DAV Höhlengruppe Frankfurt/Main

Kontakt: Oliver Kube Tel.: 06241/309879, Ralf Camrath Tel.: 06104/63669



Inhaltsverzeichnis

   Forschung 2016
   Aktivitäten 2016
   Höhlenpläne
   Berichte 1996 - 2015
   Temperaturmessung im Loferer Schacht
   Windmessung im Loferer Schacht
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Forschung 2016 - Neues Großhöhlensystem in den Loferer Steinbergen !!!

Bernd: Hol doch mal den Kühlschrank!  -  Björn: Ja, mach ich.

Solche Dialoge versteht nur wer unser traditionelles, langjähriges Camp hoch oben in den Loferer Steinbergen schon besucht hat. Dort haben wir uns Ende August wieder breit gemacht und die Sonne genossen. Die Kühlschranktonne schmorte im Schneefeld vor sich hin und brauchte täglich ein neues Loch. Auch das Trinkwasser floß reichlich in die unter dem Altschnee platzierten Kanister.

Dagmar und acht männliche Begleiter wollen dem ORO-Freezer auf den Grund gehen. Der Höhleneingang befindet sich ca. 500 Höhenmeter über dem nördlichen Ende des Horizontalteils des Loferer Schachts, bläst stark und ist seit 2015 schon bis -318m Tiefe bekannt. Richtig spannend wird es jedes Jahr durch den wechselnden Eisstand im Eingang, offen oder zugefroren? Die aufsteigende Kaltluft kondensiert im Austrittsbereich, das führt bis -85m zu starker Eisbildung. Ein kleiner Gletscher direkt unter der von der Sonne erhitzten Steinwüste. Das hat uns in Lofer bislang noch keiner geglaubt.

Offen! Juhu! Schon schleppen Tom und Philipp 130m Seil für den Eingangsbereich und 200m neue Seile für die Forschung heran. Nach zwei Stunden hängt das Seil wieder durch das Eis, zwei Ankerpunkte sind allerdings unerreichbar eingefroren. Dann geht es von Level 1 durch die selektierende, vertikale Engstelle weiter in den riesigen Schacht hinab.

Patrick will heute nicht so tief hinunter, doch Petr baut die Fortsetzung in der unbekannten Halle ein. Vom letzten bekannten Punkt ein bisschen an der Wand lang, die Rampe ist wegen Steinschlag zu gefährlich und dann bald frei hinab. „Frei“ heißt hier die Wand verschwindet und der mutige Forscher hängt völlig losgelöst im Seil unterm Monsterüberhang. Petr hat nach 80 Metern Höllenfahrt Glück, die Wand kehrt zurück. Allerdings ist das 100m Seil zwei Meter über einem rettenden Band zu Ende. Das nächste 100m Seil beginnt …

Ein Regentag hält uns etwas von der Tiefenforschung fern, doch dann sind wir am Dienstag wieder vor Ort. Petr und Patrick wollen Fotos von Ihrem Werk machen und das Altforscherteam Bernd und Oli hieven weitere 200 Meter bestes Höhlenseil in die Tiefe. Auf dem angesprochenen Band queren wir ein paar Meter, dann wird es wieder luftig. Oh, ich vergaß zu erwähnen, dass nun auch vom Band noch kein Boden in der Halle – oder ist´s ein Schacht ? – zu sehen ist. Keine Decke und keine umliegenden Wände zeigen sich. Das liegt nun nicht am mickrigen Licht, liebe Freunde! Unsere 1000 Lumen LED-Strahler schaffen leicht 50 Meter. Es liegt an der GRÖSSE ! (Große Schächte – große Angst, sagen die Psychologen … )

Dass da außer uns zwei Menschlein an der Wand noch etwas ist, hört man vernehmlich. Irgendwo rauscht ein Wasserfall und die berühmten Teststeine, auch da braucht es große Brocken, knallen auch irgendwann mal auf ! Also absolutes Vertrauen ins Material und hinab.

Nach bereits 40 Metern habe ich die Wand wieder, rufe Bernd herunter und weiter geht es. Unten glänzt etwas, vielleicht der Boden ? Doch zuviel Wassernebel behindert die Sicht. Jetzt geht es um die Wurst, das Seil wird knapp. Ich lote mit dem dicken Knoten im Seilende hinab, juhu, passt genau. Eine Felskante noch, oh, der sichtbare Fußboden-Grundriss kommt mir bekannt vor! Rasch stehe ich unten, muss mich zunächst von den angehängten Sachen befreien. Schleifsack, Karabiner, Laschen, Schraubenschlüssel aus dem Weg räumen, dann vier Schritte gehen und DA IST ES!!

Ein STEINMANN, drei Steine aufeinander, kein Zufall oder? Hier waren wir schon, das ist ein Teil des Loferer Schacht´s . Jiipppiiiiieee – Verbindung – Bernd, DA ISSES – Steinmann - Verbindung!!! WAHNSINN!! Holldriiöööhhh, der HAMMER!! Mit Bernd im Arm brüllen wir um die Wette, Loferer Schacht!! Verbindung, VER-BIN-DUNG !! Ein Wahnsinn nach all den Jahren, so dröhnt es völlig unverständlich nach oben. Dort lauschen nämlich Petr und Patrick gebannt den beiden Verrückten da unten. Haben die den Tiefenkoller? Ist was passiert? Nix wie runter.

Schon nähert sich Patrick seinem neuen Tiefenrekord (ca. -475m) und den nun schon frei freudentaumelnden tanzenden Wilden! Inzwischen haben wir einen alten Meßpunkt entdeckt und noch einen weiteren Steinmann. Somit ist es absolut sicher der Loferer Schacht und der Probast Robert Zidlického. Hier in 680m Tiefe vom alten Eingang aus gemessen, waren wir vor 7 Jahren schon! Leider ging es am Hallenboden damals nicht weiter. Das müssen wir nach penibler neuerlicher Überprüfung wiederum feststellen. Es hat sich bis heute nicht geändert. Egal, doch damals sind wir auch 68m auf den Boden abgeseilt. Ohje, das Loch aus dem schmalen Mäander heraus ist wohl auf der anderen Wand ganz oben in der Schwärze – völlig unerreichbar über Grund – wir können es noch nicht einmal sehen. Sei's drum – der Wind zieht durch und wir können den Erfolg feiern – ein echtes Großhöhlensystem!! WAHNsssiiiinnnnnnnn.

Die Fakten:

Fotos: Petr Caslavsky, Oliver Kube

Text: Oliver Kube


Aktivitäten 2016

2016 war ein VERTIKALES JAHR. So häufig hingen wir selten über dunklen Abgründen! Dabei ging es bereits in der dunklen Jahreszeit mit diversen Seiltrainings in den Wäldern um Groß-Gerau los. Besonders garstig war es im März als wir sogar unseren Höhlenhund auf den Baum ziehen mussten.

Erstmals hell wurde es in der Osterwoche wie im Vorjahr an der wunderschönen Ardeche in Frankreich. Von Norden her bevölkerten die wärmeliebenden Höhlenforscher 2 Ferienhäuser (waren wir 16 Forscher?) und locker ein Dutzend Höhlen. International bekannt sind dabei die sehr zugangsbeschränkten Aven Noel und Grotte St. Marcel – wir waren mit Genehmigung drin. Doch auch an anderer Stelle liegen hinter tiefen Schächten, weit ab im Verborgenen echte Schatzkammern mit unvorstellbaren Sinterformationen und Calzitkristallen. Man mag es kaum glauben, aber von all dem filigranen Sinter kann man temporär sogar in die Übersättigung geraten!

So standen im Mai schon wieder 10 Freunde des Untergrunds parat um im Französischen Jura etwas handfestere Höhlen zu befahren. Dabei wurde auch aus dem nassen Schlamm heraus fleißig die Seiltechnik geübt. So geschehen auch in der Grotte Thaverotte, welche wir endlich bis zum bitterkalten wasserreichen Ende geschafft haben – das vergisst man nicht.

Im Juni wurde Jochen und ich von 3kg schweren Päckchen überrascht. Die neue 752 Seiten starke österreichische Höhlenbibel „Höhlen und Karst in Österreich“ wurde nach 3 Jahren Arbeit in den Handel gebracht. Daran haben wir als langjährige Gebietskenner mit dem Kapitel über die Loferer Steinberge als Co-Autoren unseren Anteil.

Die gute Vorbereitung auf die Vortour Anfang Juli wurde überraschend belohnt. Auf Anhieb konnten wir dort in 2-3 Teams den vertikalen Brunnenschacht bis auf -200m Tiefe hinab erobern – WHOW ! Geht natürlich weiter … . Die Jungforscher kamen durch „wir gucken mal“ im neu entdeckten Laschenschmeisser mit 150m Seil nicht ans Ende !! Schon war das vertikale Fieber ausgebrochen!! Da war es ganz gut, daß andere Neuentdeckungen am Wegesrand wie „Kleiner Schlingel“ und „Äppelwoikeller“ schnell vollständig vermessen waren. Sonst wären wir wohl nicht wieder rechtzeitig nach Hause gekommen!

Allerdings zu Hause wollte im August sowieso niemand bleiben, denn die Jubiläumsexpedition in den Gouffre Berger im Vercors / Frankreich war seit Weihnachten ausgemachte Sache. !! DAS ist DER Everest der Höhlenforschung! Vor 60 Jahren wurde diese 1953 entdeckte Höhle im heroischen Expeditionsstil der damaligen Zeit, als erste Höhle weltweit bis über 1 Kilometer Tiefe befahren. 1956 eine absolute Sensation – unvorstellbar wie die Mondlandung – und auch Heute noch eine sehr ernste Sache. Die Höhlenvereine der Umgebung hatten eingeladen und mit der Befahrung um die Suche und den Transport des zum Teil 60 Jahre lang unten liegengelassenen Mülls gebeten. Leider sind manche Höhlenforscher da auch nicht besser als Bergsteiger! Die Zeltreste, Benzinbehälter und Sauerstoffflaschen (der Taucher) vergangener Tage, nebst völlig unnötigem touristischem Müll der letzten 40 Jahre, liegen statt im Base camp oder Hochlager X , eben verstreut in der Biwakkette bis vor den ersten Siphon in 1122 m Tiefe. Da wollten wir hin, doch wegen Hochwasser-bedingt abgerissenen Seilen, kamen wir „nur“ bis -705m Tiefe hinab. Allerdings ging es von dort mit eingesammeltem Müll und unglaublichen Eindrücken der sehr schönen Höhle in 17 Stunden non-stop Tour, abgekämpft und müde wieder an die im Bergwald gelegene Oberfläche zurück. Ein bemerkenswertes vertikales Highlight !!

Somit konnten die gestählten Helden locker zum einwöchigen Camp auf dem Schneefeld in Lofer einlaufen. Unsere beiden 4-Mann Zelte waren voll belegt, das Wetter und die Stimmung super. Schon kündigte sich das nächste epische Ereignis an. Wie im Nachrichtenblatt 3/16 berichtet, gelang über den fast ausschließlich senkrechten ORO-Freezer, mit seinem bis auf -83m vereistem Eingangsschacht, der entscheidende Vorstoß. Ab -318m ging es über die Kante bodenlos, auf gut Glück, mit maximal viel Seil in ein schwarzes Nichts hinab. Die Nerven dürften so gespannt gewesen sein wie die Seile  , mindestens ! . Ca. 150m tiefer bei -475m landeten wir sanft und plötzlich überglücklich in einem Endpunkt des Loferer Schachts ! Das Großhöhlensystem Loferer Schacht – ORO-Freezer ist nun 11 Kilometer und 616 Meter lang – und geht noch weiter.

Von der Großhöhlenforschung angefixt machten wir gleich in Hessen mit der SAH im Herbstlabyrinth ein paar Schlote und Schächte klar. Die vertikalen Angelegenheiten wie Schlote hochbohren, oder „Engstellen am Seil“ werden uns gerne zugeteilt. Das flutscht. Komischerweise sind die Tagestouren zur Forschung in die weit entlegenen Höhlenteile auch meist gegen 12 Stunden lang. Gesamtlänge Ende 2016 11,3 Kilometer. Und geht weiter …

Fehlt noch das vor-vorletzte Highlight des Jahres -> Na klar, die Neulandforschung in der Kreuzhöhle im Oktober zum Hüttenschluß mit internationalem Team. Leider ist die ca. 2175m hoch gelegene Höhle inzwischen auch so groß, daß wir 4 Nächte in der Höhle und nur 2 Nächte in der Hütte geschlafen haben. Auch da zieht es gewaltig vertikal, fantastischerweise hinab in den Dolomit. Bis minus 662m haben wir vermessen. Und noch immer sind 3 unabhängige offene Enden das Paradies für professionelle Forscher. Gibt es außer SENSATION noch passende Worte?

Ahhh, Entspannung ! Französischer Jura im allseits bekannten Kuhdorf stand im November an. Kaum erwähnt, ZACK, schon stehen 11 Teilnehmer auf der Liste. War nett, lustig, für manche anstrengend, sozial, kulinarisch einfallsreich und wohl alle konnten etwas lernen. Großhöhlen wie die Borne aux Cassots, kleine sehenswerte Schmankerl, Musik im Untergrund, lokaler Wein, Baguette und Käse. Sonnenschein und Höhlenleben wie Gott in Frankreich. Wer nicht dabei war hat wirklich etwas verpasst.

Text: Oliver Kube


Höhlenpläne


Höhlenpläne - Loferer Steinberge, Österreich

Loferer Schacht

Länge: 11616 m
Tiefe: -806 m

1323_042 Loferer Schacht 2016 Plan.pdf

1323_042 Loferer Schacht 2013 Plan.pdf

Kreuzhöhle

Länge: 2810 m
Tiefe: -664 m

1323_117 Kreuzhoehle 2014 Plan.pdf

ORO-Freezer

Länge: 966 m
Tiefe: -475 m

1323_129 ORO-Freezer 2016 Plan.pdf

Kristallcanyon

Länge: 1006 m
Tiefe: -403 m

1323_127 Kristallcanyon 2011 Plan.pdf

Heinzquetsche

Länge: 1951 m
Tiefe: -333 m

1323_087 Heinzquetsche 1989 Plan.pdf

Brunnenschacht

Länge: 359 m
Tiefe: -198 m

1323_134 Brunnenschacht 2016 Plan.pdf

Federschacht

Länge: 338 m
Tiefe: -123 m

1323_111 Federschacht 2003 Plan.pdf

 


Längste und tiefste Höhlen in den Loferer Steinbergen

 1. Loferer Schacht

11616 m

 1. Loferer Schacht

-806 m

 2. Ochsenmaulhöhle

6150 m

 2. Schauriger Schacht

-754 m

 3. Kreuzhöhle 

2810 m

 3. Herbsthöhle

-683 m

 4. Heinzquetsche

1951 m

 4. Kreuzhöhle

-664 m

 5. Prax-Eishöhle

1040 m

 5. Ochsenmaulhöhle

-575 m

 6. Schauriger Schacht

1035 m

 6. ORO-Freezer

-475 m

 7. Herbsthöhle

1015 m

 7. Kristallcanyon

-403 m

 8. Kristallcanyon

1006 m

 8. Gigantenschacht

-345 m

 9. ORO-Freezer

966 m

 9. Heinzquetsche

-333 m

10. Gigantenschacht

744 m

10. Großmaul

-300 m


Links

   CaveRenderPro
   Einführung in die Höhlenvermessung
   Deutscher Alpenverein Frankfurt/Main
   Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Hessen
   Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.
   Union International de Spéléologie (UIS)
   Landesverband für Höhlenkunde in Salzburg (LVHK)
   Österreichische Bundesforste AG
   Schmidt-Zabierow-Hütte