneration ist dies allerdings nicht mehr gegeben. Beide Faktoren nehmen ab, die vermeintliche Konstante geht in den Keller und die ehemaligen Zivilisationsmenschen sitzen wieder nackt auf dem Boden und reiben Stöcke gegeneinander. Angesichts dieses drohenden Schicksals und in Erwägung unseres fortgeschrittenen Alters hielten wir es für vernünftig, den Lebensstandard in unserem Biwaks zu erhöhen, um weiterhin eine stabile Konstante zu erreichen. Unser Lagerplatz wurde somit um Zelte, Benzinkocher und Tütenklo (vergleiche Überschrift) bereichert. Zusätzlich wurde das Biwak in eine Tiefe von 430 Metern verlegt, wobei nicht klar zu ermitteln war, ob dies höhere oder geringere Ansprüche an die Leistungsfähigkeit mit sich brachte.

Randeffekte

Durch eine rückwirkende schonungslose Analyse unserer Forschungswoche, konnten einige Randeffekte erklärt werden, die auch schon bei früheren Touren zu beobachten waren. So traten wiederholt Kommunikationsprobleme zwischen den Teilnehmern auf. Die Ursache hierfür wurde in der multinationalen Zusammensetzung unseres Forscherteams gefunden. Insbesondere die Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen gestaltete sich als schwierig. Unserer amerikanischen Freunde hatten es wie immer einfacher. Dies vor allem deshalb, weil sie - im Gegensatz zu unserem exotischen Sympathieträger aus dem Frankenland - der deutschen Sprache mächtig waren. Auch dem Wirt der nahegelegenen Hütte, waren außer einem genuschelten "Nudlsuppn mit Würschtln" keine klar artikulierten Worte zu entlocken.

Desweiteren fanden wir heraus, daß das Wetter mal wieder mit gezinkten Karten spielte und eine beträchtliche Anzahl an Regenjokern im Ärmel versteckt hatte. Ein Umstand, dem in den wasserdurchfluteten Schächten nur mit einem (fast) wasserdichten PVC-Schlaz zu begegnen war. Durch Transpiration wurde hierbei ein ideales Feuchtigkeitsgleichgewicht zwischen innen und außen geschaffen. Unsere transpirationsstärksten Teilnehmer hingegen bevorzugten atmungsaktive, wasserdurchlässige Schlaze aus Nylon und machten die Erfahrung, daß der osmotische Druck eines Wasserfalles auch durch heftigstes Schwitzen nicht auszugleichen ist.

Nicht geklärt werden konnte, warum sich einer unserer Kollegen von seiner Kette losriß und - das zuvor verhängte Höhlensuchverbot blindwütig mißachtend - einen weiteren Schacht in der Nähe des Außenbiwaks entdeckte. Wir vermuten, daß manche Höfos ein ausgeprägtes Gespür für Orte haben, deren Erforschung bzw. Besuch mit unmenschlichen Qualen verbunden ist. Der besagte Kollege ist jedenfalls auch dazu in der Lage, mit verbundenen Augen beispielsweise seinen Zahnarzt, das Finanzamt oder die Wohnung seiner Schwiegermutter zu finden.

Schlußbemerkung

Eine weitere Frage, die uns schon seit Jahren beschäftigt, konnten wir leider auch diesmal nicht zufriedenstellend beantworten. Warum machen wir das eigentlich ?! Objektiv betrachtet was es kalt, naß, dreckig, eng, ungemütlich und vieles mehr, was man auch gegen angemessene Bezahlung nicht ertragen würde. Subjektiv war es eine klasse Tour - vor allem im nachhinein !!

Text: Ralf Camrath, Fotos: Oliver Kube



Aktivitäten 1998

Beginnen wir mit dem freudigsten Ereignis: Nach neun Jahren ohne geistige Orientierung, wurde uns in der vergangenen Neujahrsnacht endlich wieder ein König geboren (unser früherer Biwakkönig war dieser Aufgabe wegen fortgeschrittener Senilität leider schon lange nicht mehr gewachsen). Die Feierlichkeiten fanden im Französischen Jura statt. Schauplätze der Ereignisse waren das königliche Jagdschloß zu Sombacour, die benachbarte Kirche (erbaut 1493) und der örtliche Kreuzweg (14 Stationen, Schwierigkeit I+), auf welchem der angehende König wegen der widrigen Wegverhältnisse (Wandern im schweren Schlamm) dreimal stürzte. Der Höhepunkt der Zeremonie, die Verwandlung eines häßlichen Materialwarts zum wunderschönen Monarchen, wurde selbstverständlich für die Nachwelt fotografisch festgehalten: Seine Herrlichkeit vor dem königlichen Kamin mit königlichem Greif (leider vor drei Monaten verschieden).

In Voraussicht dieses freudigen Ereignisses hatten sich die Untertanen bereits das ganze Jahr bemüht, den Ruhm ihres kommenden Königs zu mehren. Einige besonders eifrige Knechte suchten zahllose Höhleneingänge auf. In rastlosem Todesdrang spornte einer dieser Heroen seine Begleiter zu immer größeren Anstrengungen und Tiefen an. Somit konnten viele neue, gleichermaßen späleologische und heldenhafte, Errungenschaften auf die Schärpen geschrieben werden.

Andere Untertanen schwärmten aus, um auf den Spuren E. A. Martels (Vater der Höhlenforschung, 1859-1938) zu wandeln. Sie mischten sich unauffällig unter 5000 Sangria-Süchtige und bezwangen im Gänsemarsch die mallorquinische Cueva del Drach. Die einzigartige Tropfsteinwelt konnte jedoch nicht über das musikalisch-traumatische Finale hinweg helfen. Gerüchten zufolge, wird die Grabstätte des Entdeckers Martel mittlerweile von einem Energieunternehmen zur Stromerzeugung genutzt.

Erfreulich wie immer verlief dagegen das erlebnispädagogisches Wochenende für schwer erziehbare Studenten aus Koblenz. Als besonders wirksame Maßnahme erwies sich das stundenlange Foto-Shooting im eiskalten, brusttiefen Wasser, wobei erst unter der betäubenden Wirkung vieler Liter roten Traubensaftes eröffnet werden konnte, daß in der Kamera kein Film eingelegt war. Dafür besuchten wir am nächsten Tag eine der schönsten Höhlen des Französichen Juras, in die uns ein ortsansässiger Höhlenführer gegen die noble Spende von sechs Blonden (Biere natürlich, was denn sonst) begleitete. Ein wenig mühsam erwies sich jedoch die Überwindung des ausgelegten Stacheldrahtes und der Selbstschußanlagen.

Noch ein Geheimnis müssen wir an dieser Stelle lüften. Um die Zahl der Analphabeten und der schlechten Zeichner in der Höhlengruppe von 90 auf 85 Prozent zu drücken, nahmen viele Untertanen weisungsgemäß an einem Wochenende in einem Steinbruch teil, in dem die Vermessungstechnik und die Dokumentation der Ergebnisse verbessert wurden. Mit den Fähigkeiten bewaffnet, das Wort "Höhle" zu schreiben und zusammenhängende scharze Linien zu zeichnen, wurde die Lofer-Expedition 1998 ein voller Erfolg. Nur noch konditionelle und stilistische Schwächen waren zu beklagen.

Damit auch wieder in diesem Jahr viele Höhlen erforscht werden, wurde ein königlicher Folterknecht berufen, der die heroischen Leistungen streng anhand der nach unten offenen Schleifsackgewichts-Skala bewerten wird.

Autoren: Ralf Camrath, Jochen Bino Hartig, Dirk Kislat.

 

Forschung 1998

Nach dem gnadenlos heißen Aufstieg über 1400 Höhenmeter, mit übermächtig drückenden Rucksäcken, pfeifft nun der Wasserkessel und das Biwakleben beginnt. Es rüstet sich die erste Vierergruppe zum Einstieg in unsere langjährige Forschungshöhle. Runter geht es über die fast schon langweilige Engstelle bei -70 m, diverse fiese Mäander, geile Schächte, morsche Seile und grün korrodierte Karabiner. Wir verlegen den Biwakplatz auf -430 m Tiefe. Nach Überwindung einiger delikater Wasserkaskaden können wir in einen neuen Schacht vordringen, über welchem ein riesiger Felszacken gut 5 Meter horizontal aus der Wand ragt, der Drachenzahn. Im Schacht, vom Wasserfall begleitet, bringt uns ein weiterer Mäander wieder in trockenere Gefilde. Da stoppt eine ziemlich unmöglich aussehende Engstelle unseren Eifer. Es zieht jede Menge Wind durch, aber ob wir da durchpassen??? Nach ungewohnter Nachtruhe verabschieden sich zwei Teilnehmer nach oben. Zu zweit versuchen wir die Engstelle zu passieren. Hilary zuerst, aber er paßt leider nicht durch, oje. Jetzt probiere ich es. Mir gelingt der Durchschlupf und ich lande in einer schrägen Halle. Ca. 20 m tiefer kann ich noch vordringen, hier geht es weiter. Leider bin ich alleine und muß zurück. Mit Hilarys Hilfe quetsche ich mich wieder raus. Was nun? Von unten habe ich zwei große Löcher in der Decke bemerkt, durch welche auch Wind spürbar ist, die müssen wir von oben erreichen, dann wäre der Zugang für alle machbar. Im verstürzten Teil des Mäanders suchen wir nach der Umgehung. Auch hier ist der Wind. Hier seitlich gibt es eine schmale Öffnung nach unten, ja da könnten wir durchpassen. Ich gelange 2 m tiefer in eine Querspalte. Wind OK. Zuerst nach links, leider nach 4m zu Ende, kein Wind mehr, naja, dann die andere Seite. Doch auch hier endet es ohne Wind. Nanu? In Sackgassen gibt es doch keinen Wind, wo ist er geblieben? Zurück zur Mitte, ja da ist der Wind ganz deutlich, seltsam. Da entdecke ich in Kniehöhe ein Loch, bücke mich, stecke den Kopf hinein wobei es mir fast das Licht auspustet, und blicke auf einen eine saubere V-Spalte bildenden gespaltenen Versturzblock. Psychologisch unangenehme Stelle, aber machbar. Ich mogle mich durch und kann kurz darauf von oben in die schon entdeckte schräge Halle blicken. Jippie, geschafft. Nun geht es rasch weiter hinab. Wir stoßen auf einen hohen, ca.1-2m breiten Mäander. Glücklich und zufrieden kehren wir ca. 620 Höhenmeter unter dem Eingang um. Gut drei Stunden später erreichen wir die zweite Gruppe im Biwak. Während die Speckknödel mit Jägersoße auf sich warten lassen, führen wir das erprobte Frankfurter Schlot-Erkundungs-System (SES) vor. Ja, Schächte von oben nach unten zu vermessen ist verhältnismässig einfach, was aber tun, wenn man unten steht und gerne die Höhe wüßte ? Hier hilft SES ! Ein an den Fadenmesser gekoppelter Heißluftballon steigt mühelos 30m auf. Zusätzlich positiv ist die Beleuchtung des Schlots durch den Ballon. Hilary und ich verlassen nach 79 Stunden unter Tage die Höhle. 30 Minuten später tobt ein Gewitter los. Wir bangen um die Freunde unten, wie mag sich das viele Wasser im Schacht auswirken? Wie mir Bernd später berichtet, hörten sie ein dumpfes Brausen, das den Wasserschwall ankündigte. Innerhalb 2 Minuten brummt und tost es gewaltig im Schacht. Die drei sind mächtig nervös. Die Rinnsale füllen sich, an den Wänden rinnt das Wasser, es tropft wie Regen aus den Schloten, Nebelschwaden bilden sich, dazu der Krach. Die drei gelangen sicher und nur angefeuchtet, wenn auch verschreckt, ins Biwak zurück. Später befahren die Freunde die enge und anstrengende Fortsetzung des großen Mäanders. Sie stoßen über Stufen immer tiefer vor. Erstaunlicherweise finden sie in dieser Tiefe noch Fledermausknochen. Schließlich geht der Vermessungsfaden zu Ende, bevor eine geräumig dimensionierte Versturzhalle mit großen Blöcken erreicht wird. Für dieses Jahr ist hier bei ca. 650m Tiefe Schluß und der Endpunkt der Forschung wird markiert. Oben bleibt es trübe. Wir sitzen auf unseren feuchten Sachen, pflegen uns, schlafen und hoffen auf besseres Wetter. Auch die zweite Gruppe verläßt die Unterwelt. Draußen gibt es Resteessen und -trinken, wobei der überschüssige Wodka einen Teilnehmer sehr erheitert, was wiederum alle anderen belustigt.

Im neuen System des Loferer Schachts wurde in diesem Jahr eine Tiefe von -627,87 Meter erreicht. Die Gesamtlänge der Höhle steigt auf 2391,49 Meter.

Text: Oliver Kube, Fotos: Bernd Kahlert, Oliver Kube, Grafik: Jochen Hartig.

 

Aktivitäten 1997

Da wir uns aufgrund des fortgeschrittenen Abends nicht mehr an alle Einzelheiten des vergangenen Jahres erinnern können, fangen wir mit dem absoluten Highlight, „La Ola" für Chefkoch Dirk K. aus F., für die Zubereitung von Forellen aux Herbes de Provence, an. Diese wurden unter den neidischen Blicken der Geier verspeist, die über der Gorge de la Jonte kreisten, durch deren Oberlauf wir tags darauf eine feuchtfröhliche Canyoningtour unternahmen, bei der sich Bino H. aus D. beim Acht-Meter-Sprung das Ohr verstauchte.

Ein weiterer Höhepunkt war die erste der beiden Touren mit Studenten aus Koblenz, bei der der Besuch von zwei Höhlen mit ausgiebigen Schlammschlachten und allabendlichen Ausschweifungen, die mit dem Werfen von Weinkorken begannen und über Bananenschalen-Zielwurf im Wet-T-Shirt-Contest kulminierten, auf dem Programm standen. Bei dieser Tour entschied Ralf C. aus H., an der nächsten, wegen sich abzeichnender mentaler Überlastung, nicht mehr teilzunehmen, was sich als weise Entscheidung herausstellte, da hier nervenlose Höhlenführer gebraucht wurden, die auch mal einen Anfänger per Flaschenzug aus dem Schacht ziehen können, um sich danach als Helden feiern zu lassen.

Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf unser Engagement für zehn kleine fliegende Brillenträger mit eingebauter Radaranlage, deren Gehege im Frankfurter Zoo wir durch unseren finanziellen Beitrag vor der Auskühlung bewahrten und deren Nachwuchs damit bis zum Schlüpfen gebracht werden könnte, wobei auch danach eine aufwendige Nestpflege notwendig ist, weshalb wir festen Willens sind, auch zukünftig unseren Teil zum Erhalt der Brillenblattnasen-Fledermäuse beizusteuern.

Neben diesen Großtaten fanden natürlich noch vielbesuchte Fahrten ins französische Jura statt, bei denen, dank des neu erschienenen französischen Höhlenkatasters systematisch von uns noch nicht begangene Höhlen besucht wurden. Die obligatorische Unterstützung der Aachener Höhlengruppe SAGA, ein Ausbildungswochenende für Höhlenvermessung und unsere erfolgreiche Tour in den Loferer Schacht möchten nur am Rand erwähnt werden, wobei wir Stolz auf die Veröffentlichung unserer Höhlenpläne im sechsten Band des Salzburger Höhlenbuchs blicken.

Text: Jochen Bino Hartig, Ralf Camrath, Uwe Fritsch

 

 

Forschung 1997 - der Weg ist das Z...

...iemlich Schlimmste, was es gibt! Zur Einstimmung auf die diesjährige Forschungstour machten wir es uns erst einmal beim Gruppenabend gemütlich und lösten Kreuzworträtsel. „Alljährliches Grauen" mit fünf Buchstaben: LOFER! „Neuzeitliches Folterinstrument" mit acht Buchstaben: RUCKSACK. Abkürzung für „Fucking Hero": FH. Das nächste Rätsel lautete: warum machen wir das überhaupt? Schweigen im Raume. Ist ja auch eine blöde Frage. Es gibt ja auch noch andere Triebe, die sich nur schwerlich unterdrücken lassen. Na also!

Nachdem wir unsere hochgezüchteten Denkapparate auf diese Weise in Schwung gebracht hatten, beschäftigtem wir uns mit dem letzten Rätsel: wie bringe ich acht Höhlenforscher in einem Biwak (in der Höhle) unter, in dem nur für drei Personen Platz ist? Die Lösung erwies sich als denkbar einfach: determiniatische Permutation (8 Fakultät) der Teilnehmer! Ist doch logisch oder?! Im Klartext: Wo für drei Personen Platz ist, passen allemal vier Höhlenforscher hin. Während also vier FH’s (siehe oben) die Ehre haben, sich im Höhlenbiwak den Allerwertesten abzufrieren, sitzen die anderen vier (4 + 4 = 8, gelle) derweil vor der Höhle und halten sich unter regelmäßiger Einnahme eines russischen Nationalgetränks (fünf Buchstaben) bei Kräften, um die Kollegen zu gegebener Zeit abzulösen.

Diese denkerischen Höchstleistungen waren nach den Ergebnissen der Forschungstour des letzten Jahres notwendig geworden. Letztes Jahr hatten wir im Loferer Schacht eine Tiefe von ca. 350 Metern erreicht. Die Höhlenbefahrung vom Eingang aus dauert bei dieser Tiefe mindestens 12 Stunden. Dies ist zum einen auf die Dauer etwas anstrengend, zum anderen ist die Zeit für die Forschungsarbeit auf diese Weise äußerst knapp bemessen. Aus diesem Grunde wollten wir dieses Jahr unsere abgrundtiefe Abneigung gegen ein Biwak in der Höhle (kalt, feucht, dreckig, eng) überwinden. Und wie bereits gesagt sollte dies im Schichtdienst geschehen, da a) sowieso nicht genügend Platz im Höhlenbiwak für alle Teilnehmer ist, b) nicht mehr als vier Leute gleichzeitig sinnvoll in der Höhle arbeiten können und c) es keinem zuzumuten ist, mehr als maximal drei Nächte in der Höhle zu verbringen.

Mit einem perfekten Zeitplan im über 30 kg schweren Rucksack tänzelten wir also die rund 1300 Höhenmeter zum Höhleneingang durch wegloses Gelände und mußten am Ziel feststellen, daß das Ziel weg war! Irgend jemand hatte nämlich unverschämterweise 5 Meter Schnee liegengelassen - darunter unser Höhleneingang und der Biwakplatz. Glücklicherweise hatten wir aber echte Fränkische Höhlenprofis (Abkürzung ebenfalls FH) dabei, die am Rande des Firnfeldes einen Durchschlupf zur Höhle entdeckten. Im weiteren Verlauf der Woche entwickelten unsere FH’s allerdings leider gewisse Star-Allüren („Kann mal jemand die Höhle saubermachen? Mein Schlaz wird ja ganz schmutzig!").

Nachdem also der Anfang erfolgreich gelungen war, konnte die Woche nun ihren ebenfalls erfolgreichen Verlauf nehmen. Wie unsere Fans (Hi Fans !!) aber wissen, verzichten wir aufgrund unserer Bescheidenheit darauf, unsere abenteuerlichen Erlebnisse in epischer Breite zu schildern. Die Behauptung, der wahre Grund hierfür liege darin, daß wir uns wegen des russischen Nationalgetränks gar nicht mehr an alles erinnern können, muß allerdings als boshafte Lüge zurückgewiesen werden. Als Gegenbeweis seien folgende Eckdaten genannt: eine Woche Biwak im Schichtbetrieb in der Höhle, 170 Tiefenmeter erforscht, 220 Tiefenmeter vermessen, vorläufiger Endpunkt der Forschung in 518 Metern Tiefe. Darüber hinaus wurden vier Liter russischen Nationalgetränks und unzählige Kilogramm Wong-Tongs ihrer natürlichen Bestimmung zugeführt. Und wer nicht weiß was Wong-Tongs sind, muß halt mal bei uns mitfahren. Dabei wird der- oder diejenige auch feststellen, daß wir zwar genauso albern sind wie unsere Artikel, aber trotzdem Touren unternehmen, die uns einen festen Platz im gerade neuerschienenen Salzburger Höhlenbuch gesichert haben. Und darauf sind wir schon ein bißchen stolz: daß wir in den Loferer Steinbergen ganz vorne - bzw. ganz unten - mitmischen!

Text: Ralf Camrath, Fotos: Oliver Kube, Zeichnung: Walther Appelt.

 

Aktivitäten 1996

Ein weiteres Jahr internationaler Höhlenforschung ist vorüber. Unsere Gruppe hat Dank ihrer ewigen Jugend und ungebrochenen Vitalität eine Erwähnung im Guinness Buch der Rekorde verdient. Während 16 Touren wurden unzählige Höhlenkilometer horizontal als auch vertikal zurückgelegt, Tonnen von Seilen und Schleifsäcken geschleppt sowie kubikmeterweise französischer Käse und Baguette verschlungen. Aufopferungsvoll haben wir außerdem unermeßliche Mengen hochgiftiger Flüssigkeiten zu unser aller Wohl umweltfreundlich entsorgt.

Das speläologische Jahr wurde mit einer gemeinsamen Tour mit der Jungmannschaft des DAV in diverse Schachthöhlen eingeläutet. Nach einigen weiteren Fahrten ins französische Jura ließen wir uns auf die tiefsten Niveaus einiger Bergwerke in der Eifel und im Hintertaunus herab und fragten uns: Wie tief sind wir gesunken? Bald darauf durften wir jedoch an einem der Forschungshöhepunkte in Hessen teilhaben: Bei einer langwierigen und gefährlichen Neulandgrabung konnte ein großes Höhlensystem um immerhin 75cm verlängert werden.

Im Sommer setzte sich unsere Erfolgsserie in den Loferer Steinbergen fort (siehe unten). Aufgrund unserer Bescheidenheit wollen wir nur am Rande erwähnen, daß wir bei unserem Ausflug in den Loferer Schacht knapp 500m Neuland entdeckten. Wir besuchten weitere Höhlen in Österreich wie den Kolkbläser und den Lamprechtsofen. Von den österreichischen Kleinhöhlen gelangweilt, schwärmten wir aus, weitere weiße Flecken auf dem Globus mit Farbe zu erfüllen. Der Ruf „Glück Tief" hallte durch Neuseeland, Amerika, Ungarn und schreckte die Grottenolme auf den Kanaren und in den Cevennen auf.

Gegen Ende des Jahres durften wird nochmals unsere pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis stellen, als es hieß, mit freakigen Informatikern und netten Pädagoginnen gemeinsam in Höhlen zu gehen. Keine leichte Aufgabe, die uns vom Koblenzer Unisport schon zum zweiten mal aufgebürdet wurde. Mit Schlammpackungen und Tauchübungen konnten wir allerdings auch die vorlautesten Teilnehmer ruhig stellen. Als Belohnung für alle Taten gab es jeden Abend dann ein leckeres Essen und entspannende Massagen.


 

Forschung 1996

Die Gruppe: Die Frankfurter Höhlengruppe besteht aus etwa 15 Personen und ist dem Deutschen Alpenverein, Sektion Frankfurt am Main, angeschlossen. Das Altersspektrum reicht von Anfang 20 bis Ende 30. Einige "Altgediente" sind bereits seit ihrer Schulzeit dabei. Inzwischen sind die meisten von uns berufstätig, finden aber immer noch die Zeit, sich der Höhlenforschung zu widmen und Kontakte zu pflegen. Bei unseren jährlich stattfindenden, ein- bis zweiwöchigen Forschungstouren werden wir durch befreundete Gruppen aus Erlangen und Aachen unterstützt.

Das Gebiet: Unser Forschungsschwerpunkt liegt in den Loferer Steinbergen in Österreich, 30 Kilometer südlich von Bad Reichenhall. Der höchste Gipfel dieses Gebirgsstocks ist das Große Ochsenhorn (2513 m). Der Eingang des Loferer Schachtes befindet sich in der Flanke des Reifhorns (2487 m) auf einer Höhe von rund 2200 Metern. Mittlerweile sind die Loferer Steinberge fast schon unsere zweite Heimat. Für die Einheimischen sind "die Frankfurter" immer wieder gern gesehene Gäste, so daß sich zu einigen freundschaftliche Beziehungen entwickelt haben.

Die Geologie: Die Loferer Steinberge sind im oberen Bereich aus löslichem Dachsteinkalk aufgebaut. Unterlagert wird der Kalk durch Schichten des Hauptdolomits. Dieser ist in nur geringem Maße löslich und weist daher kaum Höhlenbildungen auf. Die Grenzschicht zwischen Kalk und Dolomit wird am tiefsten Punkt des bekannten Teils des Loferer Schachtes (ca. 1550 m ü NN) erreicht. Trotzdem besteht die Chance, größere Tiefen zu erreichen, da die Schichten schräg einfallen. Eine weitere Möglichkeit der Höhlenfortsetzung bildet das bei ca. 1600 Meter über NN liegende eiszeitliche Höhlenniveau, welches in den nördlichen Kalkalpen weit verbreitet ist.

Die Geschichte: Unsere Gruppe forscht seit 14 Jahren in den Loferer Steinbergen. 1983 entdeckten wir die "Heinzquetsche", deren Erforschung wir 1989 in einer Tiefe von 330 Metern abschlossen. Der Loferer Schacht wurde 1984 von polnischen Höhlenforschern entdeckt und bis 1985 erforscht. 1990 begannen wir dessen weitere Erkundung und entdeckten 1992 das vielversprechende neue Schachtsystem, dem jetzt unsere Aufmerksamkeit gilt.

Der Loferer Schacht: Mit einer Tiefe von 654 Metern ist der Loferer Schacht, nach der Herbsthöhle, die zweittiefste Höhle in den Loferer Steinbergen. Den Hauptteil bildet eine Kaskade von Schächten, darunter ein 190-Meter-Schacht. Trotz der enormen Tiefe beträgt die horizontale Ausdehnung der Höhle nur 200 Meter. Für den Abstieg bis zum Endpunkt benötigt man, ohne Einrichtungsarbeiten und schweres Material, ca. vier, für den Aufstieg sieben Stunden.

Das neue System: Die Erkundung des bereits bekannten Teils des Loferer Schachtes brachte zunächst keine Neuentdeckungen. Beim Rückzug aus den tieferen Teilen der Höhle fanden wir jedoch in 100 Metern Tiefe eine unscheinbar beginnende Fortsetzung, die sich bald in gleichen Dimensionen wie der Hauptteil nach unten entwickelt. Bis 1996 erreichten wir in diesem neuen Schachtsystem eine Tiefe von rund 400 Metern. Der Forschungsvorstoß endete inmitten eines riesigen Schachtes, der wegen Seilmangels nicht bis zum Boden befahren werden konnte. Die Technik Der Loferer Schacht besteht aus einer Abfolge einzelner Schächte und weist kaum Horizontalstrecken auf. Da die Schachtwände meist senkrecht und häufig sogar überhängend sind, erfolgen der Abstieg und der Aufstieg nahezu ausschließlich an Seilen. Diese haben eine Stärke von 10 bis 11 Millimeter und werden mittels handgeschlagener Bohrdübel an der Wand befestigt. Um ein Scheuern des Seiles am Fels zu vermeiden, sind am Anfang eines jeden Schachtes und auch innerhalb der Schächte mehrere Befestigungspunkte nötig.

Die Vermessung: Wesentlicher Bestandteil der Erforschung ist die exakte Vermessung und Beschreibung der Höhle sowie die Erstellung eines Höhlenplans (siehe unten). Entsprechende Unterlagen übergeben wir nach jeder Tour unter anderem an die Salzburger Landesregierung. Ferner dienen sie der Vervollständigung des Salzburger Höhlenkatasters und sind damit auch für andere Höhlenforscher einsehbar.

Die Forschung: In der Höhle wird in kleinen Gruppen von zwei bis vier Personen gearbeitet. Eine Gruppe übernimmt die Einrichtung (Dübel schlagen, Seile anbringen, etc.) der neuentdeckten Höhlenteile. Eine zweite Gruppe führt die Vermessung durch. Bei entsprechenden Gegebenheiten kann eine dritte Gruppe potentielle Höhlenfortsetzungen suchen und vorerkunden. Bei der derzeitigen Tiefe von 400 Meter dauern die Forschungsvorstöße vom Außenbiwak 10 bis 15 Stunden.

Die Vorbereitungen: Da die Erforschung von Höhlen im Salzburger Land in Abstimmung mit der Landesregierung geschieht, ist zunächst eine Genehmigung für die geplante Forschungstour einzuholen. Für die Höhlenbefahrung und das Biwak in 2200 Metern Höhe sind erhebliche Mengen an Material und Lebensmitteln zu beschaffen, wobei der Bedarf möglichst genau geschätzt werden muß, da alles im Rucksack über 1400 Höhenmeter bzw. ca. 5 Stunden zur Höhle getragen wird. Rucksäcke unter 30 Kilogramm sind dabei die Ausnahme. Häufig werden Vortouren durchgeführt, um einen Teil des Materials bei der auf dem Weg liegenden Alpenvereinshütte zu deponieren. Von der Hütte sind es noch etwa 90 Minuten, größtenteils durch wegloses Gelände, bis zum Loferer Schacht.

Das Biwak: Da es in der Umgebung der Höhle keine ebene Fläche in ausreichender Größe gibt, ist das Biwakieren mit gewissen Unannehmlichkeiten verbunden. Die erste besteht darin, bei meist strömendem Regen das vor der Höhle gelegene Altschneefeld einzuebnen. Gelegentlicher Sonnenschein erfreut zwar die Sinne, bewirkt aber ein Abschmelzen des Schnees und damit einhergehend ein Abrutschen des Zeltes. Häufige Fröste gefährden nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die Wasserversorgung, da das Tropfwasser im Höhleneingang ausbleibt. Beim Biwakieren in der Höhle wird man mit gleichbleibenden Temperaturen von ca. zwei Grad belohnt. Diesen "Komfort" muß man sich allerdings mit einem anstrengenden Gepäcktransport durch die befahrungstechnisch anspruchsvolle und stellenweise sehr enge Höhle erkaufen. In den Genuß dieses Privilegs kommen maximal drei Personen, da auch in der Höhle keine größeren Ebenheiten anzutreffen sind.

Die Teilnehmer: An der Forschungstour 1996 waren beteiligt: Walther Appelt (Fotos), Ralf Camrath (Text), Dr. Rafael Ferreiro-Mählmann (Geologie), Jochen Hartig (Höhlenplan, Text), Jörg Korte, Oliver Kube (Fotos), Siegmar Neuner.

 

Sonstiges

   1000 Farben - eine Welt: Zwei Kilometer Leinwand gegen Ausländerfeindlichkeit (02.10.94 in Frankfurt). Das Anbringen an der Außenseite des Eisernen Stegs war eines der Highlights 1994.

   Koblenz Outdoor Recreation Program (KORP): Im Rahmen des Uni-Sports der Universität Koblenz wurden1996 bis 1998 Höhlentouren mit acht Teilnehmern ins französische Jura unternommen