DAV Höhlengruppe Frankfurt/Main

Kontakt: Oliver Kube Tel.: 06241/309879, Ralf Camrath Tel.: 06104/63669



Inhaltsverzeichnis

   Aktivitäten 2014
   Forschung 2014
   Berichte 1996 - 2013
   Temperaturmessung im Loferer Schacht
   Windmessung im Loferer Schacht
   Datenlogger Version 2
   Höhlenpläne, Animationen, VRML-Modelle
   Foto-Galerie
   Höhlengruppe Intern
   Links

Unterstützt durch / Supported by

     


Aktivitäten 2014

Oh, es war viel los in 2014 ! Der Megatrend geht ja eindeutig zu ständigen Rekorden. Fast schon peinlich, daß wir auch solche hatten. Ich glaube 8 Touren und 3 mal Seiltraining an schönsten Bäumen ist schon erwähnenswert. Dabei waren wir über 40 Tage unterwegs, haben über 20 Höhlen gesehen. Der ungekrönte Biwakkönig schlief meist selig 15 Nächte Untertage, davon 7 Nächte non stop im Loch. Na, ich hätte wohl mein Bett zu Hause untervermieten können?

Schon am 3.Januar begann das Höhlenjahr mit einer Skitour in den Loferer Steinbergen zu unseren Höhlen und der Sichtung einiger nicht zugeschneiter Löcher – potentielle neue Hölheneingänge … . Die nächste winterlichen Befahrung galt der tiefsten Sandsteinspalte im Pfälzer Wald (-51m), dann ging es auch schon zu Ostern mit einer großen Gruppe für ausgiebige 9 Tage in den geliebten französischen Jura. Dort verwöhnte uns die Sonne und die aufblühende Natur. 7 Höhlen wurden befahren und die Neueinsteiger kräftig eingematscht. Und Sie sind geblieben?

Die Vorbereitungen für die Forschungen in den Loferer Steinbergen gipfelten in der schon berühmten Vortour Anfang Juli. Dabei wurden wieder ordentlich Essensvorräte und Material auf den Berg gebuckelt. Der Empfang im Tal und auf der Hütte war diesmal besonders herzlich, da fühlt man sich gleich wohl und wie zu Hause. Ein Grund mag unsere Entdeckung der Höhlenforscherquelle im Herbst 2013 gewesen sein, welche uns oben freudig sprudelnd begrüßte. Ca. 75m über der von-Schmidt-Zabierow Hütte gelegen, erlaubt sie erstmals in der über 100 jährigen Geschichte der urigen Hütte Aussicht auf fließendes Wasser !!! Das gab es bisher dort noch nie !! Im Dürresommer 2013 mussten sogar 20 Kubikmeter „vergoldetes“ Wasser mit dem Hubschrauber eingeflogen werden. Die Sektion Passau und Hüttenwirtin Kathi sind uns Frankfurtern daher sehr dankbar.

Im Juli brachen Petr und ich dann zum Abenteuer „Minus 1000“ nach Montenegro auf. Unter der Organisation und mit den Freunden der tschechischen Höhlengruppe Suchy Zleb, gelang uns der Materialtransport ins Maganik Gebirge und schließlich in der Höhle „Iron deep“, der Abstieg über mehrere Biwaks bis über 1km Tiefe. Besonders denkwürdig war das Überschreiten der magischen 1000 Meter Linie mit vollem Biwakgepäck, ohne vorher in der nassen und verwinkelten Tiefe einen geeigneten Schlafplatz zu kennen. Nach 10 Stunden Abstieg aus dem letzten „Tieflager“ fanden wir bei -1130m schließlich Quartier in Form eines wüsten Blockfeldes. Nach weiteren 2 zehrenden Stunden waren dann 4 annehmbare Schlafplätze zurechtgerückt. Dabei wird der Komfortgedanke mit fortschreitender Zeit, stark von Erschöpfung verdrängt. Im Laufe des 4-tägigen Tiefenaufenthalts unter -1000m konnten Petr und ich den bislang tiefsten Punkt an einem Siphon erreichen, -1169m unter Eingangshöhe. Rekord für Montenegro und die Frankfurter Höhlengruppe. Damit ist „Iron Deep“ auf Platz 57 der Weltrangliste der tiefsten Höhlen der Welt vorgerückt.

Solchermaßen gestärkt erreichten wir Ende August die Loferer Steinberge. Ein acht Personen starkes internationales Team rückte ein letztes Mal in den Loferer Schacht ein, um die verbliebenen Biwaks und Einbauten restlos zu entfernen. Ein beispielloser, von Erfolg gekrönter Kraftakt nach 25 Jahren Forschungsgeschichte. Dabei ist das eventuelle Hintertürchen „ORO-Freezer“ jedoch noch offen geblieben.

Weil es soooo schön war und Neuland forschen viel mehr Spaß macht, nahmen wir Anfang Oktober wieder die Kreuzhöhle ins Visier. Von den dort ansässigen 5 Honigkuchenpferden lest Ihr auch in diesem Heft. Doch - 486m ist ja auch schon ein Wort !

Wird es in den Alpen zu garstig, ruft die hessische Heimat. Das Herbstlabyrinth bei Herborn ist auf über 8,5 km Länge zur sechstlängsten Höhle Deutschlands herangewachsen. Lange Touren hat die SAH versprochen, also genau unser Ding. Leider sperrt uns auf halbem Weg ein vollgelaufener Siphon aus, so gelingen hinter einem vertikalen Schluf nur 10 verzweifelte Meter Neuland, immerhin!

Zur Entspannung fahren wir mit der letzten spätherbstlichen Wärme nochmal in den französischen Jura, Klassiker machen. In der uralten „Pourpevelle“ blenden wir uns erstmals mit unseren neumodischen Turbo-LED-Scheinwerfern. Unter 1000 Lumen Lichtstärke ist ja nur etwas für Verlierer. Whow, neuer Glanz in der alten Hütte, dabei ist die Höhle noch immer erste Sahne und die Tour die üblichen 12 Stunden lang:

Text: Oliver Kube


Forschung 2014 - Schicht im Schacht

Der Loferer Schacht ist ausgeräumt. Nach 25 Jahren Forschung im Loferer Schacht haben wir 2014 den Schlussstrich gezogen. 1990 - Kinder was waren wir noch jung und knusprig - wurde der von polnischen Forschern bekannte Eingang gesucht und für den DAV Frankfurt in Besitz genommen. Dann ging der Einbau von Seilen, genauer vielen, vielen Seilen los und die Vermessung begann. Im Lauf der Jahre wurden die vielen, vielen Kilometer Seile allesamt per pedes die 1450 Höhenmeter hinauf und hinein gebuckelt.

Als wir in 2013 nach über 10,6 Kilometern vermessener Gesamtlänge keine erreichbaren Fortsetzungen mehr finden konnten, alle potentiell weiterführenden Gänge, Fenster, Spalten, Engstellen abgesucht hatten, da reifte der Entschluss zur Schließung. Acht zu allem entschlossene Forscher waren zu diesem Ereignis vor Ort. Als Mann der ersten Stunde hat Bernd alle Höhen und Tiefen miterlebt. Alterspräsident Ron hat für diese Tour extra Kalifornien verlassen. Vom seit 2002 tätigen Organisator Oliver (auch der Listenreiche genannt), gab es diesmal ein Meisterstück der Planung. Campmanager Marvin hat inzwischen unser Funksystem, das Küchentarp, den Toaster und das Aufschichten von Steinen perfektioniert. Petr packt Biwaksäcke für mehrtägige Touren quasi blind und kann die Bohrmaschine ohne Licht reparieren. Doch nach all den zehrenden Loferjahren sind wir Altforscher nun nur noch knusprig, dafür aber erfahren! Umso mehr erfreuten uns die begeisterten Jungforscher Gilly (USA), Uli (Schnutenbach) und Tom (Bayreuth), welche uns alten Säcke beim Schleppen der Lasten übertreffen wollten. Die optimale Besetzung um mit 3 Teams, das Terminal 1 Biwak, den Garten für die Harten (Biwak) und das Außencamp zu betreiben. Es galt in der Höhle über 5 Tage den Rückbau der Biwaks und den Ausbau der Seile zu bewerkstelligen.

Los ging es am Samstag 23. August mit dem leicht verregneten, legendären Stoaberglauf (den gibt es wirklich, kein Witz), welchen wir in der Leistungsklasse ab 25kg Gepäck mit Platz 1 – 4, vollständig für uns entschieden. Das große Biwaksack-Packen war wie immer spannend. Und bald schon waren am Sonntag zwei Teams unterwegs in die Tiefe, auf der Flucht vor dem im August in Lofer üblichen Schnee (auch kein Witz). Ron, Petr und Uli, welcher seiner ersten Biwaknacht entgegen fieberte, aktivierten das Terminal 1 Biwak in 435 Metern Tiefe, während Gilly und ich den Garten in 560 Metern Tiefe aufsuchten. Am Montag stand dort für uns Beide Seile Abbauen im Tiroler Tunnel, dem Ebbelwoi Express bis über den Stairway to heaven, auf dem Programm. Gleichzeitig beförderte das Terminal 1 Team sechs volle Säcke Überflüssiges hinauf zur Verschwörungshalle. Dort übernahmen Bernd und Tom die schweren Packen. Nur mittels Flaschenzügen waren die letzten 235 Höhenmeter in den Schächten zu bewältigen, eine erste Heldentat, die Zwei waren vollständig bedient.

Am Dienstag, ein weiterer Tag ohne Wetter - nur Nebel des Grauens, bekamen wir im Garten Besuch vom Terminal 1 Team. Uli war begeistert von den Schönheiten der Höhle, bis wir vereinigten fünf „Möbelpacker“ uns dann mit zehn anhänglichen Säcken an den Aufstieg zum Terminal 1 machten. Alles ging gut, so daß Gilly und ich fotografierender Weise nach unten in den Garten zurückkehren konnten. Die letzte Nacht an unserer 15-jährigen Wirkungsstätte ließen wir mit einem Festmahl anbrechen. Schließlich tragen sich Lebensmittel im Bauch ja einfacher als im Schleifsack.

Der Mittwoch kündigte sich durch das Höhlenwind-Orakel als verregnet an. Vollständiges Aufräumen, gefolgt von vollständigem Einpacken ließ zunächst wenig Zeit für Sentimentalitäten – plötzlich der letzte heiße Tee. Als letzter Mensch, verließ ich dann doch mit Wehmut den von mir im Jahr 2000 als ersten Menschen betretenen Garten für die Harten. Eine tolle Zeit, viele Freunde, viele Geschichten, super Forschung. Zum Glück bleibt die Erinnerung nicht in der ewigen Finsternis zurück. Doch der Seilabbau und damit randvolle Schleifsäcke brauchten bald meine ganze Konzentration.
Ganz ähnlich agierten die Freunde im Terminal 1, 200 Höhenmeter weiter oben mit dem kleinen Unterschied nun drei Säcke pro Person befördern zu dürfen. Ganz nach Plan erschien Bernd von Außen zu Hilfe, welcher Tom zur seinerseits ersten Biwaknacht im Terminal 1 „abstellte“, bis Gilly und ich eintrafen. Zu verzichtbarer Bewegung im Schacht, sorgte bald der kräftig einsetzende Regen am Nachmittag. Plötzlich donnerte der Stolichnaja Fluß in den ohnehin schon unangenehmen Drachenzahn Schacht, als ich dort gerade am Seil einholen war. Da blieb kein Auge trocken (es hat nur 1° C, plus). Auch Bernd durfte sich auf dem Weg nach Draußen vollständig einweichen. Die sogenannten Nassen Schächte machten Ihrem Namen alle Ehre und das Vollbad für Ihn, gab es dann im 43m Ausstiegsschacht. Ron, Uli und Petr waren zwar nur kräftig feucht entflohen, bekamen die intensive Grundreinigung dafür auf dem Weg zur Hütte aufgezwungen. Na, wer Kaiserschmarrn will, muß eben leiden !

Vom leckeren Essen bei Kathi auf der warmen von-Schmidt-Zabierow Hütte, konnten Gilly, Tom und ich im Terminal 1 solange nur träumen, aber auch das fällt bei dem ständigen Getöse des Wassers ab und zu schwer. Kein Wunder, dass wir am Donnerstag schon früh die Reste zusammenpackten und alsbald zu Dritt mit den verbliebenen Säcken in den Seilen hingen. Gilly schnappte sich unterwegs noch einen 4. Sack (ein Wahnsinn !) und war von uns zwei Weicheiern nicht mehr einzuholen. Zum Glück hat Sie den 4.Sack nach 2 Stunden dann doch noch hängen lassen, so dass ich mir mit dann 3 Säcken nicht mehr ganz so alt vorkam.

Das Ausmaß des Helden-Verschleisses zeigte sich dann draußen. Bernd war außer Gefecht, Petr lag mit Fieber im Zelt, Ron und Uli zeigten das Endstadium der Rüsselpest, Gilly was just demotivated, Tom hatte Wasserblasen überall und Marvin saß schon in der Hütte. Nur ich war noch nicht fertig. ALLES MUSS RAUS – DAS BESTE ZUM SCHLUSS, so quälte ich die Freunde. Jetzt den Schacht zu machen !

Tatsächlich gelang über Nacht die Wunderheilung bei Petr und Tom hatte Mitleid mit den Altforschern. So zogen wir Drei am Freitag 29.August 2014 bei schönstem Sonnenschein zum letzten Mal feierlich in den Loferer Schacht ein, um die restlichen Seile ab 250m Tiefe vollständig abzubauen. Die anderen räumten zeitgleich das Außenlager ab. Sechs Stunden später verließen Tom, Oli und Petr als letzter Forscher den Eingangsschacht, nur gefolgt von vielen Säcken alter Seile. Glücklich lagen wir uns in den Armen. Eine Meisterleistung auf allen Ebenen, von jedem! Unbeschreiblich, ohne Worte schön !!!

Text: Oliver Kube


Höhlenpläne

Höhlenpläne, Animationen und VRML-Modelle
Loferer Schacht

Länge: 10655 m
Tiefe: -806 m

  

Kreuzhöhle

Länge: 1861 m
Tiefe: -486 m

Kristallcanyon

Länge: 996 m
Tiefe: -403 m

Heinzquetsche

Länge: 1951 m
Tiefe: -333 m

Federschacht

Länge: 338 m
Tiefe: -123 m


VRML Viewer


Android-App



 

Längste und tiefste Höhlen in den Loferer Steinbergen

 1. Loferer Schacht

10655 m

 1. Loferer Schacht

-806 m

 2. Ochsenmaulhöhle

6150 m

 2. Schauriger Schacht

-754 m

 3. Heinzquetsche

1951 m

 3. Herbsthöhle

-683 m

 4. Kreuzhöhle

1861 m

 4. Ochsenmaulhöhle

-575 m

 5. Prax-Eishöhle

1040 m

 5. Kreuzhöhle

-486 m

 6. Schauriger Schacht

1035 m

 6. Kristallcanyon

-403 m

 7. Herbsthöhle

1015 m

 7. Gigantenschacht

-345 m

 8. Kristallcanyon

996 m

 8. Heinzquetsche

-333 m

 9. Gigantenschacht

744 m

 9. Großmaul

-300 m

10. Ochsenhornhöhle

630 m

10. Oberes Tret Schacht D-3

-293 m


Links

   CaveRenderPro
   Einführung in die Höhlenvermessung
   Deutscher Alpenverein Frankfurt/Main
   Landesverband für Höhlen- und Karstforschung in Hessen
   Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V.
   Union International de Spéléologie (UIS)
   Landesverband für Höhlenkunde in Salzburg (LVHK)
   Österreichische Bundesforste AG
   Alpin Caving News
   Schmidt-Zabierow-Hütte